Beziehungskiste Beziehungskolumne: Flügge werden

Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.
Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt.

Wenn ein Kind daheim auszieht, sorgen sich manche Eltern. Umso mehr, wenn es ein Handicap hat.

„Unsere Tochter (19) hat ein Down-Syndrom und arbeitet in einer Einrichtung für behinderte Menschen. Ihre Freunde dort leben in einer betreuten Wohngruppe, wo sie jetzt auch hinwill. Wir haben Bedenken. Sie ist sehr unordentlich, verbreitet Chaos, braucht ständig unsere Hilfe. Was sollen wir tun?“

Ein Kind in die Erwachsenenwelt gehen zu lassen ist immer eine große Herausforderung und Leistung. Die Ablösung ist schwierig, für beide Seiten. Hier umso schwieriger, weil Sie Ihre Tochter natürlich gut kennen und deren Handicaps kennen.

Ihrer Frage können wir entnehmen, dass Sie einem Auszug grundsätzlich positiv gegenüberstehen, jedoch Zweifel haben, ob sie schon die nötige Reife hat, es ohne Sie zu schaffen. Was befürchten Sie, wenn sie dort hingeht? Was genau trauen Sie ihr nicht zu? Andererseits: Welche Fähigkeiten Ihrer Tochter sprechen dafür, dass sie selbstständig lebt? Was kann sie gut?

Ebenfalls wichtig ist die daraus resultierende Veränderung Ihres Lebens. Welche Freiheiten würden Sie erlangen, und was würde Ihnen fehlen? Welche Erleichterung würden Sie spüren, welche Sorgen würden Sie sich machen? Und was würden Sie mit der frei gewordenen Zeit anfangen?

Wir raten Ihnen: Besuchen Sie gemeinsam mit Ihrer Tochter die Wohngruppe, lernen Sie das Konzept kennen und schmieden Sie parallel Pläne für Ihre Zukunft im leeren Nest. Viel Erfolg!

Liebe Leser, haben Sie ähnliche Fragen? Dann schicken Sie diese per Post an RHEINPFALZ am SONNTAG, Beziehungskiste; Ostbahnstraße 12, 76829 Landau oder per E-Mail an ras-beziehungskiste@rheinpfalz.de.

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