Kultur Hoher Besuch

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In der Reihe „The Big Four“ gab Martha Argerich, die Grande Dame des Klaviers, ein frenetisch umjubeltes Gastspiel im BASF-Feierabendhaus Ludwigshafen. Kongenialer Partner im vierhändigen Spiel an zwei Flügeln war der gefeierte US-amerikanisch-armenische Pianist Sergei Babayan.

76 Lebensjahre hinterlassen ihre Spuren, und so entpuppt sich der Weg auf die Bühne als die größte Hürde des Abends für Martha Argerich. Ihr 20 Jahre jüngerer Pianistenkollege führt sie sicher, Hand in Hand betreten sie die Bühne. An der Tastatur angekommen, scheinen alle Gebrechen des Alters wie weggefegt: Argerich donnert geradezu die Akkordschläge in die Tasten. Sergei Babayan hat die zwölf Klavierstücke aus dem Ballett „Romeo und Julia“ von Prokofjew für zwei Klaviere zu einem virtuosen Zyklus geformt und eine Steilvorlage für das berühmt-berüchtigte Temperament der Jahrhundertpianistin geschaffen. Wie gut, dass sich das Duo an jeweils eigenen Instrumenten austoben darf – da kommen sich die quirlig über die Tasten jagenden Hände nicht in die Quere. Wahnwitzige rasante Tonrepetitionen, flirrende Motorik und vollgriffige Akkordketten wechseln sich in den einzelnen Sätzen des bekanntesten Liebesdramas der Literaturgeschichte ab. Es sind vor allem die federnde, jugendlich frische Anschlagskultur und die völlig unangestrengt wirkende Spielfreude, mit der Argerich das Publikum hypnotisiert. Babayan hält mit, mimt keineswegs den Adlatus, sondern agiert zuweilen gar noch einen Tick härter. Es ist die Entdeckung der musikalischen Rastlosigkeit, die für Adrenalin pur sorgt. Raum zur Entspannung bleibt wenig. Dass sie auch anders können, zeigen die Pianisten mit der Sonate für zwei Klaviere D-Dur von Mozart. Nun spielen sie nach einem Umbau der Instrumente Seite an Seite. Martha Argerich, die mittlerweile keine Solo-Klavierabende mehr gibt, scheint die unmittelbare Tuchfühlung mit ihren Kammermusikpartnern sehr wichtig. Und fast scheint der Verschmelzungsgrad nun um eine oder gar mehrere Stufen höher geschraubt – wie aus einem Guss zelebrieren Argerich und Babayan im Mittelsatz butterzart die hohe Kunst, auf dem Klavier zu singen. Umrahmt wird dieses kurze meditative Intermezzo von den Ecksätzen. Düster und gespenstisch beschwört das Duo nach dem eher unverdächtigen, vor allem von musikantischer Frische geprägten Mozart den „Geist von Hamlets Vater“ zum Auftakt der Bearbeitung von sieben Auszügen aus Bühnen- und Filmmusiken von Prokofjew herauf. In tiefste Bassregionen entführen sie, Babayan verharrt manchmal etwas länger auf dem Pedal, zusammen erzeugen sie eine geradezu nebulöse Stimmung mit Klangfarben, wie man sie bis dato noch nicht gehört hat. Mit Rachmaninoff hat Argerich ihren Weltruhm begründet. Ihre Interpretation des 3. Klavierkonzerts zählt zu den großen Referenzaufnahmen des 20. Jahrhunderts. Mit Rachmaninoff verabschiedet sich die Pianistin denn auch in zwei üppigen Zugaben, darunter Auszüge aus den beiden Suiten für zwei Klaviere op. 5 und op. 17.

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