Preise Hoher Unterhaltungsfaktor, diamantene Schärfe: Ilse Kilic bekommt den Hugo-Ball-Preis

Schreibt ABC-Texte und betrieb ein Glücksschweinmuseum: Preisträgerin Ilse Kilic.
Schreibt ABC-Texte und betrieb ein Glücksschweinmuseum: Preisträgerin Ilse Kilic.

Sie schreibt ABC-Literatur und sammelt Glücksschweine: Jetzt bekommt Ilse Kilic den mit 10.000 Euro dotierten Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens.

Originelle Wahl auf jeden Fall. Nach Oskar Pastior, Cees Nooteboom, Robert Menasse, Max Goldt oder Thomas Hürlimann jetzt also Ilse Kilic. Schon eine Zäsur. 2023 war die Preisverleihung an den Weltkunststar Hito Steyerl nach deren Vorwürfen gegen den Namensgeber zugunsten einer Debattenreihe zum Thema Antisemitismus und Hugo Ball ausgesetzt worden. Die 68-Jährige Ilse Kilic operiert an der Schnittstelle von Text, Performance und Konzeptkunst.

Sie schreibt „Nicht-Erzählungen“ und arbeitet seit Jahrzehnten im Duo mit Fritz Widhalm. Zu ihrem Oeuvre gehören maßgeblich regelbasierte und serielle sogenannte ABC-Texte, in denen Vorgaben wie ein alphabetisches Raster abgearbeitet werden. Zudem dreht sie Filme und gibt Comics über das Älterwerden heraus. Zwischen 2006 und 2021 betrieben sie und Widhalm zudem in einem Ladenlokal in der Wiener Josefstadt einen „wohnzimmerischen“ Treffpunkt zum literarischen, künstlerischen und solidarischen Austausch, ein Glücksschweinmuseum mit über 700 Exponaten anbei. Die Jury, der auch die ebenfalls schon mit dem Ball-Preis geehrten Ann Cotten und Feridun Zaimoglu angehörten, schreibt: „Ilse Kilic ist ein bodennaher Fixstern am Firmament der deutschsprachigen Experimentalliteratur.“

Lokal vernetzt und mit wacher Weitsicht beschäftige sich die 68-Jährige seit vielen Jahrzehnten mit den großen Fragen von Sprachphilosophie, Leben und Welt, die sie in ihrer stilsicheren, unvergleichlichen Punk-Ästhetik mithilfe von beantwortbaren Fragen erfasse. „Ob der Grundmodus Erzählung oder Essay ist, hoch ist der Unterhaltungsfaktor und diamanten die Härte und Schärfe der Gedanken“, heißt es im Jurytext weiter.

Kilic ist seit 2019 Präsidentin der Grazer Autorinnen- und Autorenversammlung und wurde für ihr Schaffen mehrfach ausgezeichnet, darunter 2016 mit dem Veza-Canetti-Preis der Stadt Wien und mit dem Heimrad-Bäcker-Preis (2024). Ihre literarischen Arbeiten erscheinen seit 1996 zu einem großen Teil im Ritter Verlag (Klagenfurt).

Beschäftigt sich musikalisch mit Hugo Ball: Jazz-Posaunistin und Komponistin Anke Lucks.
Beschäftigt sich musikalisch mit Hugo Ball: Jazz-Posaunistin und Komponistin Anke Lucks.

Anke Lucks, die Trägerin des mit 5.000 Euro dotierten Förderpreises, ist eine Jazz-Posaunistin und Komponistin. Die 51-Jährige stammt aus Mettmann und lebt seit 2000 in Berlin. Auf einer ihrer letzten CDs beschäftigte sich Lucks unter dem Titel „Gadjama“ mit dem Lautgedicht „Gadji beri bimba“ von Hugo Ball. 2017 gründete Lucks zusammen mit Almut Schlichting und Christian Marien die „Insomnia Brass Band“. Das Trio wurde im April 2023 mit dem Deutschen Jazzpreis in der Kategorie „Band des Jahres“ ausgezeichnet.

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