TV
Der Fernsehkrimi-Check: Neues aus Schwaben und Köln
Erstaunlich viele Fernsehermittler fahren inzwischen Oldtimer. Jetzt rollen die „Tatort“-Kommissare Thorsten Lannert und Freddy Schenk damit auf uns zu. „Kein Kratzer!“ warnt Ersterer, wenn er dem Kollegen seinen 50-jährigen Porsche Targa überlässt, während Schenk zu hören bekommt, sein Chevy Camaro passe gut zu einem Bordell. „Bullshit!“ meint der, „vielleicht vor 50 Jahren!“
Der neue SWR-„Tatort: Lass sie gehen“ (
Ein sprechender Name
„Waldingen“ heißt sprechend die Heimat der jungen Läuferin irgendwo auf der Schwäbischen Alb. Regisseur Andreas Kleinert überzeichnet die Dorfgemeinschaft, in der Gut und Böse ziemlich übersichtlich verteilt sind, in einem Krimi, der in den 1970er-Jahren nicht viel anders ausgesehen hätte. Bis zurück zum blutroten „M“, das der dörfliche Lynchmob dem vermeintlichen Mörder ans Tor pinselt, reichen die Reminiszenzen. Bis zum wegweisenden Krimiklassiker „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“ also, dessen Neuverfilmung wiederum als Sechsteiler ab 25. November auf 3Sat zu sehen ist.
Thorsten Lannert (gespielt vom Mannheimer Richy Müller), der vor Ort bleibt, und Sebastian Bootz (der Heidelberger Felix Klare), der ausnahmsweise den Porsche bewegen darf, sind in diesem „Tatort“ die wissenden Großstädter, die der schwäbischen Provinz die Aufklärung bringen. Am Ende sind sie jedoch beide lädiert.
Oldtimer in Köln
Die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) wiederum sind mit über 90 Fällen seit 1997 selbst sozusagen schon Oldtimer und fahren in ihrem neuesten „Tatort: Siebte Etage“ (
Kommissar Norbert Jütte (Roland Riebeling), einst nicht nur schnarchnasig, sondern auch bei der Sitte, greift ein, und auch Kriminaltechnikerin Natalie Förster (Tinka Fürst) bekommt mehr als bisher zu tun. Die Rapperin Sabrina Setlur („Du liebst mich nicht“) und der Wormser André Eisermann spielen in dem nicht zu vorhersehbaren Krimi aus dem Rotlichtmilieu, dessen spannendes Finale schon in Slasher-Action mündet, ebenfalls mit. Und die Prostituierten durchbrechen mehrfach die sogenannte „vierte Wand“, indem sie sich direkt ans Publikum wenden. „Ich belüge meinen Körper, damit er durchhält“, hören wir da. Oder: „Ich belüge meine Seele, damit ich nicht andauernd weine.“