Saarbrücken
Erforscht: Max Slevogt und sein Verleger Bruno Cassirer
Eine Kutsche, ein Denkmal, fünf Ritter in Wartestellung – mit diesem Motiv und den Worten „Auf zu neuen ,Werken’!“ gratulierte der Pfälzer Maler Max Slevogt (1868-1932) auf einer Postkarte seinem Berliner Verleger Bruno Cassirer am 12.12.1915 zu dessen 43. Geburtstag. Da hatten die beiden schon zehn Mappen und Bücher zusammen gemacht. Alles begann 1903 mit dem Buch „Ali Baba und die vierzig Räuber“, zu dem Slevogt 42 Handzeichnungen und Aquarelle (und etliche Varianten) beisteuerte.
Das ging von Bruno Cassirer (1872-1941) aus. Er und sein Bruder Paul waren Sekretäre der Künstlervereinigung Berliner Secession und Eigentümer einer Kunst- und Verlagsanstalt. Als die Brüder 1901 im Streit auseinandergingen, konzentrierte sich Bruno Cassirer auf das Verlegen von Kunst. Er wollte die Buchillustration befreien, sie sollte nicht mehr dem Text dienen, sondern eigenständig sein. Das war neu und revolutionär.
Da Max Slevogt sich schon seit 1898 mit den Erzählungen aus „1001 Nacht“ befasste, schlug er „Ali Baba“ vor. Schon der Buchdeckel war ungewöhnlich: Die Buchstaben sind geschwungen, unregelmäßig, dazwischen gucken die Figuren der Geschichte heraus. Die Arbeiten im Buch sind mal locker hingeworfene lebendige schwarz-weiße Skizzen, mal sorgsam ausgeführte farbenfrohe Aquarelle, es gibt kämpferische, erotische und auch brutale Szenen.
Das Buch floppte, was Cassirer einkalkuliert: hatte „Ich hatte die Publikation als eine künstlerische und nicht als eine geschäftliche Angelegenheit betrachtet. Ich scheute keine Kosten, um dem Buch die von Ihnen gewünschte Form zu geben“, schrieb Cassirer an Slevogt. Die beiden machten weiter . Wie das funktionierte, kann man nachlesen, denn die vielen Briefe, die Slevogt und Cassirer sich schrieben, um ihre Projekte voranzubringen, sind erhalten. Sie waren die Grundlage für die Ausstellung, die das Saarbrücker Saarlandmuseum zusammenstellte – vorwiegend aus eigenen Beständen, denn es besitzt nicht nur 56 Gemälde von Slevogt (zehn hängen in der Dauerausstellung, der Löwe als Großbild sogar über dem Museumseingang), sondern auch über rund 2500 Arbeiten auf Papier. Das Ganze ist eine Forschungskooperation des Saarlandmuseums, des Mainzer Landesmuseums und der Landesbibliothek Speyer.
Über 100 Werke sind zu sehen aus den 51 Mappen und Büchern, die Slevogt und Cassirer 1903 bis 1928 gestalteten. Ins Auge fallen natürlich die größeren farbigen Werke, denn die meisten sind klein und gerahmt. oder in Vitrinen. Gezeigt werden auch Vorstufen: Blätter, auf denen der Text sorgsam um die Bilder herum geklebt wurde, ein Stein für die Lithographie und Originale wie die von den Dimensionen her opulente Künstlermappen zu „Faust“ und „Ali Baba“ nebst dem kleineren, preislich erschwinglicheren Buch zum Thema. Filme und Videos runden die Präsentation ab, die staunen lässt über eine in dieser Form einzigartige Kunstpartnerschaft.
Info
„Auf zu neuen Werken! Max Slevogt und sein Verleger Bruno Cassirer“, Saarbrücken, Saarlandmuseum, bis 5. Juli, Katalog (240 Seiten): 50 Euro.
Das Buch: Der Briefwechsel Slevogt-Cassirer
In einem dicken Buch kann man die Briefe zwischen dem Pfälzer Künstler Max Slevogt und seinem Verleger Bruno Cassirer nachlesen. Es gibt Aufschluss über den Kunstbetrieb.
Der Pfälzer Maler Max Slevogt und sein Berliner Verleger Bruno Cassirer selten am gleichen Ort – so mussten sie schriftlich kommunizieren. Über 300 Briefe und Postkarten sind erhalten in der Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer. Nun wurden sie aufgearbeitet und veröffentlicht.
Der Künstler, der Verleger und das Geld
Die beiden haben sich gesiezt, sie gingen sehr höflich miteinander um. Der Briefwechsel beginnt am 1. Juli 1899 und enthält schon das, was ihn so wertvoll macht: Angaben über die Preise der Kunstwerke. „Sehr geehrter Herr Slevogt, ein Berliner Kollege von Ihnen möchte ihren ,Flieder’ G 21 gern kaufen und bietet darauf 800 Mark. Ich habe ihm gesagt, dass Sie das Bild kaum für den Preis verkaufen würden, er bat mich aber, den Versuch zu machen; ich glaube, er würde sich auch bis 1000 Mark versteigen. Ihr sehr ergebener Bruno Cassirer.“ Slevogt antwortete am 4. Juli, Cassirer wieder am 8. Juli. In den 30er Jahren gibt es detaillierte Abrechnungen, aus denen hervorgeht, dass Slevogt die Hälfte aus den Erlösen der verkauften Blätter, bei den Büchern erhielt er 40 Prozent als Honorar. Insgesamt erhielt er nach einem Brief vom 30. Januar 1930 exakt 1488,02 Mark für die Verkäufe 1929, eine stattliche Summe. Was man auch liest: Mal war Slevogt ungeduldig, manchmal fühlte sich Bruno Cassirer gekränkt, weil Slevogt auch an seinen Bruder Paul Cassirer verkaufte. Am Ende kam es gar zum Streit über das Honorar zu „Faust II“, der sich bis 1932 hinzog, dem Jahr, in dem Slevogt starb.
Lesezeichen
Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE): „Auf zu neuen Werken!“ Der Briefwechsel zwischen Max Slevogt und seinem Verleger Bruno Cassirer 1899-1932, Deutscher Kunstverlag, 500 Seiten, 94 Euro.
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