Kultur 50 Zeilen Lebensart: Auf einem der vielen Pfalz-Balkone
„Auf, auf Kameraden“ – nein, nicht zum Schloss, zum Hambacher. Vielmehr soll es auf die oberhalb von Wachenheim liegende Wachtenburg gehen. Bestimmt alles andere als ein Geheimtipp, für Einheimische so wenig wie für tagestouristische Pfalz-Wanderer. Schön ist es aber dennoch auf dem 232 Meter über der Stadt thronenden Wahrzeichen Wachenheims. Gerne auch als Balkon der Pfalz bezeichnet, aber diesen Ruhm muss sich die Wachtenburg mit einigen anderen erhebenden Erhebungen teilen. Die Baugeschichte geht ins 12. Jahrhundert zurück, als Bauherr wird Konrad von Hohenstaufen angenommen, ein Halbbruder Barbarossas. In ihrer Geschichte wurde die Burg mehrfach zerstört, endgültig 1689 durch französische Truppen. Seit 1984 kümmert sich ein Förderkreis um den Erhalt der Ruine. Der Anstieg über den Schlossberg lohnt sich aber auf jeden Fall. Vielleicht sollte man einen Tag mit guter Sicht wählen, denn der Blick über die Rheinebene ist tatsächlich phänomenal. Hat man diesen dann zur Genüge genossen, sollte man sich bewusst machen, dass der Mensch auch von der allerschönsten Aussicht alleine nicht satt wird. Zum Glück gibt es die Burgschänke, die im Innenraum zwar nicht allzu viele Plätze hat. Dafür ist der Außenbereich ein riesiger Biergarten – also eigentlich ein Schorlegarten. Denn die Rieslingschorle als flüssige Begleitung zu einem Pfälzer Teller mit Bratwurst, Saumagen und Lebeknödel kommt dem Himmel auf Erden schon ziemlich nahe. Nach dem Essen und dem Abstieg von der Burg könnte man nun durch die Weinberge über Forst nach Deidesheim laufen, vorbei an berühmten Rieslinglagen. Man kann aber auch bei der Winzergenossenschaft vorbeischauen und deren Cuvée Wachtenburg aus Merlot, Cabernet Cubin und Dornfelder probieren. Auch das keineswegs ein Geheimtipp. Aber lecker. | Frank Pommer