Nachruf
Ganz und gar kein kleiner Pfälzer: Zum Tode von Michael Bauer
„Do de Dom
Do de Mond
Du, Dom do:
Do, doi Mond!
Do de Dom
Do de Mond
Du, Mond do:
Do, doi Dom!
Do de Dom
Do de Mond
Und do du.“
Hätte der jetzt mit 79 Jahren verstorbene Michael Bauer nur dieses eine ikonische Gedicht geschrieben, sein Platz im Olymp der pfälzischen Poesie wäre ihm dennoch sicher. Natürlich hat Bauer, der am 29. März 1947 in Kaiserslautern geboren wurde und bis zuletzt in Herxheim gelebt hat, nicht nur diesen einen Text hinterlassen. Ganz im Gegenteil. Mit dem „Kläänen Pälzer“ hat er eine Kunstfigur erschaffen, die uns allen einen Spiegel vor Augen gehalten hat. Nie böswillig oder hämisch, sondern stets liebevoll und zugewandt, aber immer bestimmt und kompromisslos. So wie Michael Bauer auch als Persönlichkeit war.
Bauer, der eine Buchhändlerlehre absolviert hat und in diesem Beruf auch eine Zeit lang gearbeitet hat, war ja ein Multitalent. Oder aber anders gesagt: ein pfälzischer hommes de lettres. Er hat als Journalist gearbeitet, ist als Liedermacher aufgetreten und war letztlich doch vor allem eines: Ein wunderbarer Anwalt unserer pfälzischen Sprache. Wenn Bauer auf Pfälzisch dichtete, so hatte dies nichts Provinzielles. Ihm gelang es vielmehr, unseren Dialekt als vollgültige Literatursprache zu etablieren. Und wenn ihm der Mief der Provinz zu viel wurde, die Geschichtsvergessenheit ihn abschreckte, dann konnte Bauer auch mal unbequem werden und einen Literaturpreis ablehnen, weil ihn die Nazivergangenheit des Namensgebers des Preises regelrecht anwiderte.
Bauer hat sich auch mit seinem „Klääne Pälzer“ klein gemacht, um den Großkopferten umso besser ans Schienbein treten zu können. Und er hat die kleine, fast schon bescheidene literarisch-poetische Form gewählt, um wahrhaft Großes zu bewirken. So wie in dem eingangs zitierten Gedicht, mit dem er dem Kaiserdom zu Speyer ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Aber eben noch viel, viel mehr.
Die Kraft der poetischen Sprache entfaltet sich erst, wenn man das Gedicht auch hört. Denn diese Verse sind mindestens ebenso sehr Musik, wie sie Literatur sind. Und vor diesem Hintergrund sind wir natürlich auch schon sehr schnell bei dem größten pfälzischen Literaten des 20. Jahrhunderts, bei dem in Pirmasens geborenen Hugo Ball (1886-1927). Auch Balls Poesie ist Musik in Reinform. Und sie ist – eine weitere Parallele zu Michael Bauer – voller Humor.
Aber Bauers Domgedicht, das bei seinem erstmaligen Erscheinen 1991 manche Leser regelrecht aufgeschreckt hat, ist darüber hinaus eben auch noch ein zutiefst humanistisches Gedicht. Es feiert ja nicht nur den Dom und den Mond über Speyer, damit die pfälzische Heimat. Es feiert auch – zumindest in meiner Lesart – die Liebe. Den geliebten Mitmenschen: „Und do du“. Und Du wirst fehlen, Michael Bauer.
