Schauspiel RHEINPFALZ Plus Artikel Der Brückenbauer: Zum 90. Geburtstag von Armin Mueller-Stahl

Auch als Künstler aktiv: Armin Mueller-Stahl, hier 2015 bei der Vernissage einer Ausstellung mit seinen Arbeiten.
Auch als Künstler aktiv: Armin Mueller-Stahl, hier 2015 bei der Vernissage einer Ausstellung mit seinen Arbeiten.

Am Tag des Mauerbaus war er im Westen – und fuhr in die DDR zurück, auch wenn er ahnte, dass er so schnell nicht mehr zurück kann. Als Hannelore Kohl ihn gut 30 Jahre später fragte, ob er nicht Bundespräsident werden wolle, lehnte er ab. Er war schon über 60, als seine Karriere so richtig in Schwung kam – in Hollywood. Am 17. Dezember wird Armin Mueller-Stahl, der ungewöhnlichste Schauspieler Deutschlands, 90 Jahre alt.

Halt. Eigentlich ist er kein Schauspieler, er hatte Geige studiert, ist examinierter Musiklehrer. Er schrieb Gedichte, einen Roman. Er ging er als Chansonsänger auf Tour. Seit seinem 70. Geburtstag sieht man seine schwungvollen Bilder und Grafiken bei Ausstellungen (2016 und 2019 in Landau).

Nur „Müller“ war der Familie zu schlicht

Eigentlich hieß sein Vater schlicht Müller, seine Mutter aber stammte aus einer baltischen Adelsfamilie. Deshalb überlegten die adeligen Mitglieder der Familie, wie sie den Namen etwas aufwerten konnte, das markante „Stahl“ wurde dazu erfunden und das „ue“. Das ist eine von drei Geschichten aus einem der drei Bücher, in denen er sein Leben erzählt.

„Die Zeit und das Land ließen nicht zu, dass ich unpolitisch blieb“, sagt er. Im Nachkriegsberlin wird der Mann aus Tilsit (Ostpreußen) zum Schauspieler. An der Staatlichen Schauspielschule der DDR fliegt er nach einem Jahr raus, wegen Talentlosigkeit (wie Manfred Krug), aber Armins älterer Bruder Hagen, Dramaturg am Theater am Schiffbauerdamm, verschafft ihm ein Vorsprechen. 1952 folgt die erste Theaterrolle („Aschenbrödel“), 1960 der erste Kinofilm („Fünf Patronenhülsen“, in dem er einen Soldaten spielt, der sympathisch wirkt und von Faschisten erschossen wird).

Erfolgreich mit DDR-Filmen

Im nächsten wichtigen Film, dem DDR-Klassiker „Nackt unter Wölfen“, spielt Mueller-Stahl den Anführer einer Widerstandsgruppe im KZ so eindringlich, dass er fortan im DDR-Fernsehen und im Film permanent eingesetzt wird. Vor allem die Spionage-Serie „Die unsichtbare Visier“ ab 1973, ein Straßenfeger mit Mueller-Stahl als Stasi-Agent à la James Bond kam gut an. Doch er stieg aus, „einen stumpfen Parteiauftragsmenschen wollte ich nicht spielen“. Mueller-Stahl protestierte gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, war als Schauspieler nicht mehr gefragt, und bekam 1979 eine befristete „zeitweilige Ausreise“.

Seine Karriere im Westen begann beim ZDF

Mit einem ZDF-Krimi begann er praktisch bei null, denn im Westen war er kaum bekannt. Er staunte, dass ihn hier alle auf seine blauen Augen ansprachen, die im Osten nie Thema waren. Nach dem Dreh von „Lola“ (als bestechlicher Baudezernent) wollte Rainer Werner Fassbinder ihn in seine Filmfamilie holen, Mueller-Stahl winkte ab, sagte aber zu, bei „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ wieder zu spielen, was ihm ein Filmband in Gold als bester Darsteller einbrachte, die erste Auszeichnung im Westen, wo er sich lange nicht so richtig heimisch fühlte.

Noch ein Neustart in den USA

Darum begann er 1986 in den USA wieder von vorn, aber nun hatte er schon einen guten Ruf. Die Hollywood-Arthouse-Hits „Music Box“ und „Avalon“ begründeten seinen Erfolg. Mueller-Stahl fühlte sich wohl, weil man in den USA so professionell arbeitete, wie er das von der DDR gewohnt war und wurde 1997 für „Shine“ mit einer Oscar-Nominierung belohnt.

Heute noch lebt der bescheiden gebliebene Mann, der über 140 Filme drehte, abwechselnd in den USA und in Deutschland, denn „als Künstler will ich Brückenbauer sein, der überall zu Hause ist. Ein Deutscher von Geburt, aber ein Weltbürger von Überzeugung“. Bei ihm klingt das nicht hohl, sondern echt.

Den 90. Geburtstag feiert er still, wie er überhaupt wenig Aufsehen macht. So stellte er im Vorjahr in Berlin sein neues Buch bewusst in einer kleinen Buchhandlung vor, fesselt nach wie vor mit seiner markanten metallischen Stimme und genießt die Aufmerksamkeit, die er nun auch als Autor und Maler bekommt.

Armin Mueller-Stahl war im ersten Leben Musiker und Geigenlehrer. Hier ein Selbstporträt als Stehgeiger, das 2014 in der Pfalz,
Armin Mueller-Stahl war im ersten Leben Musiker und Geigenlehrer. Hier ein Selbstporträt als Stehgeiger, das 2014 in der Pfalz, in Maikammer, zu sehen war.
Im Jahr 2000 spielte Mueller-Stahl in „Die Manns“ Nobelpreisträger Thomas mann.
Im Jahr 2000 spielte Mueller-Stahl in »Die Manns« Nobelpreisträger Thomas mann.
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