Beziehungskiste Freiheit

91-15581512

Sich ausleben oder Rücksicht nehmen? In der Corona-Zeit ist das auch eine Generationenfrage.

„Mein Mann und ich befürchten, dass sich unser Sohn (22 Jahre) nicht immer an die geltenden Corona-Beschränkungen hält, wenn er mit Freunden unterwegs ist. Neulich musste er sogar ein Bußgeld bezahlen. Da er noch bei uns im Haus wohnt und wir zur Risikogruppe gehören, haben wir Bedenken bezüglich unserer eigenen Gesundheit. Wie können wir ihn davon überzeugen, vernünftig zu sein?“

Vielleicht gar nicht. Ihr Sohn ist in einem Alter, in dem das Individuum und die Freiheit oft eine größere Bedeutung haben als Sicherheit und Rücksicht. Und er gehört einer Generation an, bei der Freiheit und individuelle Selbstverwirklichung als Erziehungsziel ganz oben standen. Das konnte in unserer Gesellschaft bisher – zum Glück – auch meist ohne gefährliche Folgen für sich und andere gelebt werden.

Die derzeitige Krise anlässlich einer verbreiteten Ansteckungsgefahr ist aber für alle eine völlig neue Erfahrung, bei der keiner auf bewährte Strategien zurückgreifen kann. Mit den Corona-Maßnahmen steht nun die kollektive Herangehensweise über den individuellen Wünschen.

Teilen Sie Ihrem Sohn Ihre Sorge um Ihre eigene Gesundheit mit und bitten Sie ihn, darauf Rücksicht zu nehmen. Überlegen Sie mit ihm gemeinsam, ob eine räumliche Trennung innerhalb des derzeitigen Haushaltes möglich ist, damit Sie sich sicherer fühlen.

Vielleicht ist die momentane Situation aber auch ein Anlass, um über einen möglichen Auszug Ihres Sohnes ins Gespräch zu kommen. Und vielleicht wäre das auch ohne Corona ein anstehendes Thema in Ihrer Familie. Alles Gute für Sie in dieser unsicheren Zeit.

Liebe Leser, haben Sie ähnliche Fragen? Dann schicken Sie diese per Post an RHEINPFALZ am SONNTAG, Beziehungskiste; Ostbahnstraße 12, 76829 Landau oder per E-Mail an ras-beziehungskiste@rheinpfalz.de.

x