Kino RHEINPFALZ Plus Artikel Film der Woche: In „Cat Person“ wird eine Romanze zum Horrortrip

Emilia Jones fasziniert durchweg mit ihrer schier lodernden Präsenz.
Emilia Jones fasziniert durchweg mit ihrer schier lodernden Präsenz.

Die 2017 im Magazin „New Yorker“ erschienene Kurzgeschichte „Cat Person“ machte die bis dahin unbekannte Autorin Kristen Roupenian zur Ikone der #MeToo-Bewegung. Jetzt kommt die Verfilmung der gedankenreichen Geschichte in die Kinos. Sehenswert!

Wie die literarische Vorlage, so entzieht sich auch der Film allen Etiketten. Komödie, Lovestory, Thriller, Horrordrama, philosophisches Traktat – alles passt und nichts davon. Am Anfang steht ein Zitat der Schriftstellerin Margaret Atwood („Der Report der Magd“): „Männer haben Angst, dass Frauen sie auslachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie umbringen.“ Die zwei Sätze prägen sich ein, suggerieren eine anhaltende Irritation. Sie ist es, die den Film bemerkenswert macht. Dabei ist die Handlung erst einmal nicht sonderlich ungewöhnlich.

Regisseurin Susanna Fogel und Drehbuchautorin Michelle Ashford erzählen zunächst eine scheinbar simple Lovestory: Studentin Margot (Emilia Jones) jobbt als Kassiererin in einem Kino. Überraschend spricht sie der etwa ein Jahrzehnt ältere Besucher Robert (Nicholas Braun) an. Sie chatten, sie treffen sich, sie haben Sex. Da Margot spürt, dass sie nicht wirklich verliebt ist, will sie die Beziehung beenden. Doch sie traut sich nicht recht, möchte Robert nicht verletzen. Der angebliche Katzenfreund wirkt zu sensibel. Freundin Taylor (Geraldine Viswanathan), Seelenverwandte und bodenständige Beraterin, hilft. Textnachricht, raus, Fall erledigt. Doch der Abservierte gibt nicht auf. Seine Nachrichten wirken immer bedrohlicher. Die Romanze wandelt sich zum Horrortrip.

Margot (Emilia Jones) und Robert (Nicholas Braun) kommen sich näher.
Margot (Emilia Jones) und Robert (Nicholas Braun) kommen sich näher.

Originelle Einfälle treiben das Geschehen voran. Immer wieder werden Gedanken und Fantasien geschickt visualisiert. Da ist zum Beispiel jene Szene, in der Margot und Robert intim miteinander werden. Sie spricht in ihrem Inneren zu ihrem anderen Ich. Und das taucht für das Publikum auch wahrhaftig auf. Ich und Ich streiten, ob es besser ist, weiterzumachen oder abzubrechen. Ein kluger Einfall, die Zerrissenheit eines Menschen an einer Lebenskreuzung zu beleuchten. Hier scheint das zentrale Thema des Films besonders deutlich auf: die Angst, sich auf Unbekanntes einzulassen einerseits, die Notwendigkeit genau das für ein sinnerfülltes Leben zu wagen andererseits. Damit gibt der Film den Zuschauern einiges zum Nachdenken, das weit über die Handlung hinausweist.

„Cat Person“ nimmt sich in der ersten Hälfte erfreulich viel Zeit, dem Miteinander von Margot und Taylor nachzuspüren. Ganz selbstverständlich wird klar, wie wichtig es im Leben ist, verlässliche Freundschaften aufzubauen. Doch immer wieder gibt es Brüche. Plötzlich wird etwas so Wichtiges wie der noch immer auch in den bürgerlichen Gesellschaften schwierige Kampf wider jegliche Gewalt gegen Frauen reflektiert. Und schließlich entwickelt sich die Geschichte zum Schauermärchen.

Taylor (Geraldine Viswanathan) hilft ihrer Freundin Margot (Emilia Jones).
Taylor (Geraldine Viswanathan) hilft ihrer Freundin Margot (Emilia Jones).

Unsicherheit wird als Grundgefühl des Daseins deutlich. Das ist realistisch. Doch weil es arg überraschend kommt, und nicht alle Motivationen der Figuren nachvollziehbar sind, sitzt man doch eine Weile recht irritiert im Kino. Aber man steigt nicht aus. Davor bewahrt einen das hervorragende Spiel der Akteure.

Die Engländerin Emilia Jones, bekannt geworden als Hauptdarstellerin des 2022 mehrfach mit einem Oscar ausgezeichneten Dramas „Coda“, führt das Schauspielensemble an. Jetzt mit gerade mal 21 Jahre trumpft sie mit einer überaus differenzierten Charakterstudie auf. Geradezu schlafwandlerisch gleitet ihre Margot durch das oft zwischen einer dunklen Komik und puren Horrormomenten schwankende Geschehen. Ob leise Ironie oder überbordende Emotionalität: Emilia Jones fasziniert durchweg mit ihrer schier lodernden Präsenz. Damit nimmt sie jeden im Kino, egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, gleichsam an die Hand und führt sicher durch das gelegentlich schwindelerregende Auf und Ab der Gefühle.

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