Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Situation extrem schwierig“: Pfalztheater droht ein millionenschweres Finanzierungsloch

Blick in die Rotunde des Pfalztheaters.
Blick in die Rotunde des Pfalztheaters.

2025 droht dem Pfalztheater ein Finanzierungsloch von bis zu 5,2 Millionen Euro durch die Tariferhöhungen und die katastrophal schlechte Auslastung. Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder erklärt, warum er mit der Leitung unzufrieden ist.

Die Tariferhöhungen bringen das Pfalztheater in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, das wurde bei der Spielplanpressekonferenz vor zwei Wochen mehr als deutlich. Wie schwierig ist die Situation für das Haus?
Beim Pfalztheater schlagen die Tariferhöhungen ähnlich wie bei anderen Häusern auf der Ausgabenseite des Haushaltes sehr stark zu Buche. Im Jahr 2024, in dem die Erhöhungen ja bereits voll wirksam sind, haben wir das Glück, dass wir in den Jahren der Corona-Pandemie eine Rücklage aufbauen konnten, die wir jetzt allerdings komplett einstellen müssen für den Ausgleich dieser Mehrausgaben im Haushaltsjahr 2024. Das liegt auch daran, dass das Land Rheinland-Pfalz sich nicht in der Lage gesehen hat, trotz dieser massiven Tarifsteigerungen seine Zuwendungen bereits 2024 zu erhöhen. Man verweist dort auf den Doppelhaushalt des Landes. Deswegen müssen wir unsere Rücklagen vollständig auflösen.

Und wie sieht es dann im Jahr 2025 aus?
Im Jahr 2025 wird die Situation extrem schwierig. Wir gehen von einem Delta in Höhe von 4,2 Millionen Euro aus, die Stand heute nicht finanziert sind. Jetzt gibt es ja für das Pfalztheater seit vielen Jahren ein Finanzierungsmodell, das die Zuwendungen von Bezirksverband, Land und Stadt regelt. In Zahlen sieht das so aus: Rund 40 Prozent liegen beim Land, 40 Prozent vom Rest bei der Stadt und die verbleibende Summe sowie die Bühnentechnologie und die Betriebskosten beim Bezirksverband. Das heißt, um diese Mehrkosten zu decken, brauchen wir 1,9 Millionen Euro mehr vom Land, 1,1 Millionen mehr von der Stadt, und auch der Bezirksverband müsste 1,2 Millionen mehr aufbringen als bisher. Würden Stadt und Land ihre Zuwendungen nicht in diesem Umfang erhöhen, dann hätten wir in der Tat ein sehr großes Problem.

Was passiert, wenn die beiden anderen Träger, die Stadt Kaiserslautern und das Land Rheinland-Pfalz, nicht helfen können: Kann das der Bezirksverband alleine tragen?
Beim Begriff Träger wäre ich ein bisschen vorsichtig. Träger des Theaters ist der Bezirksverband Pfalz, die beiden anderen Partner sind Zuwendungsgeber. Nur so wird ja deutlich, dass das Theater über den Haushalt des Bezirksverbandes läuft. Und kommen die Zuwendungen nicht in dem erwähnten Umfang, dann schlagen natürlich die entstehenden Defizite komplett beim Bezirksverband auf. Dann wäre aber auch das über Jahre funktionierende Finanzierungsmodell des Pfalztheaters gescheitert.

Welche Folgen hätte das für die Kommunen in der Pfalz?
Die Kommunen müssten eine deutlich höhere Bezirksverbandsumlage zahlen, und ob dazu bei den kreisfreien Städten und Landkreisen der Pfalz angesichts ihrer zum Teil hoch defizitären Haushalte eine politische Bereitschaft besteht, ist mehr als fraglich. Rechtlich kann der Bezirkstag eine solche Erhöhung der Umlage natürlich beschließen. Aber das ist ja nicht nur eine juristische Entscheidung, sondern auch eine politische. Deswegen auch mein Appell an Land und Stadt, an dem bewährten Finanzierungsmodell des Pfalztheaters festzuhalten.

