E-Mail aus Palatina Der Dichter und sein Pfälzer Porträtist: Krolow und Duttenhoefer in Kleinniedesheim

Ein „empfindlicher Mann“: Duttenhoefer-Büste von Krolow.
Ein »empfindlicher Mann«: Duttenhoefer-Büste von Krolow.

Karl Krolow und Thomas Duttenhoefer lebten 20 Jahre nebeneinander auf der Darmstädter Rosenhöhe. Jetzt feiert eine Kunstschau ihre besondere Nachbarschaft.

Ein schöner Ort, ein „Sonntagsgelände“, so beschreibt der feinnervige Dichter die Darmstädter Rosenhöhe, „visitabel zu jeder Tages- und Uhrzeit“. 1956 zog der „sanfte Rebell“ Krolow in eines der Betonhäuser mit Pultdach ein, die die Künstlerkolonie bilden. Seit 1979 lebt der Speyerer Thomas Duttenhoefer dort. Zwei besondere Nachbarn bis zu Krolows Tod 1999; er wurde 84. Sie mochten sich – zunächst aus der Distanz.

In einem Brief lobt der zeitlebens melancholisch verschattete Krolow die „rasche, tägliche Vergänglichkeit, Sterblichkeit, Hinfälligkeit“, die Duttenhoefer in vielen seiner Arbeiten festhalte. Der Künstler derweil war „berührt“ von Krolows „Präsenz“, der „Fragilität“, der „Prägnanz“, einer Anmut, die sich auch durch seine Verse paust. Krolow nannte seine Lyrik selbst porös. Wer die Rosenhöhe besucht, sieht ihn heute gebeugt durch die Parklandschaft schreiten. Der privatgelehrte Menschenbildner Duttenhoefer hat ihn mit einer Ganzkörperplastik in der Künstlerkolonie verewigt. „Fast schwebend“ erscheine er, schreibt dazu der Speyerer Autor und Kurator Oliver Bentz, der Duttenhoefers Werkverzeichnis herausgebracht hat – und dem sich die Kleinniedesheimer Ausstellung verdankt.

Berührende Präsenz: Krolow-Porträt des Künstlers.
Berührende Präsenz: Krolow-Porträt des Künstlers.

Ein Glücksfall ist der Ausgangspunkt. Nach dem Tod von Krolows Witwe fand Bentz bei einem Besuch bei Duttenhoefer ein „Nachbarschaften. Aus dem Alltag des Schriftstellers“ betiteltes Prosastück aus dem Jahr 1968 im Sperrmüll vor Krolows Haus. Im vergangenen Jahr gab Bentz es als Buch heraus – samt Faksimiledruck des Manuskripts, Gedichten und zahlreichen Bilderwerken von Duttenhoefer. Sie zeigen Krolow über die Jahre als „empfindlichen Mann“.

Zu sehen sind Linolschnitte, Radierungen, Mischtechniken, Zeichnungen, eine Plastik, auf der Krolow versonnen schaut. Und dieser künstlerische Ertrag des Beieinanderwohnens ist jetzt auch in der intimen, feinen Ausstellung im Kleinniedesheimer Schloss ausgestellt. Er werde seine Nachbarschaft „nie beschreiben“, hatte Krolow in seinem Manuskript behauptet. Ein GlücK: Dafür zeigt sie die Schau umso intensiver.

Lesezeichen

Oliver Bentz: „Karl Krolow: Nachbarschaften – Aus dem Alltag eines Schriftstellers“; Justus von Liebig Verlag, Darmstadt; 90 Seiten, 20 Euro.

Die Ausstellung

„Nachbarschaften“ ist bis 29. März im Kleinniedesheimer Schloss, jeweils sonntags von 13 bis 17 Uhr, zu sehen.

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