Kultur Bejubelte Rückkehr in die Heimat

Hochstimmung herrschte beim dritten Kaiserslauterer Pfalztheaterkonzert. Hellauf begeistert feierten die – leider nicht sehr zahlreich erschienenen – Zuhörer die Mitwirkenden: den aus Russland stammenden Dirigenten Anton Legkii, zweiter Kapellmeister am Pfalztheater, die in Kaiserslautern geborene, in Pirmasens aufgewachsene und in München lebende Geigerin Anna Sophie Dauenhauer als Solistin, und das Orchester des Hauses.
Freude und enthusiastische Zustimmung mögen auch durch die Programmwahl mitbedingt worden. Waren doch mit Beethovens Violinkonzert und Brahms` zweiter Sinfonie zwei Standardwerke des Repertoires zu hören, die (keineswegs zu Unrecht) zu den Publikumslieblingen zählen. Klassischer geht es kaum. Geprägt wurde das Konzert durch einen sehr entschlossenen Zugriff, bei jugendlicher Musikbegeisterung und Energie. Am Pult stand der vom Orchester (ebenfalls nicht zu Unrecht) sehr herzlich gefeierte Anton Legkii mit in keinem Moment nachlassendem Nachdruck für Spannung und Intensität der Klangrede ein, für ausdrucksbetont impulsive Spielweise, markante Akzentuierungen und vorwärts drängenden Elan. Das Orchester folgte ihm sehr willig, und die Solistin zeigte sich einverstanden. Und so ging es an diesem Abend sehr lebendig zu, der sinfonisch-konzertante Dialog zwischen Solistin und Orchester entspann sich durchweg angeregt-anregend und vielgestaltig. Andererseits legten die Pfalztheater-Musiker unter Legkiis behender Stabführung auch durchaus virtuose Ansätze an den Tag, vor allem in den beiden letzten Sätzen von Brahms’ Sinfonie, besonders in den Presto-Episoden des dritten. „Was wollt ihr von den Meistern mehr?“, würde der an dieser Stelle wohl Hans Sachs aus Wagners „Meistersingern“ fragen. Die Antwort lautet: ein durchsichtigeres Klangbild. Denn diesmal klang das Pfalztheaterorchester oft zu robust, um nicht gleich schwerfällig zu sagen, und vor allem bläserlastig. So hätte man sich etwa die, zugegeben, sehr wirkungsvoll angelegte Schlussapotheose der Sinfonie auch weniger triumphalistisch vorstellen können. An einigen Stellen des Beethoven-Konzerts wurde außerdem die Solistin vom Bläser- und Schlagzeuggewitter etwas übertönt. Diese, Anna Sophie Dauenhauer, agierte ihrerseits überaus kultiviert, spielerisch brillant, präsentierte Beethovens Passagenwerk sehr sauber, prägnant artikulierend und nahm für sich durch feine Tonqualität und Einfühlungsvermögen ein (gerade im zweiten Satz). Ist aber ein sehr flottes Tempo, wie Dauenhauers und Legkiis, in den Ecksätzen von Beethovens Violinkonzert authentisch? Im Prinzip durchaus, aber die Sechzehntel- und Triolenpassagen sollen dabei ausgesungen werden und nicht nach Etüden anmuten. Ausgesprochen ansprechend geriet dann Dauenhauers Zugabe, zusammen mit dem (Gast-)Konzertmeister Ivan Knezevic: ein Violinduosatz von Louis Spohr.