Kino-Öffnungen RHEINPFALZ Plus Artikel Ab Donnerstag machen einige Pfälzer Kinos wieder auf

„Wir sind froh, dass wir endlich wieder Kino machen dürfen“, sagt Theodor Sieber vom Walhalla in Pirmasens. Jede zweite Reihe is
»Wir sind froh, dass wir endlich wieder Kino machen dürfen«, sagt Theodor Sieber vom Walhalla in Pirmasens. Jede zweite Reihe ist nun gesperrt.

Zwischen Hoffen und Bangen: So mancher Betreiber in der Pfalz öffnet morgen oder am Freitag sein Kino wieder – zur neuen Startwoche, auch wenn die Verleiher nichts Frisches anbieten. Andere Kinos warten auch daher noch ab, bis sich das Öffnen lohnt. Die Auflagen bedeuten zudem, dass lediglich ein Viertel bis Drittel der Plätze besetzt werden dürfen. Und es gibt noch andere Hürden.

Nachdem das Mainzer Kulturministerium zuletzt von Autokino und digitalen Formaten schwärmte, hat es die Kinobetreiber im Land doch überrascht, dass sie ihre Häuser zum 27. Mai wieder öffnen dürfen. Generelle Vorgaben indes gab es zunächst nicht. Eine Grundfrage war: Wird in Kinos auch die 1,50-Meter-Regelung gelten oder reicht ein Meter Abstand, wie es die AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater, in der 370 Kinos vereint sind, vorgeschlagen hatte. Deren Argument: Der Kinogast sitze ja fest am Platz und rede nicht.

Die neue, achte Landesverordnung aber ließ auf sich warten. Am Montagabend erst gab es Gewissheit: Auch in Kinos, Theatern, Konzerthallen, Opernhäusern und Kleinkunstbühnen muss – wie zu erwarten – 1,50 Meter Sitzabstand gehalten werden. Weitere Vorgaben: „Vorreservierung oder Anmeldung“, Trennscheiben an den Kassen, Markierungen im Wartebereich, Einbahnregelungen „so weit möglich“. Gelüftet werden soll alle 20 Minuten, „alternativ ist eine dauernde mechanische Belüftung vorzusehen“. Personal und Besucher „müssen grundsätzlich eine Mund-Nasenbedeckung tragen“, heißt es weiter. Wie in Gaststätten muss die Anschrift notiert und einen Monat aufbewahrt werden. Ein Wermutstropfen vor allem auch für Betreiber: Essen und Trinken am Platz ist nicht erlaubt.

Das Broadway ist gerüstet

„Wir sind euphorisch, hoffentlich werden wir nicht enttäuscht“, fiebert nun Ernst Pletsch, zusammen mit seiner Ehefrau Renate Goldhammer Betreiber des Broadway-Kinos in Ramstein, der Wiedereröffnung entgegen: Ab Freitag geht es in dem geräumigen Kino, in das Pletsch und seine Frau seit 2014 rund 6,5 Millionen Euro investiert haben, mit Klassikern wie „Herr der Ringe“, „Inception“ und – auf Englisch – „Back To The Future“ los: Filme, die eine große Leinwand brauchen. Und von den Fans des Kinos selbst ausgesucht worden sind: Pletsch hat seine Newsletter-Abonnenten nach ihren Wünschen gefragt und daraus ein Programm für die ersten vier Tage gebastelt, wobei „im Moment viele Filme nicht verfügbar sind“, so Pletsch.

Jetzt hofft er, dass die Kinofreunde auch tatsächlich kommen. Denn die Verluste waren für das Broadway groß. Die Existenzängste sind hoch, da Einnahmen fehlen und es keine Hilfen gab. „Wir haben rund 90.000 Euro Fixkosten im Monat“, sagt Pletsch. So stocke er das Kurzarbeitergeld für seine Mitarbeiter auf („wir sind ja ein Team“), und Investitionen müssen abbezahlt werden, etwa die Neugestaltung des Parkplatzes oder der Technik-Ausbau. So sei im Vorjahr eine neue Belüftungsanlage, die mit 100 Prozent Frischluft arbeite, für 750.000 Euro eingebaut worden. Die Vorgaben des Landes seien daher kein Problem für das Kino, sagt Pletsch. Zumal für das 1985 eröffnete Haus seit jeher „eine Philosophie der räumlichen Großzügigkeit“ gelte.

