Corona-Hilfen
Erste Lichtblicke für die Kulturschaffenden in der Pfalz
„Das Geld haben wir schon nach ungefähr einer Woche auf dem Konto gehabt“, freuen sich Shakti und Mathias Paqué aus Kaiserslautern, die als Mon mari et moi deutschsprachige Chansons machen und sich gleich am 15. Mai auf eines der mit 2000 Euro dotierten Arbeitsstipendien für Künstler beworben hatten – dem ersten Antragstag.
Ihr Projekt ist eine Art Gegenentwurf zu unserer digitalen Zeit, zugleich auch ein Verweis auf Corona-Erfahrungen: Sie nehmen im heimischen Wohnzimmer ein Album auf, ganz analog – auf Kassetten. „Komm näher – Lieder zum täglichen Gebrauch“ soll das 40-Minuten-Tape heißen, das auch an die Anfänge des Musikmachens erinnert. Schließlich ähnelt das Wohnzimmer ohnehin einem Tonstudio. „Wo bei anderen das Sofa steht, stehen bei uns Instrumente“, sagt Shakti Paqué. Derzeit sieht es auch noch aus wie nach einer Zeitreise. Alles voller Kassetten, die gar nicht so leicht zu besorgen gewesen seien. Und dann ist da der ganz eigene Klang des Analogen, ein „warmes Rauschen“ hat Shakti Paqué ausgemacht.
Eine dreiviertel Million bislang ausgezahlt
756.000 Euro sind nach drei Wochen, zum 8. Juni, bereits aus „Im Fokus“ ausgezahlt worden, teilt das Kulturministerium auf Anfrage mit. Alle gehen an Künstler wie Mon mari et moi, die sich für den mit 7,5 Millionen Euro ausgestatteten ersten Fördertopf beworben haben: „Maßnahme 1 – Projektstipendien“ heißt er nüchtern. Antragsberechtigt sind hier etwa 5200 Künstler.
Bis 8. Juni sind laut Kulturministerium insgesamt 542 Anträge eingegangen, wovon 156 noch „in Prüfung“ sind. Bewilligt wurden 382, davon 381 Stipendien und ein einzelner Antrag aus dem dritten Topf, der sich an Kulturvereine richtet: Das Geld geht an den Kulturverein Wespennest in Neustadt (wir berichteten). 19 weitere Vereinsanträge werden noch bearbeitet, ebenso die 92 Anträge für den vierten Topf (Investitionen in Digitales) und die sechs Anträge aus Topf 5 für Programmkinos. Noch kein Antrag liegt für den zweiten Topf „Neustart“ vor. Der sechste Punkt wiederum bezieht sich auf Umplanungen, etwa von Kultursommerprojekten, was keine eigenen Anträge bedarf.
Abgelehnt wurden bisher vier Anträge, sie bezogen sich auf die Stipendien. Die Gründe, so das Land: Ein Antragsteller war nicht in der Künstlersozialkasse, was Voraussetzung ist, zwei lebten nicht in Rheinland-Pfalz, und einer wollte mit dem Stipendium einen Dritten begünstigen, was nicht möglich ist.
Für die Projektstipendien lagen bis Wochenbeginn 424 Anträge vor. Dass die Antragszahlen für die anderen Töpfe deutlich niedriger sind, liegt daran, dass es teils weniger Antragsberechtigte gibt. Andererseits ist es hier nicht so leicht zu durchschauen, was genau beantragt werden darf. Im Fall der Stipendien sei das Prozedere dagegen recht einfach gewesen. „Ich hatte zwei Fragen, die wurden schnell beantwortet“, sagt Shakti Paqué von Mon mari et moi.
