Hollywood
Dick van Dyke wird 100 Jahre alt
Die Komik des Dick van Dyke beruht in erster Linie auf seiner quirligen Körpersprache, außerdem kann er passabel singen und tanzen. Er war prädestiniert für die Rolle des unbekümmerten Kaminkehrers, der in „Mary Poppins“ als Ein-Mann-Band im Park auftritt und gemeinsam mit Titeldarstellerin Julie Andrews den Ohrwurm „Supercalifragilisticexpialigetisch“ anstimmt. Als Zugabe spielt er – mit sehr viel Maske – außerdem die Nebenrolle eines ältlichen Bankiers.
Zuvor war Dick van Dyke, der im Zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe diente, mit komischen Pantomimen in Nachtklubs aufgetreten. Eine enorme Popularität beim US-Publikum, die er hierzulande nie erreichte, bescherten ihm ab 1961 mehrere „Sit-Com“-Serien im Fernsehen, die schlicht seinen Namen trugen.
Sein erster Kinofilm war 1963 die Adaption des Musicals „Bye-bye Birdie“, mit dem er bereits am New Yorker Broadway Triumphe gefeiert hatte. Im bombastischen Fantasy-Märchen „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ (1964), das an Originalschauplätzen in Deutschland gedreht wurde, führt er als erfolgloser Erfinder namens Caractacus Potts eine denkwürdige Komikerriege an, der auch Gert Fröbe und Benny Hill angehören. Der kahlköpfige Lioniel Jeffries – Miss Marples Widerpart in „Mörder ahoi“ (1964) – spielt seinen Vater, obwohl er ein halbes Jahr jünger war als Dick van Dyke.
In der Tragikomödie „Der Komiker“ (1969) ist er ein stummer Comedian, der sich vielerlei privaten und beruflichen Problemen stellen muss. Dykes eigene Alkoholprobleme klangen im Fernsehspiel „Der Morgen danach“ (1974) an. Das Drama gilt als einer der realistischsten Fernsehfilme, die je über die Trunksucht produziert wurden. In den USA wird es bis heute als Teil der Therapie in Suchtkliniken gezeigt.
Für Dick van Dyke folgten Auftritte als Vorgesetzter des von Warren Beatty verkörperten Detektivs „Dick Tracy“ (1990) sowie neben Robin Williams als altgedienter Nachtwächter in „Nachts im Museum“ (2006 und ´14). Schließlich erschien er ab 1993 in 178 Folgen und fünf abendfüllenden Filmen der Serie „Diagnose Mord“ als kriminologisch versierter Mediziner, der neben dem Praxisbetrieb die Polizei von Malibu berät.
In der ansonsten wenig ersprießlichen Neuausgabe von „Mary Poppins“ (2018) gab er erneut den Bankdirektor, ironischerweise diesmal mit „jr.“ statt „sr.“ im Namen. Im vergangenen Jahr verhalf ihm die Endlos-Fernsehserie „Zeit der Sehnsucht“ zu einem Emmy-Preis – als ältester jemals ausgezeichneter Darsteller. Erst kürzlich sah man ihn im Video zum Coldplay-Song „All my Love“ mit einem Satz roter Luftballons durch die Straßen tänzeln.
Zu runden Geburtstagen werden gern die weisen Sprüche von Greisen zitiert. Dick van Dyke ließ verlauten, er müsse „keine Superalten mehr spielen, weil ich superalt bin“ und dass er „alles gerne machte, was ich machte“, um die Menschen zum Lachen zu bringen. Das Schönste, was er über die hohe Kunst des Lachenmachens zu sagen hatte, äußerte er vor sechs Jahrzehnten als 40-Jähriger.
In seiner Grabrede auf den großen Kollegen Stan Laurel, den er gemeinsam mit Henry Calvin häufig in seinen TV-Shows nachahmte, zitierte er das „Gebet für Komiker“ eines unbekannten Dichters: „Gott segne alle Clowns,/ Die mit Lachen die Welt erhellen,/ Die mit ihrer Heiterkeit die Wände zum Beben bringen,/ Die die Welt sich fröhlich drehen lassen. (…) Wie arm wäre die Welt doch/ Ohne ihren Charme, ihre Heiterkeit,/ Das herzhafte Lachen, das fröhliche Schmunzeln./ Gott segne alle Clowns.