Architektur Bauen fürs Kauen: Ein Mainzer Lebkuchenhauswettbewerb

Leicht „Psycho“: Das Gewinnerhaus.
Leicht »Psycho«: Das Gewinnerhaus.

Vorbildhaftes Bauen ist jetzt im Mainzer Zentrum für Baukultur prämiert worden. Bei dem vom Hausherrn selbst veranstalteten Wettbewerb ging es etwas unspezifisch um „Lieblingsarchitektur“. Das vorgegebene Material indes musste sinnvoll verwertbar sein: Lebkuchen. 34 Einreichungen gab es.

Ganz ehrlich, sanfter Grusel geht schon auch aus von dem Gewinner-Lebkuchenhaus. Es erinnert an die Heimstatt von Norman Bates in Hitchcocks Film „Psycho“. Unterschwellig erzählt das Gebäude so von der Ambivalenz, die manchen spätestens am zweiten Weihnachtstag befällt. Ansonsten besticht die traufständige Architektur der Familie Attanasio mit der Beherrschung der klassisch dreigeteilten, reich ornamentierten Fassade aus: Sockelgeschoss, Bel Etage und einer Gaube obenauf. Im Garten ist das Licht des Tannenbaums eingeschaltet. Auffällig bei dieser Lösung der zuckrigen Bauaufgabe: die Absetzbewegung zur Bauhaus-Architektur, die bei Vorgängerwettbewerben öfter triumphierte. Die Nachwuchsbaumeister jedenfalls haben einen größeren modernistischen Drang.

So gewann bei den bis zu Sechsjährigen die filigrane „Borka-Festung“ von Mathilda und Maximilian Jertz (Mainz), eine erzählerische Architektur, die sich an Astrid Lindgrens Ur-Werk weiblicher Selbstermächtigung, an „Ronja Räubertochter“, anlehnt. Präsidiert wird sie von einem Baumhaus, das als bewachtes Lager dient und im Wortsinn verwurzelt ist mit dem Stamm, der es trägt. „Eine Idee“, urteilte die Jury, „die zu Ende gedacht und überraschend beantwortet“ worden sei.

Derweil fühlte sie sich beim „Space Needle“ von Lukas und Moritz Hoch aus Sprendlingen, dem Gewinner der Kategorie Jugendliche bis 18 Jahre, der sich beim in den Himmel Schießen sanft in die Kurve legt, an den Liebhaber alles Krummen, Friedensreich Hundertwasser, erinnert. An eine Architektur, die „tanzt“. Auch Ausblick hat der Turm mit den beiden teils drehbaren Wohngeschossen, die durch einen Außenaufzug erreicht werden. Derweil kragt bei Clara und Lena Duran Garcia und Jonah Sperber, die bei den Grundschülern gewonnen haben, eine Rutsche aus ihrem Lebkuchen-„Abenteuerhaus“. Eine Besonderheit wird dabei vor allem betont: Es kommt „ohne störende Eltern“ aus.

Sieger bei den Sechsjährigen: „Ronjas“ Räuberbaumhaus.
Sieger bei den Sechsjährigen: »Ronjas« Räuberbaumhaus.
„Space Needle“: Preisträger bei den 18-Jährigen.
»Space Needle«: Preisträger bei den 18-Jährigen.
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