„Das war freundlich gemacht“, sagt auch der Bildhauer Wolf Münninghoff aus Zellertal über das Verfahren. „Nach zwei Tagen kam schon die Bewilligung.“ Für sein Stipendium hat er sich ein Skulpturenprojekt vorgenommen, bei dem er sich mit neuen Formen beschäftigt. Der Künstler, der vom Sandstein kommt, arbeitet mit Hölzern – etwa gesammelten Kirsch- und Walnussstämmen – im abstrakten Bereich. „Es ist schön, frei arbeiten zu können. Das wünscht man sich auch außerhalb von Corona“, regt er an, solche Künstlerstipendien regelmäßig aufzulegen. Und erläutert: „Natürlich werden die entwickelten Formen den eigenen Ansprüchen nie gerecht, was ein wunderbarer Antrieb zum Weitermachen ist.“
Zugleich freut sich der 53-Jährige, dass er nach den Corona-Lockerungen einige seiner ursprünglich geplanten Seminare doch halten konnte. Bereits im Mai sei es losgegangen, mit wiederkehrenden Teilnehmern. „Sie wissen ja, dass es viel Platz gibt“, sagt er über seinen Hof mit Skulpturengarten in Harxheim-Zellertal. Zuletzt hätten sich aber auch einige Neulinge angemeldet.
„Pepperoni“ setzt auf die Vereinsförderung
Die Stimmung steigt also langsam wieder bei den Künstlern, auch Mon mari et moi haben Aussicht auf erste „echte“ Konzerte Ende Juli. Eine gewisse Erleichterung ist in den meisten Stimmen der Kulturschaffenden zu hören.
Auch Dieter Krücken vom Kinder- und Jugendzirkus Pepperoni aus Rockenhausen, der zunächst fürchtete, die Einnahmeverluste seit März nicht aufgefangen zu bekommen, hofft nun, bei „Im Fokus“ doch berücksichtigt zu werden. Er hat „Maßnahme 3 – Kulturvereine“ im Auge. Hier war die Crux zunächst, dass der Kinder- und Jugendzirkus Pepperoni e. V. zwar gemeinnützig, aber umsatzsteuerpflichtig ist. Letzteres galt als Ausschlusskriterium für eine Förderung. Inzwischen wird im Verfahren stattdessen berücksichtigt, ob ein Verein körperschaftsteuerpflichtig ist. Das ist bei Pepperoni nicht der Fall. Also darf sich der Zirkus nun um bis zu 12.000 Euro Landesgeld bewerben.
„Ich bin dran und setze da große Hoffnung drauf“, sagt Dieter Krücken nun über das Schreiben des Antrags. Alle erforderlichen Belege über Ausfälle, verrechnet mit Einsparungen und Kurzarbeitergeld, hat er beisammen, nachdem er sich durch alle Hinweise und Vorgaben „durchgekämpft“ habe. „Ich bin nun zuversichtlich“, hofft er, dass der Antrag auch bewilligt werde.
Vorsichtige positive Signale für die Zukunft von „Pepperoni“ gebe es zudem: Eine erste Grundschule möchte über einen neuen Vertrag fürs kommende Schuljahr sprechen. Zwei Vereine, die Ferienspielaktionen gebucht haben, wollen diese auch stattfinden lassen. Und die Verbandsgemeinde prüfe derzeit das vorgelegte Hygienekonzept, um die Ferienangebote in der Donnersberghalle durchführen zu können. Ein weiterer Lichtblick: Der Ausbau des eigenen Zirkushauses schreitet voran. „Da werden wir dieses Jahr wohl fertig“, meint Krücken.