Die Sitz- und Reihenabstände sind groß, die Gänge geräumig. Und vorsorglich werden zum Neustart lediglich die größten drei der sechs Säle bespielt – zeitversetzt. „Wir sind gerüstet“, sagt Pletsch. Der Vorverkauf konnte am Dienstagnachmittag starten, da Pletsch noch die Vorgaben der Landesverordnung abwarten wollte, die „zur Unzeit“ kam, wie er findet. Die Auflagen erst so knapp zu veröffentlichen, sei ein Unding, meint Pletsch, der ohnehin nicht gut auf die Landesregierung zu sprechen ist. Denn Rheinland-Pfalz schloss Betriebe wie seinen – mit 25 Mitarbeitern – von der Corona-Soforthilfe aus, während Bundesländer wie Baden-Württemberg auch Betriebe mit bis zu 30 Angestellten unterstützen. So musste er einen KfW-Notkredit beantragen.

Dass das Kinopublikum gleich an Pfingsten nun strömt, sei für das finanzielle Überleben des Broadway essenziell. Wenn nur fünf Leute pro Vorstellung kämen, lohne es sich nicht, zu öffnen. Er hofft also auf das Vertrauen und die Solidarität des Publikums, das ja das Kinoerlebnis liebe.

Aufbauendes im Provinz

Mit Filmen, die ursprünglich im März oder April hätten laufen sollen, will die Provinz 80 GmbH eröffnen. Sie betreibt das Union in Kaiserslautern und das Provinzkino in Enkenbach. Ab Donnerstag geht es laut Geschäftsführer Stefan Sprengart in Kaiserslautern los mit dem dreifach oscarnominierten Film „Bombshell – Das Ende des Schweigens“, ab Freitag mit „Enkel für Anfänger“ in Enkenbach. Man wolle bewusst „etwas Aufbauendes“ zeigen.

Die Auflagen umzusetzen, sei kein Problem, sagt Sprengart. In Enkenbach kann man telefonisch reservieren, für das Union wird gerade ein Online-Ticketing aufgebaut. Zunächst werde montags bis samstags in Kaiserslautern nur ein Film gezeigt. Sonntags soll es auch Kinder- und Nachmittagskino geben. „Wir tasten uns ganz vorsichtig ran“, sagt Sprengart, der nicht gleich mit einem großen Ansturm rechnet. Aber betont: „Wir freuen uns drauf.“

Vorfreude im Walhalla

„Wir sind froh, dass wir endlich wieder Kino machen dürfen“, sagt auch Theodor Sieber. Und sein Kino Walhalla in Pirmasens habe nun auch viel Zuspruch gerade in den sozialen Netzwerken erlebt, seit es die Wiedereröffnung für 28. Mai angekündigt hat. „Wenn alle, die ein Like gesetzt haben, auch kommen, hätten wir ein gutes Geschäft“, sagt er schmunzelnd. Jedoch rechnet Sieber damit, dass es zunächst eher ruhig bleiben werde. Das Walhalla sei aber jedenfalls gut vorbereitet. „Unsere Säle sind sehr groß“, unterstreicht Sieber. 664 Plätze in fünf Sälen hat das Kino normalerweise, nun würden maximal 180 Sitze verkauft. Die Karten gibt es online ohne Zusatzgebühr und samt Feldern, in die man seine Adressdaten eintragen kann. Am Kino werden die Ausdrucke dann eingesammelt.

Die Filme im Walhalla starten leicht zeitversetzt. Zunächst vier liefen noch nicht in Pirmasens: die Kinderfilme „Mina und die Traumzauberer“, „Lassie – eine abenteuerliche Reise“ und „Trolls World Tour“ sowie „Gentlemen“, dazu laufen Filme aus dem März wie „Narziss und Goldmund“. Für die Folgewoche kündigt Sieber neu „The Hunt“ und „Rettet den Zoo“ an.

In der Westpfalz vorerst noch geschlossen sind die Kinos UCI und Central in Kaiserslautern sowie das Europa in Zweibrücken, wo man „spätestens zu den Sommerferien“ wieder öffnen will.

