Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Berlinale: Kein versöhnlicher Abschluss

Besonnen: Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle, die zuvor das Filmfestival in London geleitet hatte.
Besonnen: Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle, die zuvor das Filmfestival in London geleitet hatte.

Bei ihrer zweiten Berlinale als Intendantin wollte Tricia Tuttle die Filmkunst sprechen lassen, doch konnte ihr das trotz besonnener Worte nicht vollends gelingen.

Zum einen war der Wettbewerbsjahrgang recht schwach, zum anderen überlagerte das Tauziehen um Stellungnahmen zum Gaza-Krieg die Diskussion über Filme. Und dies, obwohl gerade diese doch oft differenziert aufzeigen konnten, was in Zeiten scheinbar unüberbrückbarer politischer Differenzen wichtig ist, damit Menschen miteinander auskommen.

Die Berliner Filmfestspiele gelten neben Cannes und Venedig als einziges A-Festival und als das politischste. Dennoch ist ein solches Kulturereignis der falsche Platz, um eine Positionierung in einem Krieg einzufordern – und dessen Führung, Jurymitglieder und Gäste stellvertretend für den deutschen Staat anzugreifen. Doch auch am Abschlussabend ging es um Gaza, obwohl die prämierten Filme – insgesamt würdige Vertreter eines politisch zu lesenden Kinos – für sich hätten sprechen können.

Der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib wurde bei der Abschlussgale für den besten Debütfilm ausgezeichnet –
Der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib wurde bei der Abschlussgale für den besten Debütfilm ausgezeichnet – und warf der Bundesregierung vor, sie mache mit »beim Genozid Israels in Gaza«.

Der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib gewann – außerhalb des Hauptwettbewerbs – mit „Chronicles From the Siege“ über Menschen unter einer Besatzung den Preis als bestes Debüt: ein klares Zeichen dafür, dass die Berlinale palästinensische Stimmen keineswegs ausblendet. Alkhatib trat mit Palästina-Flagge auf und warf der deutschen Regierung vor, sie sei Partner „des Völkermords in Gaza“. Aus Protest verließ darauf Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) den Saal. Eine verständliche Reaktion, aber es ist traurig, dass sie nötig gewesen ist.

„Wir hören euch“, hatte Festivalchefin Tuttle zuvor erneut versöhnlich und besonnen über all jene gesagt, die außerhalb der Kinosäle „Leid, Wut und Druck verspüren“. Sie sagte: „Diese Gefühle sind echt, sie gehören zu uns.“

Bei der nächsten Berlinale geht es dennoch hoffentlich wieder mehr um Filmkunst.

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