Wirtschaft
BASF unter Druck: Diese Herausforderungen muss der Konzern meistern
„Der Markt ist heftig“, sagte Anfang Dezember BASF-Chef Martin Brudermüller. Die Wahrscheinlichkeit steige, dass 2024 ein weiteres schwieriges Jahr werde. Für das Geschäftsjahr 2023 erwartet die BASF einen Rückgang beim Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen von mehr als 40 Prozent. Das Problem: Die Chemieproduktion weltweit steht unter starkem Druck. Wegen der vielen Krisen schwächelt die Weltkonjunktur. Die Chemieproduktion schrumpft in allen Weltregionen, außer in China. In Europa und Deutschland gehen die Werte am stärksten zurück.
Massiver Druck baut sich für die BASF auch über die Energiepreise auf: Die Zeiten von billigem Gas aus Russland sind seit dem Krieg in der Ukraine vorbei. Die BASF hatte jahrzehntelang stark davon profitiert. Der Konzern braucht Erdgas als Rohstoff und – immer noch – zur Energieerzeugung. Der Konzern sieht seine Wettbewerbsfähigkeit in Europa nicht nur durch die Energiepreise erheblich belastet, sondern auch durch Überregulierung und hohe Kosten für viele weitere Produktionsfaktoren. Bereits seit Jahren stehen Wachstum und Ertragskraft in Europa unter Druck.
Tausende Mitarbeiter betroffen
Die BASF reagierte Anfang 2023 mit einem Sparprogramm vor allem für Europa und Deutschland. Bis 2026 sollen die jährlichen Kosten um 1,1 Milliarden Euro gesenkt werden. Einen Großteil der Maßnahmen muss der Standort Ludwigshafen stemmen. Unterm Strich werden hier 1800 Stellen ersatzlos gestrichen. Betroffen davon sind Einheiten außerhalb der Produktion. Außerdem legt die BASF elf Anlagenkomplexe im Stammwerk still, deren Betrieb ihr nicht mehr aussichtsreich erscheint. Betroffen davon sind weitere 700 Mitarbeiter, die aber laut BASF zum allergrößten Teil ihren Arbeitsplatz behalten sollen. Eine Standortvereinbarung für das Stammwerk schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 aus.
Weitere strukturelle Veränderungen im Stammwerk kündigte die BASF Anfang Dezember an. Auch hier geht es um mehr Wettbewerbsfähigkeit. Der Chemiekonzern trennt die Bereiche Agrarchemie, Coatings (Lacke) und Batteriematerialien aus der Stammgesellschaft BASF SE heraus, um ihnen geschäftlich „mehr Raum“ zu geben. Sie sollen in eigenständige Gesellschaften überführt werden. Betroffen davon sind 2390 Mitarbeiter in Ludwigshafen. Brudermüller beteuert, die Bereiche blieben „ganz fest integriert“ in der BASF-Gruppe. Die Gewerkschaft IG BCE dagegen nennt den Schritt eine „Ausgliederung“. Die Befürchtungen von Gewerkschaft und Betriebsrat zeigen sich in ihren Forderungen: Arbeitsverträge müssten mit gleichen Konditionen fortgeführt werden; die BASF solle auf einen Verkauf der Einheiten verzichten.
Lasten in Milliardenhöhe musste die BASF zuletzt wegen Wintershall Dea verkraften. Der Öl- und Gaskonzern hat die Folgen von Putins Politik und den Ausstieg aus dem Geschäft in Russland zu verkraften. Das brockte der BASF unterm Strich im Gesamtjahr 2022 und erneut im dritten Quartal 2023 rote Zahlen ein. Der BASF ist nun aber nach einer langen Hängepartie der Verkauf von Wintershall an den britischen Konzern Harbour Energy gelungen.
Investition in China unverzichtbar
Kräftig investiert die BASF in China, der einzigen Weltregion, in der die Chemieproduktion seit 2019 wächst. Auf die Volksrepublik entfällt bereits die Hälfte des Weltchemiemarktes. Dort baut der Ludwigshafener Konzern für 10 Milliarden Euro einen neuen Verbundstandort in Zhanjiang. BASF-Chef Brudermüller hält das Investment trotz der geopolitischen Risiken für unverzichtbar.
Weit in die Zukunft gerichtet ist ein Projekt, das Brudermüller erklärtermaßen besonders am Herzen liegt: der Umbau des Konzerns hin zu einer Reduktion der CO2-Emissionen auf netto Null bis 2050. Ludwigshafen soll dabei zum Vorzeigestandort für eine klimaneutrale Chemieproduktion in Europa werden. Dafür braucht der BASF-Chef ungeheure Mengen von Strom aus erneuerbaren Energien. Mit Milliardeninvestitionen ist die BASF deshalb in den aktuell größten Offshore-Windpark der Welt eingestiegen: Hollandse Kust Zuid in der Nordsee, betrieben zusammen mit dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall. Ebenfalls milliardenschwer ist der angekündigte Einstieg der BASF bei den Windparkprojekten Nordlicht 1 und 2 ebenfalls mit Vattenfall. Und auf einer Fläche von 1,2 Quadratkilometern plant die BASF nördlich des Stammwerks einen der größten Solarparks in Deutschland.
Der künftige BASF-Chef Markus Kamieth übernimmt von Martin Brudermüller das Ruder in unruhigen Zeiten.
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