Kulturkolumne
50 Zeilen Pop: Auf der Suche nach dem Sound für den Sommer
„Aperol“: Wenn das mal nicht ein verheißungsvoller Titel für einen potenziellen Sommerhit ist. Schon sieht sich die Hörerin in einer Bar am Meer sitzen, in der Hand ein bauchiges Glas mit verlockender Flüssigkeit in der Farbe eines Sonnenuntergangs – den fruchtig-bitteren italienischen Likör mit Mineralwasser und Eis gestreckt zu einem „Spritz“. Dazu eine leichte Brise Wind und das Geräusch sanft anschwappender Wellen. Der dahinter steckende Song eines Deutschrappers aus Köln namens Whitey En Vogue ernüchtert dann aber. „Baby, ich seh dich durch meinen Aperol“, autotunt der 26-Jährige, der im Vorjahr zum Song „Vanilla“ noch Wein trank. Und reimt darauf schmerzhaft denglisch: „Rote Brille, ich schau’ tief in deine Soul.“ Ach, lieber nicht. Aber wenigstens scheut sich der blasse junge Mann nicht, ein ausgemachtes Frauengetränk für sich zu reklamieren.
Eine Liebe, die für immer bleibt
Sommerlichen Deutschrap kann da ein Schwabe aber doch besser: Der 21-jährige Majan aus Schorndorf ist eher auf der Höhe der Zeit und hat sich für sein entspanntes Sommerlied „Dead or Alive“ den Schmusebarden Clueso als Duettpartner an Land gezogen. Um die erste Liebe geht es, die nach wie vor die größte ist: Musik meinen die beiden. Oder besser: Musikmachen.
„Songs schreiben ist für mich wie Sommer“, postuliert Clueso da. Und Majan selbst verkündet: „Ich will nur das, was ich jetzt hab’“. Ist doch schön, wenn mal alle zufrieden sind und nichts zu beklagen haben! Im Video dazu kommt dann übrigens vor allem eine eher uncoole Turnhalle vor, keine Spur von Meer und Cocktails. Dennoch: kein schlechter Sommerhit. Live dann – ohne Clueso – sicher zu erleben beim Majan-Konzert in Kaiserslautern (im Kammgarn-Kulturgarten) am 24. Juli. Acht Tage vorher erscheint auch noch Majans Debütalbum „Skits“.