Beziehungskiste Beziehungskolumne: Virus und Angst

Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.
Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.

Die Corona-Pandemie kann die Gefühlswelt in Unordnung bringen. Eine feste Tagesstruktur hilft.

„In den letzten Monaten kenne ich mich in meiner Gefühlswelt nicht mehr aus. Ich bin eigentlich sehr bodenständig, seit Corona leide ich aber zunehmend unter Angst und Unsicherheit in vielen Situationen, die für mich früher ganz einfach waren. Was ist da los?“

Auf Corona bezogen sind Ihre Gefühle nachvollziehbar. In Krisenzeiten, wie die Welt sie seit fast zwei Jahren erlebt, können sich solche Gefühle auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Was gestern galt, gilt heute nicht mehr, was heute gilt, kann schon morgen überholt sein.

Dass die klare Orientierung fehlt, ist ein Nährboden für starke Krisengefühle. Sie zu spüren, ist eine gesunde Reaktion auf Ereignisse, auf die der Einzelne nur bedingt Einfluss hat, wie jetzt in der vierten Welle. Die Angst hilft Ihnen, vorsichtig zu sein. Ihre Unsicherheit ist erklärbar durch die vielen widersprüchlichen Informationen und die oft nicht nachvollziehbaren Strategien der Politik. Sie müssen Ungewissheit aushalten und akzeptieren, dass Sie manches Wissen erst im Verlauf der Pandemie erwerben.

Machen Sie das, was Ihnen Sicherheit gibt und worauf Sie Einfluss haben. Geben Sie sich eine feste Tagesstruktur, konzentrieren Sie sich auf basale und kreative Tätigkeiten wie kochen, gärtnern, musizieren oder tanzen, und pflegen Sie Ihre Kontakte digital, postal oder im Freien. Alles Gute!

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