Pop RHEINPFALZ Plus Artikel Der Mannheimer Musiker Elijah hofft nach Label-Deal auf Karriere-Schub

Kein geradliniger Weg: Steven Elijah Neuhaus. Der frühere Boxer hofft auf den Durchbruch als Sänger.
Kein geradliniger Weg: Steven Elijah Neuhaus. Der frühere Boxer hofft auf den Durchbruch als Sänger.

Steven Elijah Neuhaus hat gerade einen Plattenvertrag mit RTL2/Universal unterschrieben. Unter dem Namen Elijah hat er den Song „Mut machen“ veröffentlicht und gilt als Neuentdeckung mit Potenzial. Nicht schlecht für jemanden, der aus dem Schulchor geflogen ist und vom Leben ziemlich hart angefasst wurde. Der Erfolg des Kurpfälzers ist kein Zufall.

Leicht gehabt hat der 30-Jährige es nicht. Er ist geboren in Worms, aufgewachsen in Mannheim und Frankenthal. In der Schule war er schlecht, wurde ausgelacht, weil er nicht wie die anderen lesen lernte. Seine Mitschüler fanden ihn komisch. Später wurde bei dem Jungen Autismus vom Typ Asperger festgestellt, dazu Legasthenie, eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Sport schien eine mögliche Zukunft zu sein. Im Boxen wurde Neuhaus richtig gut, stand am Beginn einer Profikarriere.

Doch dann verschlechterte sich seine Gesundheit, eine chronische Darmentzündung ereilte ihn, seine eh schon schlechten Augen ließen weiter nach. Seine Mutter meldete ihn zu Gesangsstunden an. Sein Lehrer Kevin Jones, ein Profimusiker, entdeckt bei Neuhaus musikalisches Talent und zusammen gründen die beiden eine Band, Soul On. Jones ermutigt Neuhaus, der beginnt, Texte zu schreiben. Nach einem Fernsehauftritt wird die Band mit Profis neu formiert.

„Die Ein-Prozent-Chance“

Neuhaus will sich ernsthaft der Musik widmen und studiert Musikproduktion an der Popakademie in Köln. Er schreibt Songs und bietet sie Verlagen an – ohne Erfolg. Doch er gibt nicht auf. Er hat hart an sich gearbeitet, Therapien gemacht, gelernt, mit seinem Autismus umzugehen und auf seine Gesundheit zu achten. „Man kriegt in der Branche nun mal 99 Prozent Absagen, aber ich habe den Biss und den Ehrgeiz, weiter zu machen und die Ein-Prozent-Chance zu nutzen“, sagt er.

Die Beharrlichkeit zahlt sich aus. Irgendwann verkauft er Songs. 2018 bekommt er einen Vertrag mit Sony Publishing, ein großer Name in der Branche, um Texte und Noten, die Arbeit für andere Künstler vor allem geht es dabei. Weitere Kontakte entstehen: Er liefert Material für Roland Kaiser und Mark Forster. „Was daraus wird, kann ich nicht sagen, aber ich habe einen Fuß in der Tür und kann für namhafte Leute schreiben“, sagt Neuhaus. Doch sein eigentliches Ziel ist es, selbst als Musiker unter eigenem Namen aufzutreten und seine eigenen Songs zu singen. Einer, der ihm dabei hilft, ist Willy Ehmann. Der Heidelberger leitete 16 Jahre lang die Abteilung Künstler und Repertoire bei Sony Music und hat sich selbstständig gemacht. Er hat Neuhaus geholfen, sich ein Netzwerk aufzubauen. Und endlich ist der erhoffte Plattenvertrag da, mit dem Label RTL2, den Vertrieb übernimmt Universal – also ein „Major Deal“, wie das in der Branche heißt.

Songentwicklung im Kreativteam

Es gibt ein Team, das sich um Vermarktung und Public Relations kümmert, und es gibt gleich mehrere Kreativ-Teams an verschiedenen Orten, die mit Neuhaus Songs entwickeln. Ivo Moring hat schon Hits für Christina Stürmer und Matthias Reim geschrieben, mit dabei ist Johannes Falk, der für Laith Al-Deen und Max Giesinger gearbeitet hat, ebenso dazu gehört Tobias Reiz, der unzählige Hits für Helene Fischer geschrieben hat.

Bleibt da noch Platz für die eigene Kreativität? „Ich mache für viele meiner Songs schon Vorproduktionen, in denen ich meine Ideen entwickle“, erklärt Neuhaus und schätzt seinen Anteil am Entstehen der Lieder auf 60 bis 80 Prozent. Sein Management lasse ihm auch die nötigen Freiräume. „Als Asperger-Autist erlebe ich manchmal das Gefühl einer Reizüberflutung. Dann brauche ich mal eine Auszeit, muss mich zwei, drei Stunden hinlegen“, erklärt er. Aber seine Leute wüssten auch, dass er dann wieder weiter arbeitet. Seine eigenen Songs drehen sich oft um das Mutmachen und darum, den Mut zu haben weiter zu machen: „Natürlich bringe ich da meine Biografie ein, deshalb sind die Songs authentisch.“ Aber für den Mainstream-Pop schreibt er auch Liebeslieder, was ihm nicht schwer fällt. „Ich bin ein Romantiker und kann mich damit identifizieren“, meint er.

Sein Ziel: die großen Hallen

Das Ziel ist klar: „Ich will mich als Elijah in der deutschen Popszene etablieren“, sagt der 30-Jährige. Die Verträge mit Verlag und Plattenlabel geben ihm ein Stück Sicherheit, weil sie auch Vorschüsse bringen. Konzerte sollen natürlich kommen, sobald das wieder geht. „Das fehlt mir sehr, denn im Konzert kann ich auch viel Stress abbauen. Hinterher bin ich fertig, aber glücklich.“ Auch da ist er zielstrebig: „Ich will von den 500er Hallen zu den 1000er, zu den 10.000er und dann weiß ich, dass ich meine Familie ernähren kann.“

„Ich habe den Biss und den Ehrgeiz, weiter zu machen“, lässt sich Neuhaus nicht von Rückschlägen aufhalten. weiter zu machen
»Ich habe den Biss und den Ehrgeiz, weiter zu machen«, lässt sich Neuhaus nicht von Rückschlägen aufhalten. weiter zu machen
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