Beziehungskiste Beziehungskolumne: Von 0 auf 100

Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.
Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.

Ein Kind will nach dem Lockdown gar nicht so viel unternehmen. Doch das kann auch klug sein.

„Unsere neunjährige Tochter war immer ein kontaktfreudiges, aufgeschlossenes, aktives Kind. Wir haben uns – auch für sie – auf die Öffnungen nach dem Corona-Lockdown gefreut, denn sie hat ihre Freunde sehr vermisst. Jetzt stellen wir fest, dass sie sich verändert hat und gar nicht so viele Aktivitäten möchte. Sie wirkt schüchtern, gar ängstlich. Wie kommt das und was können wir tun?“

In der Pandemie waren soziale Regeln ausgerichtet auf wenig Kontakt und wenn, dann mit Distanz. Für manche Menschen geht die jetzige Öffnung tatsächlich zu schnell, obwohl sich die meisten sehr danach gesehnt haben. Gefühlt von null auf hundert zu gehen, kann auch überfordern. Hinzu kommt bei vielen das Misstrauen und die Sorge vor einer vierten Welle.

Ihre Tochter hört und liest vermutlich genau solche Überlegungen. Vielleicht haben Sie Sorge, dass Ihr Kind seine Kontaktfreude verloren hat und soziale Nachteile hat? Man könnte es aber auch als strategisch kluges Vorgehen sehen, wenn sie die Veränderung vorsichtig und schrittweise angeht. Kompliment an Ihre Tochter. Wir raten Ihnen, ihr Tempo zu akzeptieren und bei Ihren Plänen zu berücksichtigen. Wir verstehen gut, wenn Sie ihr so viel wie möglich bieten wollen. Aber bedenken Sie: Man kann das Versäumte der letzten Zeit nicht in Kürze nachholen. Es kommt jetzt auf die gute Dosierung an. Erklären Sie ihr die Gründe und Regeln der Öffnung genau so ausführlich wie Sie das beim Lockdown getan haben. Das gibt ihr Sicherheit.

Liebe Leser, haben Sie ähnliche Fragen? Dann schicken Sie diese per Post an RHEINPFALZ am SONNTAG, Beziehungskiste; Ostbahnstraße 12, 76829 Landau oder per E-Mail an ras-beziehungskiste@rheinpfalz.de.

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