Kernaussage
Stil-Kolumne: Instagram-Museen sind der Traum jedes Selbstdarstellers
Bitte lächeln: Jetzt gibt’s endlich Selfie-Museen. Ein Paradies für alle Poser. #ichliebemich.
Museen sind Musentempel, Lernorte, Staubstätten – und oft nicht ganz so cool für coole Leute. Aber ganz freiwillig strömen neuerdings sogar Zwölfjährige ins Museum. Für Instagram-Musen gibt’s jetzt nämlich die supertraumhaften „Supercandy“ in Köln und „Cali Dreams“ in Düsseldorf. Wer dort kulturwissenschaftliche Ausflüge in die Sozialgeschichte der Egozentrik erwartet, der wird enttäuscht. Es werden auch keine ausgedruckten Selfies mit den meisten Likes ausgestellt.
Anstelle von Kunst gibt’s Kitsch: Man mutiert selfst zum Exponat vor der Linse. Im Pic-Poser-Paradies gibt’s ein Bällchenbad, Discokugeln und Plastikflamingos – alles für die perfekte Selfstinszenierung. Für knapp 30 Teuro darf man in den Pink-Pinakotheken bis Ende Januar lautstark posen, alles begrapschen und sich selbst knipsen bis zur Schnappatmung. Hier. Aufmerksamkeit. Ich. Am Ende war’s ja nur eine Frage der Klicks, bis dem Selbstporträt-Wahn ein „Museum“ gewidmet wird. Für all die zentrovertierten Duckfacer, Blogger, Hashtagger dieser Welt, die auf Selfbefriedigung stehen. Und für alle Influencer. Gesundheit. Go and love yourself. Und bitte nicht den Selfie-Stick vergessen. Rembrandt und Dürer wären neidisch.