Beziehungskiste Beziehungskolumne zu Geschwistern: Enttäuscht

Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.
Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.

Zwei Schwestern verstehen sich gut mit den Eltern. Was passiert, wenn eine sich ausgegrenzt fühlt?

„Meine Schwester und ich haben eine enge Beziehung zu unseren Eltern. Jetzt habe ich erfahren, dass diese ab Herbst die Kinder meiner Schwester drei Tage pro Woche betreuen, damit sie wieder berufstätig sein kann. Ich hätte das meinen Eltern nie zugemutet und bin jetzt sehr enttäuscht und wütend auf alle. Was ist da los mit mir?“

Es überrascht Sie wohl selbst, dass Sie so emotional auf die Entscheidung Ihrer Schwester und Ihrer Eltern reagieren. Was aber enttäuscht Sie so? Dass Sie von beiden Seiten in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen wurden und Ihre Meinung nicht gefragt war? Vielleicht fühlen Sie sich weniger wichtig, sogar ausgegrenzt. Das wären wirklich unangenehme Gefühle.

Unser Rat: Achten Sie darauf, woran Sie heute merken, dass Sie wichtig sind und dazu gehören. Vielleicht geht es aber auch darum, dass Ihre Schwester jetzt etwas von den Eltern bekommt, was Sie nicht bekommen haben, sich aber vielleicht insgeheim auch gewünscht haben. Dann würde es für Sie ja als Verzicht und ungerechter Verlust spürbar sein. Unser Rat: Blicken Sie darauf, was Sie bekommen haben, und äußern Sie künftig Ihre Wünsche aktiv.

Vielleicht sind Sie davon ausgegangen, dass in der Familie als Regel gilt: Alle bekommen das Gleiche, jeder wird bei Entscheidungen gefragt. Jetzt stellen Sie fest, dass diese Regel nicht immer gilt. Unser Rat: Überprüfen Sie (unausgesprochene) Regeln von Zeit zu Zeit. Alles Gute für Sie!

Liebe Leser, haben Sie ähnliche Fragen? Dann schicken Sie diese per Post an RHEINPFALZ am SONNTAG, Beziehungskiste; Ostbahnstraße 12, 76829 Landau oder per E-Mail an ras-beziehungskiste@rheinpfalz.de.

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