Auch die Einnahmesituation des Theaters ist unbefriedigend, die Theaterleitung selbst hat zugegeben, dass man mehr Publikum ins Haus locken müsse. Wie sehen sie das?
Das ist eine weitere große Sorge, die mich zurzeit massiv umtreibt. Wir sind als Träger des Hauses hoch unzufrieden mit der derzeitigen Publikumsauslastung des Pfalztheaters. Wir erreichen bei weitem nicht die Zielgrößen, die das Pfalztheater bei den Eigeneinnahmen erreichen müsste, wenn man auf den langjährigen Durchschnitt blickt. Dieser liegt bei etwa 1,5 Millionen Eintrittseinnahmen zuzüglich Abonnements und Gastspiele. Das haben wir für das laufende Jahr mit Blick auf die längere Schließzeit schon abgesenkt auf 1,4 Millionen Euro. Wenn man sich aber anschaut, was von Januar bis Mai eingenommen wurde und zugleich berücksichtigt, dass wegen der Theaterferien und der noch anstehenden Sanierungsarbeiten nur noch November und Dezember an vollen Monaten bleiben, dann müssen wir davon ausgehen, dass uns Einnahmen in der Größenordnung von 800.000 bis zu 1 Million Euro im laufenden Jahr 2024 fehlen werden, weil das Publikum im Moment dem Pfalztheater den Zuspruch versagt.

Dann würden wir für 2025 über eine Unterfinanzierung von bis zu 5,2 Millionen Euro reden?
Das gilt dann, wenn Stadt und Land ihre Zuschüsse nicht erhöhen, wovon ich aber nicht ausgehe. Und nur für den Fall, dass auch im nächsten Jahr die Einnahmen des Theaters weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Das kann man jetzt natürlich nicht genau prognostizieren, aber dann muss der Träger im Sinne eines verantwortungsvollen Finanz-Controllings natürlich reagieren. Das heißt konkret: Wenn die geplanten Einnahmen im geplanten Umfang nicht erzielt werden können, dann muss im gleichen Umfang auf der Ausgabenseite gespart werden.

Warum erreicht das Pfalztheater die Zuschauer nicht mehr?
Ich kann dazu nur meine persönliche Meinung sagen. Meiner Einschätzung nach ist es so, dass die Programmatik, die das Theater ja in eigener künstlerischer Verantwortung aufstellt, im Moment zumindest am Publikum in Kaiserslautern und in der Region vorbeigeht. Viele Produktionen sind weit von der Vollauslastung entfernt, manchmal ist das Theater noch nicht einmal zur Hälfte gefüllt. Das gilt sogar für künstlerisch hochwertige Produktionen. Ich habe sogar die Befürchtung, dass die Stimmung generell gekippt ist gegenüber dem Theater und seinen Angeboten, wenn sogar Konzerte der Pfalzphilharmonie trotz sehr ansprechender Programme nur noch ganz wenige Zuschauer anlocken.

Sie waren bei der Präsentation des neuen Spielplans nicht persönlich anwesend. Das war auffällig, weil Sie sonst immer dabei waren. Hatte das einen Grund?
Das darf man durchaus als Zeichen verstehen, denn vor dem Hintergrund dessen, was wir bisher besprochen haben, werden Sie nachvollziehen können, dass ich mit manchen Dingen, die am Pfalztheater laufen, nicht einverstanden bin. Ich bin nicht damit einverstanden, dass man sich nicht zielgruppenorientiert um das erreichbare Publikum kümmert. Theater kann man nicht nur als Selbstzweck machen, man kann es auch nicht nur für das Feuilleton machen. Theater muss publikumsorientiert gemacht werden, und da vermisse ich sowohl in der laufenden, als auch im Programm der nächsten Spielzeit die entsprechenden Akzente, die eine Trendwende herbeiführen könnten. Denn es gibt ja durchaus auch Theater wie das Staatstheater in Mainz, die sich aktuell über steigende Besucherzahlen freuen können. Auch in Trier und Koblenz werden gute Auslastungszahlen verkündet, nur das Pfalztheater fällt da aus dem Rahmen. Und hier muss sich etwas ändern, weil sonst das Pfalztheater als wichtige Kulturinstitution der Region durchaus gefährdet ist.

Nun geht das neue Leitungsteam des Theaters erst in seine zweite Spielzeit. Ist es nicht zu früh für ein abschließendes Urteil?
Ich wünsche dem Theater nur das Beste und dass es das Publikum wieder mehr erreicht. Das Leitungsteam hat ja einen Spielplan vorgelegt und ist davon überzeugt, dass dieser Spielplan das Publikum erreicht. Die Theaterleitung hat aber nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine wirtschaftliche Gesamtverantwortung. Wenn ein Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben inklusive Zuwendungen gelingt, dann ist das aus Sicht des Trägers ein Erfolg. Wenn das aber nicht gelingt, dann muss der Träger auch fragen dürfen, warum es ausgerechnet am Pfalztheater in Kaiserslautern Probleme gibt, die ja vielleicht auch in gewissen inneren Prozessabläufen ihre Ursache haben.

Theo Wieder.
Theo Wieder.
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