Der Weintipp
Küssen erlaubt
Neustadter kennen die Legende von der Liebesbeziehung der Bürgerstochter Kunigunde Kirchner mit dem französischen Kriegskommissar Johann Peter de Werth. Die Herzensgeschichte soll der Grund dafür gewesen sein, dass im Gegensatz zu vielen Städten, Dörfern, Burgen und Schlössern die Stadt Neustadt während des französischen Erbfolgekriegs (1688-1697) nicht zerstört wurde. Ob die Liebesbeziehung zunächst aus bürgerlicher Räson eingegangen wurde oder echte deutsch-französische Liebe den Kommisar erweicht hat, ist nicht überliefert.
Geschichten erzählen
Die Legende kann nachlesen, wer das Rückenetikett eines Chardonnay von Ludwik Adamé Haass studiert. Der Hambacher Winzer nennt sein kleines Weingut „Weinhaus Hambacher Freiheit“ nach dem Hambacher Fest des Jahres 1832. Er hat sich zum Ziel gesetzt, mit seinen Weinen „die Geschichte der Freiheitsbewegungen in der Rheinpfalz, Deutschland und Europa“ zu erzählen. Jede Abfüllung ist einer Person, einem Ereignis oder auch nur der „Völkerfreundschaft“ gewidmet. An Anna Maria Abresch, die Retterin der schwarz-rot-goldenen Hambacher Fest-Fahne vor dem Zugriff der Bayern erinnert ein Rosé. Den Straßburger Republikaner und Hambacher Fest-Redner Lucien Rey lernt kennen, wer einen Pinot Noir aus dem Barrique in Händen hält.
Etikett, aussagekräftig
Wer aussagekräftige Bilder mag, wird hier fündig: Die küssende Kunigunde und ihr Liebhaber auf dem Etikett des Kunigunden-Chardonnay sind unübersehbar. Da es in diesem Fall weniger um geschichtliche Tatsachen als um eine hübsche Geschichte geht, eignet sich der Wein gut für eine gemütliche Runde (die ja nun bald wieder möglich sein sollte). Aber nicht nur: In der Flasche wartet ein zu einem Drittel in gebrauchter Eiche und zu zwei Drittel im Stahl gelagerter Wein, der cremig nach Banane und gerösteten Haselnüssen duftet, zugänglich und unkompliziert schmeckt und Pasta ebenso gut begleitet wie ein Fischgericht oder eine Brotzeit.