E-Mail aus palatina
Aus der Westpfalz in die Welt: Sachiko Furuhata und Christoph Damman
Kulturpolitik heißt für den Stadtrat und noch mehr für den Stadtvorstand des Hochschul- und IT-Standorts Kaiserslautern vor allem Kürzen, Sparen und Streichen. Manchmal wird die gestalterische Selbstverwaltung auch mit Abrissbirnen und Planierraupen umgesetzt. Jetzt aber kommt das scheinbar dornröschentief schlummernde Kulturleben überraschend in die Puschen. Gleißnerisch strahlt der Glanz von Lutras Musen nach Nah und Fern.
Da ist die aus Yokohama stammende Pianistin Sachiko Furuhata, die lange in der Barbarossastadt lebte und neuerdings im benachbarten Winnweiler ansässig ist. Sie befindet sich derzeit auf einer großen Japan-Tournee, spielt in der berühmten Suntory Hall in Tokio, in Osaka, Okinawa und Fukushima.
Ehrung für Wahlwestpfälzerin Sachiko Furuhato in Japan
Von den Spätfolgen der Reaktor-Havarie ist auch die Kleinstadt Kamaishi betroffen. Sachiko Furuhata hat bereits mehrere Benefizkonzerte gegeben und für die Opfer gespielt. Wenn sie am kommenden Sonntag erneut in Kamaishi Station macht, will sie der dortige Bürgermeister für ihr Engagement auszeichnen.
Derlei Ehrenbezeugungen für Kulturschaffende sind vom Lauterer Oberbürgermeister eher nicht zu erwarten. Gemeinsam mit seiner Kulturdezernentin und SPD-Genossin hat er gerade zum wiederholten Mal den fürs Geistesleben vorgesehenen Haushaltsansatz gestrichen.
Die Stadtspitze und die Kultur
Einen Landeszuschuss von 124.000 Euro für ein Rockfestival ließen die beiden Sozialdemokraten ungenutzt sausen, weil der Eigenanteil von 17.000 Euro nicht aufzubringen war.
Das heißt nicht, dass der OB ein Kulturbanause wäre. Zwar besucht er im Gegensatz zur CDU-Sozialdezernentin keine Musikklubs. Auch zum Genuss heimischer Kulturveranstaltungen lassen ihm die mannigfaltigen Dienstpflichten kaum Zeit. Aber immerhin nahm er soeben an der Premiere der Wormser Nibelungenfestspiele teil.
Kulturreferatsleiter bringt Szenen aus Kaiserslautern nach Johannesburg
Derweil kehrt der Lauterer Kulturreferent zu seinen Theaterwurzeln zurück. Christoph Dammann – ehemals Opernintendant in Köln, Berlin und Lissabon – ist seit 2018 Leiter des städtischen Kulturamts. Trotz leerer Kassen (und wenig bis keiner Unterstützung durch den Stadtvorstand) führt er seine Amtsgeschäfte mit nimmermüdem Enthusiasmus und ebensolchem Ideenreichtum.
Den Sommerurlaub nutzt Dammann, um fern der Heimat noch einmal seinen Ambitionen als Opernregisseur nachzugehen: Im südafrikanischen Johannesburg, wo er 2016 die „Zauberflöte“ aufführte, inszeniert er jetzt „Don Giovanni“ mit dem afroamerikanischen Met-Star Kevin Short. Die Proben haben am Montag begonnen, Premiere auf der 1600 Zuschauer fassenden Nelson-Mandela-Bühne ist am 12. August.
Was andernorts als exotisch gilt
Die Geschichte vom melancholischen Wüstling rollt Dammann in einem Bühnenbild auf, dessen Düsternis dem klassischen „Film noir“ nachempfunden ist. Im Hintergrund platziert der Regisseur sechs großflächige Nachtaufnahmen von Lauterer Straßen – „weil das für ein südafrikanisches Publikum besonders exotisch erscheint“, wie er kürzlich im RHEINPFALZ-Gespräch ausführte.
Wir wissen nicht, inwieweit die Stadtspitze an diesen Geschehnissen Anteil nimmt. Aber eins ist sicher: Der Westpfälzer Kunstsinn weht von den Gestaden der Lauter bis an den Rhein, übers Kap der Guten Hoffnung hinüber ins Land der aufgehenden Sonne. Hoffentlich kommt er auch wieder zurück.
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