Film Deutscher Filmpreis für „September 5“

Regisseur Tiim Fehlbaum mit drei der neun Lolas, die sein Film „September 5“ bekam.
Regisseur Tiim Fehlbaum mit drei der neun Lolas, die sein Film »September 5« bekam.

Neun Lolas bekam das Journalistendrama „September 5“. Bei den 75. Deutschen Filmpreisen in Berlin gab es auch Überraschungen, nicht alle hatten mit Film zu tun.

Denkwürdig war die spontane Trauerrede des Pianisten Igor Levit, am Freitagabend, der als Pate für den Filmmusikpreis auf die Bühne kam, aber kurz vorher Minuten vorher vom Tod der Holocaustüberlebenden Margot Friedländer erfahren hatte. „Sie war der größte Mensch, den man sich vorstellen konnte, der einem mit einem Händedruck ein Gefühl gab für Sinnhaftigkeit. Sie war ein großes, großes Wunder“, sagte Levit, den Tränen nahe, die 1700 Personen im (Berlinale-)Palast erhoben sich zu einer Schweigeminute, auch hier waren viele den Tränen nahe.

Es zeugt von der Größe und Souveränität der Filmbranche, auf ein solches Ereignis zu reagieren – wie auch die Menschen im Siegerfilm: In „September 5“ sind es US-Fernsehsportjournalisten, die bei den Olympischen Spielen in München 1972 sehen, dass da eine Geiselnahme passiert und auch spontan regieren, indem sie den Sport fallenlassen und nur noch über die Geiselnahme berichten unter genialer Improvisation auf technischem und menschlichem Gebiet.

Neue Wege gehen

Der Schweizer Regisseur Tim Fehlbaum drehte diesen Film über ein deutsches Thema auf Englisch mit Leonie Benesch (Lola für die beste Nebendarstellerin) als Dolmetscherin. Den Oscar fürs Drehbuch, für den er nominiert war, bekam er nicht, dafür die Drehbuch-Lola, die Regie-Lola, die Kamera-Lola und noch weitere. „Unser Film ist der Beweis, dass wir aus Deutschland heraus Geschichten mit internationaler Tragweite erzählen können. Wir leben in unglaublich wirren Zeiten mit neuen Trends, Technologien und einer Politik, die immer wieder aufs Neue erstaunt, lasst uns das als Ansporn verstehen, neue Wege zu gehen, noch näher zusammen zu stehen und Kunst und Kultur hochzuhalten “, meinte Produzent Thomas Wöbke.

Für die zunehmende Internationalität oder Vielfalt, wie es die Filmschaffenden gerne sagen, sprachen auch die Silber-Lola für „Die Saat des heiligen Feigenbaumes“, den von dem iranischen Regisseur Mohammad Rasoulof mit iranischen Schauspielern und deutschem Geld auf iranisch gedrehten Film über einem iranischen Ermittlungsrichter (Lola als bester Hauptdarsteller für Misagh Zare), der seiner Familie infolge der landesweiten politischen Proteste 2022 gegen die autoritäre Regierung mit Misstrauen und Paranoia begegnet, wogegen die drei Töchter sich auflehnen.

Wolf Biermann und Christian Friedel

Die Bronze-Lola für „In Liebe, deine Hilde“ von Andreas Dresen über die NS-Widerstandskämpferin Hilde Coppi (Lola als beste Hauptdarstellerin für Liv Lisa Fries) geht auch in die politische Richtung. Problematisch waren die Doppelnominierungen für Sam Riley als bester Hauptdarsteller („Cranko“ und „Islands“) und Alexander Scheer als bester Nebendarsteller („In Liebe, eure Hilde“ und „Köln 75“), denn beide Male ging der Preis nicht an sie. Nur die ebenfalls doppelt nominierte Filmmusikkomponistin Dascha Dauenhauer konnte eine Lola mit nach Hause nehmen, die für „Islands“ .

Als bester Dokumentarfilme wurde „Petra Kelly – Act Now“ über die energische Grünenpolitikerin und Friedensaktivistin der 80er Jahre ausgezeichnet. Das passte ebenso wie der Auftritt von Wolf Biermann, der auch erst ausgiebig Margot Friedländer würdigte, bevor er zur Gitarre griff und sang. Ein Glücksgriff war auch der andere Sänger: Der Schauspieler Christian Friedel war nicht nur der souveräne Moderator des Abends, er sang auch mehrmals mit seiner Band Lieder, in denen das Wort „Kino“ vorkam. Dass Ehrenpreisträgerin An Dorthe Baker (80), die große deutsche Castingdirektorin, auch von einem Dutzend Schauspielern singend gewürdigt wurde, machte Spaß.

Weimar: fördern, sehen und feiern

Es waren solche Momente, die die Filmpreis-Gala zu einer denkwürdigen Sache machte – und natürliche Wolfram Weimar, der neue Kulturstaatsminister, der zwar noch etwas steif wirkte, aber bekannte: „Was wir heute hier gesehen haben, kann nur fördern, sehen und feiern.“ Die neue Filmakademie-Copräsidentin, die Luxemburger Schauspielerin Vicki Krieps, brachte es auf den Punkt: „Es war eine tolle Show“. Und das, obwohl der Deutsche Filmpreis, im Vorjahr mit drei Millionen Euro noch der höchstdotierte deutsche Kulturpreis, nun nicht mehr dotiert ist, wie in den anderen europäischen Ländern auch (das Geld wurde nicht eingespart, es wandert in die allgemeine Filmförderung), und noch größere Anerkennung in der Branche fand, gab es doch 125 Einreichungen, zwölf mehr als im Vorjahr.

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