Känguru in Limburgerhof

In der Vorderpfalz bleiben ebenfalls einige Kinos noch zu, auch da sich die Betreiber teils in Autokino-Angeboten engagieren. Am Donnerstag öffnen wird dagegen das Capitol in Limburgerhof, berichtet Betreiber Dieter Janneck. Die ersten vier Tage laufen „Die Känguru-Chroniken“. Als Nachspielkino, das es sich nicht leisten könne, zum Bundesstart eines Films diesen verpflichtend drei Wochen lang zu zeigen, war die Komödie ohnehin nicht viel früher eingeplant, erläutert Janneck.

50 der sonst üblichen über 200 Sitzplätze gibt es nun im Capitol. Für den Auftakt liegen ihm schon je rund 20 Reservierungen pro Tag vor. Bliebe es dabei, könne das Kino damit leben. „Bei uns ist ja der Kostendruck nicht so extrem“, sagt Janneck, der mit seiner Frau das Kinogebäude besitzt und den Betrieb mit Ehrenamtlern stemmt. Öffnen zu dürfen, freut ihn aber auf jeden Fall. „Kino muss es geben. Ohne Kultur kann es ja nicht weitergehen.“ Und eine „schöne Geste“ sei es, dass die Verleiher in punkto Gebühren dem Kino deutlich entgegen gekommen seien.

Programmkinomacher Michael Kaltenegger vom Neustadter Roxy dagegen lässt sein Kino noch rund 14 Tage geschlossen, auch da das Autokino am Flugplatz in Lachen-Speyerdorf gut laufe. Dort gibt es neben Filmen auch Live-Musik, etwa zum Film „A Star Is Born“ morgen. Erst am 2. Juli will man voraussichtlich in der Filmwelt und im Universum in Landau öffnen, wo es ebenfalls Autokino gibt. Zudem fehlten die publikumsträchtigen neuen Filme. Auch in Frankenthal und Grünstadt läuft zunächst weiter Autokino. „Bald geht es wieder los“, verkündet das Cinestar in Ludwigshafen online.

Hadern in Neustadt

Noch abwarten möchte Thomas Sauer vom Rex in Schifferstadt. „Kino muss auch ein schönes Erlebnis sein“, fürchtet er, dass die Auflagen Kinogänger abschrecken könnten. Auch lebe ein Kino ja nicht nur vom Eintritt – zumal die Hälfte davon üblicherweise an die Verleiher gehe –, sondern vom Getränkeverkauf. Wenn man nun am Sitz nichts konsumieren dürfe, rentiere sich das Öffnen nicht. „Und uns fehlen natürlich auch die neuen Filme.“ Sauers Zwei-Säle-Betrieb, der mit den 9000 Euro Corona-Soforthilfe über die Runden kam, stehe dennoch in den Startlöchern.

Das Neustadter Cineplex dagegen möchte am Donnerstag öffnen und alle zehn Säle bespielen, mit Filmen wie „1917“, „Systemsprenger“ oder „The Fog“. Frank Noreiks, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Filmtheaterbetriebe Spickert, haderte gestern allerdings noch damit, dass der Verzehr am Sitzplatz nicht erlaubt sein soll und Maskenpflicht dauerhaft gelten soll. „Das geht so nicht, das ist den Gästen nicht erklärbar“, sagt er, gerade da man zugleich ein Restaurant im selben Gebäude führe, in dem man die Masken am Platz ja abnehmen dürfe. „Das ist schizophren.“

Auch müsse sich niemand wegen der Belüftung sorgen. Im gesamten Gebäude gebe es eine komplette Frischluftzufuhr, die 50 Prozent über der Norm liege. Noreiks hofft auf eine Ausnahmeregelung, ansonsten wolle er den Rechtsweg gehen.

Öffnet am Freitag wieder und hofft aus finanziellen Gründen auf viele Kinobesucher am Eröffnunsgwochenende: das Broadway in Rams
Öffnet am Freitag wieder und hofft aus finanziellen Gründen auf viele Kinobesucher am Eröffnunsgwochenende: das Broadway in Ramstein.
Zeigt ab Freitag wieder Filme: das Provinzkino Enkenbach.
Zeigt ab Freitag wieder Filme: das Provinzkino Enkenbach.
Im Neustadter Cineplex – hier ein Foto aus dem Jahr 2018 – hadert man noch mit den Auflagen.
Im Neustadter Cineplex – hier ein Foto aus dem Jahr 2018 – hadert man noch mit den Auflagen.
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