Kultur Der Barde mit dem sentimental angerauten Bariton

„Ich bin ein Verfechter des guten Songs, der dann auch im Radio laufen sollte“, hat Kenny Rogers einmal als Anspruch formuliert.
»Ich bin ein Verfechter des guten Songs, der dann auch im Radio laufen sollte«, hat Kenny Rogers einmal als Anspruch formuliert.

Als Sohn eines Werftarbeiters führte sein Schulweg durch ein wohlhabendes Viertel von Houston, Texas. In jedem Vorgarten stand ein automatischer Rasensprenger: Und so wurde es Kenny Rogers’ Lebenstraum, einmal selbst ein Haus mit Rasensprenger zu besitzen. Dank seiner Musik wurde es sehr bald sogar eine acht Millionen US-Dollar teure Luxusvilla. Morgen wird der Country-Star 80 Jahre alt.

105 Millionen Alben hat er weltweit verkauft, über 60 Singles konnte er in den Top 40 platzieren, 22 Mal eroberte er die Spitze der Hitliste. Insgesamt stand er über 100 Wochen auf Platz eins der Country- und Popcharts in den USA. 18 American Music Awards durfte er mit nach Hause nehmen, acht Auszeichnungen der Academy of Country Music ebenfalls, dreimal erhielt er den begehrten Grammy. Eine beeindruckende Statistik und doch lediglich eine Auswahl der Erfolge und Ehrungen, die Kenny Rogers in seiner sechs Dekaden umspannenden Karriere verbuchen konnte. Und das, obwohl er selbst von sich sagt: „Ich habe mich nie für einen besonders guten Sänger gehalten – aber ich habe eine kommerzielle Stimme.” Und mit der ließ sich viel Geld verdienen. Allein mit seinen Welthits „Lucille”, „The Gambler” und „She Believes In Me” verhalf er seiner Plattenfirma innerhalb von drei Jahren zu einem Umsatz von rund 100 Millionen Dollar. Und Rogers selbst schloss 1982 einen Plattenvertrag ab, der ihm die Garantiesumme von 20 Millionen Dollar einbrachte. Kenny Rogers sagte über sich einmal, dass er nur zwei Arten von Songs singe: Balladen, in denen Männer ausdrücken, was Frauen gern hören möchten. „Und die andere Sorte sind Story-Songs, also Lieder, die von sozialen Problemen handeln.“ So beschäftigte er sich musikalisch mit dem LSD-Konsum, dem Schicksal der Korea- und Vietnamheimkehrer und unglücklichen Ehen. Es waren aber zumeist Herz-Schmerz-Lieder, die Rogers zum Country-Star werden ließen, auch wenn damit sein Genre nur unzureichend beschrieben wird. „Ich habe viele Jahre lang Jazz gemacht und dann Pop und Rock. Ich hatte also auch viele andere Einflüsse – nicht nur Country.“ Rogers hat jedoch stets darauf geachtet, Musik zu machen, die von einem großen Publikum gehört wird – und das waren eben seine Country-Songs. „Ich bin ein Verfechter des guten Songs, der dann auch im Radio laufen sollte.” Doch im Radio laufen zumindest hierzulande nur seine Gassenhauer aus den 70er und 80er Jahren wie „The Gambler”, „Ruby, Don’t Take Your Love To Town”, das Duett mit Dolly Parton „Island In The Stream” oder der 1995er Song „Lady”. Sein bislang letztes Studioalbum hat Kenny Rogers 2013 aufgenommen: „You Can’t Make Old Friends“. Und auch das stand, in Deutschland kaum beachtet, in den USA zwölf Wochen in den Country-Charts. „Die Menschen halten länger durch, wenn sie das, was sie tun, lieben. Dann gibt es auch keinen Grund aufzuhören” – und so stand Kenny Rogers, der erfolgsverwöhnte Barde mit dem sentimental angerauten Bariton, bis vor drei Jahren auf der Bühne, den Tourneeplan stets prall gefüllt. 2015 dann aber die Ankündigung, Abschied zu nehmen: „Ich habe dies lange genug gemacht. Es gibt einen schmalen Grat zwischen getrieben und selbstsüchtig sein, und ich denke, ich habe diese Linie überschritten“. Ein Abschied auf Raten sollte es werden, eine allerletzte Tour: „The Gambler’s Last Deal“. Doch die musste Kenny Rogers im April wegen „einer Serie gesundheitlicher Herausforderungen“ vorzeitig abbrechen. Ein Comeback schließt er aus: „Ich möchte jetzt wirklich bei meiner Frau und meinen Kindern sein.“

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