Beziehungskiste Beziehungskolumne: Wer feiert mit?

Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.
Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.

Weihnachten – ein Familienfest. Doch was ist, wenn Teile der Familie exklusiv feiern wollen?

„Wir haben, wie immer, unsere drei Söhne mit Familien über die Feiertage eingeladen. Unser Ältester mit Frau, kinderlos, hat nur unter der Bedingung zugesagt, dass sie an Heiligabend allein mit uns feiern. Die Unruhe durch die Kinder der anderen sei zu viel. Uns bricht das Herz, denn wir wollen doch alle um uns haben. “

Ihre Frage enthält viele Themen. Zum einen, dass Ihr ältester Sohn und seine Frau eine lang bestehende Regel verändern wollen. Nicht ungewöhnlich. Das andere ist, dass Sie ebenfalls Ihre Regel verändern müssten und Heiligabend nicht mehr mit all Ihren Kindern und Enkeln feiern könnten. Für Sie ein (zu?) hoher Preis. Vielleicht geht es Ihnen aber auch darum, dass Sie, wenn Sie seinen Wunsch erfüllen, aktiv an der Ausgrenzung der beiden anderen Söhne und deren Familien beteiligt wären. Die Bedingung einer Person würde so über die Zusammenkunft von vielen ohne deren Mitsprache bestimmen.

Wir raten Ihnen zum Gespräch mit Ihrem Sohn. Wenn es ihm wirklich um die ungestörte Zeit mit Ihnen geht, können Sie diesen Wunsch durch ein anderes exklusives Zeitfenster, etwa ein Frühstück zu viert am 24. Dezember, erfüllen. Dann würden Sie der Einladung zur Ausgrenzung nicht folgen, müssten abends aber tatsächlich auf Ihren Ältesten und seine Frau verzichten. Fakt ist: So wie früher ist es nicht mehr. Ihre große Familie befindet sich in einer neuen Phase, die alle betrifft und somit ein gemeinsames Thema ist. Ihnen alles Gute!

Liebe Leser, haben Sie ähnliche Fragen? Dann schicken Sie diese per Post an RHEINPFALZ am SONNTAG, Beziehungskiste; Ostbahnstraße 12, 76829 Landau oder per E-Mail an ras-beziehungskiste@rheinpfalz.de.

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