Beziehungskiste Beziehungskolumne: Ja-Sager

Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.
Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.

Statt ihre Kinder von einer Heirat abzuhalten, sollten Eltern Energie in die Gestaltung der Lage stecken.

„Unser Sohn, 31 Jahre alt, hat eine Freundin, die er jetzt heiraten will. Wir haben große Bedenken und raten ihm dringend davon ab. Er wird ärgerlich, wenn wir ihn darauf ansprechen. Wir können doch nicht zusehen, wie er in sein Unglück rennt. Was können wir noch tun?“

Sie scheinen sich dafür verantwortlich zu fühlen, Ihren Sohn vor einem aus Ihrer Sicht gravierenden Fehler zu bewahren. Während des Erziehungsprozesses ist das eine angemessene Elternaufgabe. Nun ist er aber ein erwachsener Mann, der alleine seine Entscheidungen verantworten muss.

Durch Ihren Vorsprung an Lebenserfahrung bewerten Sie seine Entscheidung aus einem anderen Blickwinkel als er. Würden Sie jedoch darauf bestehen, ihm mit allen Mitteln die Heirat auszureden, könnten Sie Ihre Beziehung zu ihm gefährden. Da Ihnen sein Lebensglück wichtig ist, sollten Sie mehr Energie in die Gestaltung der neuen Situation investieren. Verabschieden Sie sich von dem Ziel, ihn umzustimmen. Sagen Sie ihm: „Wir haben unsere Bedenken geäußert. Wir hören jetzt damit auf und akzeptieren deine Entscheidung, auch wenn sie uns nicht gefällt. Dir zuliebe nehmen wir deine Frau in unsere Familie auf.“ Bei der Heirat erwachsener Kinder ändert sich das Familiengefüge immer. Jede(r) muss seinen/ihren Platz neu einnehmen. Es ist hilfreich, sich zu erinnern, wie es bei der eigenen Heirat mit den Eltern war.

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