Theater Chawwerusch hofft auf „Neustart“-Gelder
Offener ist die Situation noch beim Theater Chawwerusch aus Herxheim, das auf Hilfe aus dem zweiten Fördertopf „Neustart“ hofft, der mit 4,5 Millionen Euro bestückt ist. Hier sind rund 100 bislang schon vom Land geförderte Kultureinrichtungen antragsberechtigt: Freie Theater, Jugendkunstschulen, soziokulturelle Einrichtungen und nicht-staatliche Museen. Dazu erläutert das Kulturministerium auf Anfrage: „Sie alle sind von der Corona-Pandemie hart getroffen, weil sie wirtschaftlich unmittelbar auf Eintrittserlöse angewiesen sind. Die Landesregierung nimmt es deshalb sehr ernst, wenn uns die Betroffenen darauf hinweisen, dass ihre Existenz gefährdet ist.“
Dass noch niemand Hilfe aus „Neustart“ beantragt hat, liege in der Natur der Sache: „Wie eine passgenaue Unterstützung aussehen kann, erörtern wir mit den Verbänden und Einrichtungen.“ So müsse die Hilfe für ein soziokulturelles Zentrum, das keine Veranstaltungen und Kurse abhalten konnte, anders aussehen als jene für ein freies Theater, das eine Landesförderung bekommen hat, um ein Stück zu erarbeiten, das nun aber nicht einstudiert werden könne. Inzwischen habe man für diese Einrichtungen „wieder Öffnungsperspektiven geschaffen“, nun könnten sie die zweite Jahreshälfte planen. „Auf dieser Grundlage werden wir das Gespräch mit den Betroffenen führen, wenn der coronabedingte Schaden einigermaßen verlässlich zu beziffern ist“, so das Ministerium. Auf eine Rückfrage, ob bisherige Ausfälle und künftige Einnahmeverluste angegeben werden dürften, antwortet das Ministerium mit „Ja“.
Eine Auskunft, die dem 1984 gegründeten Theater Chawwerusch weiterhilft. Denn Monika Kleebauer aus dem Theaterteam hat sich in den vergangenen Wochen genau mit der Frage beschäftigt, ob und wie die bisherigen und weiteren Einnahmeausfälle wohl geltend gemacht werden können. Das Theater dürfe zwar wieder spielen, doch in kleineren Rahmen. Und vieles kann trotzdem nicht stattfinden. „Uns fällt die komplette Sommerzeit an Aufführungen weg“, sagt Kleebauer. Die Freilichtproduktion „Liberté, wir kommen! Wie die Französische Revolution in die Pfalz kam“, die in Bad Bergzabern starten und auch auf Tournee gehen sollte, ist auf 2021 verschoben. Und künftig könne man in der Spielstätte in Herxheim mit 130 Sitzplätzen nur 40 bis 50 Besucher einlassen. Auch gebe es Produktionen im Repertoire, die unter den auch für Schauspieler geltenden Abstandsregeln nicht mehr gespielt werden könnten. „Da verlieren wir zwei Drittel der Einnahmen“, sagt die Theatermacherin. Bisher müsse man zur Finanzierung des Theaters mit einem Jahresetat von rund einer halben Million Euro zwei Drittel des Budgets selbst erwirtschaften. Dies sei in diesem Jahr unmöglich.
Als Tourneetheater sei Chawwerusch viel unterwegs in der Region, auch an Schulen. Hier stelle sich die Frage, ob regionale Veranstalter das Theater noch buchen können oder dürfen. „Wir haben leider einige Absagen bereits für den Herbst bekommen,“ erläutert Kleebauer. Denn die Hygieneauflagen für Veranstalter seien sehr kompliziert und schwierig umzusetzen. Dies treffe besonders hart die „Expeditionen“, die junge Sparte des Chawwerusch, mit der viel an Schulen gespielt werde. Noch sei schließlich offen, wann an Schulen wieder Theater möglich sei.
Das Theaterkollektiv hofft daher auf eine Unterstützung des Landes und eine angemessene Förderung aus dem „Neustart“-Programm. Noch leide man aber an einem Gefühl der Unsicherheit, da bisher noch offen sei, „wie unserer Institution geholfen werden kann“. Kleebauer wünscht sich schnelle Klarheit, beim zuständigen Referat hat sie sich bereits gemeldet. „Uns geht es um zuverlässige Perspektiven.“
Nach den auf viel positive Resonanz gestoßenen „Happy-End-Geschichten“, die es online gab, wird jedenfalls ab 28. Juni wieder live vor Publikum gespielt. Dann hat die Gartenlesung „Wurzeln schlagen“ mit Felix S. Felix und Armin Sommer Premiere. Erster Spielort ist das Stiftsgut Keysermühle in Klingenmünster (www.chawwerusch.de). Und auch die Spielzeit 20/21 im Theatersaal wird schon fleißig vorbereitet.
Das Programm