Kultur Gezeichnete Köpfe der Weimarer Republik
„Er wollte den Geist der Epoche, den Sinn ihrer Anstrengungen aus dem menschlichen Antlitz ergründen. Seine Fähigkeit, das Einmalig-Unverwechselbare im Typus zu erfassen, und die Kunst, das Gesehene in kürzester Frist wiederzugeben, trugen ihm Beachtung und Anerkennung ein“, beschreibt der Autor Kurt Schwaen in einem von ihm herausgegebenen Buch die Arbeit des in Worms aufgewachsenen Porträtisten und Pressezeichners Emil Stumpp (1886-1941) . In der Weimarer Republik genoss der Künstler, der unermüdlich auf Reisen war und das Konterfei fast eines jeden, der im gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben in Europa Rang und Namen hatte, aufs Papier bannte, großes Ansehen. Thomas Mann und Kurt Tucholsky äußerten sich bewundernd über seine Zeichnungen, auch die Künstlerkollegen Heinrich Zille oder George Grosz schätzten seine Porträts. Durch ein Hitler-Porträt, das den Nationalsozialisten missfiel, zog der Künstler, dessen Köpfe bis 1933 Artikel in den renommiertesten deutschsprachigen Zeitungen illustrierten, den Zorn der Nazis auf sich und konnte fortan nur noch im Ausland arbeiten. Etwa 20.000 Porträts weist Stumpps Œuvre auf: Darunter sind die Köpfe von Schriftstellern wie Gottfried Benn, Bert Brecht, Max Brod, Hugo von Hofmannsthal, Karl Kraus, Franz Werfel, Lion Feuchtwanger, Thomas und Heinrich Mann, Künstlern wie Edvard Munch, Lovis Corinth, Max Slevogt, Max Liebermann, Otto Dix und George Grosz, Musikern wie Igor Strawinsky oder Alban Berg, Schauspielern wie Tilla Durieux und Max Pallenberg oder Politikern wie Friedrich Ebert und Gustav Stresemann. Zur Beerdigung einer seiner Töchter kehrte Emil Stumpp 1940 aus Schweden nach Deutschland zurück. Eine Unterhaltung mit zwei französischen Kriegsgefangenen und sein Disput mit dem Bürgermeister von Perwelk auf der Kurischen Nehrung über die politische Lage sollten ihm zum Verhängnis werden: Nach der Denunziation durch den Bürgermeister bei der Gestapo wurde Stumpp am 2. Oktober 1940 verhaftet und in Memel am 14. Januar 1941 wegen „Vergehens gegen das Heimtückegesetz und verbotenem Umgang mit 2 Kriegsgefangenen“ zu einem Jahr Haft verurteilt. Er starb durch die elenden Haftbedingungen im Nazi-Gefängnis. Mit Bildern aus einer Privatsammlung wird nun ab kommenden Sonntag (Eröffnung um 11 Uhr) bis 2. September die vom Rhein-Pfalz-Kreis initiierte Ausstellung „Emil Stumpp – Köpfe der Weimarer Republik“ im Schloss Kleinniedesheim an diesen begnadeten Zeichner erinnern. Zu sehen sein werden Porträts von Repräsentanten der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wie dem Politiker Gustav Stresemann, dem Sportler Max Schmeling oder dem Schauspieler Heinrich George.