Ständiges Nachgeben der Eltern steigert die Forderungen. Sogar bei bereits erwachsenen Kindern.
„Unser Sohn, 36 Jahre, wurde immer von uns gefördert und unterstützt. Nun haben wir ihm erstmals einen finanziellen Wunsch aus guten Gründen abgeschlagen. Seine Reaktion: Er beschimpft uns, straft uns mit Missachtung und macht uns große Vorwürfe. Ist das wirklich so falsch, als Eltern auch mal Nein zu sagen?“
Nein, im Gegenteil. Zum Erwachsensein auf Augenhöhe gehört, dass ein Nein akzeptiert wird ohne respektloses Verhalten, auch wenn einem die Entscheidung nicht gefällt. Ihre Beschreibung verweist eher auf einen Umgang, welcher dem Alter von 12 bis 20 Jahren entspricht, in dem junge Leute die eigene Identität entwickeln und sich von Eltern und Autoritäten abgrenzen. Dazu werden häufig radikale, provokative, respektlose und unfaire Verhaltensweisen eingesetzt.
Das ist für Eltern und andere Erwachsene schwierig und anstrengend, entspricht aber den Entwicklungsaufgaben der Pubertät und geht vorüber. Danach beginnt die Erwachsenwerdung, idealerweise mit dem Lernen von Eigenverantwortlichkeit, Rücksichtnahme, Akzeptanz von Grenzen und respektvollem Umgang miteinander. Ständige Nachgiebigkeit durch Erfüllung aller Wünsche trägt nicht zur Zufriedenheit bei, sondern steigert die Forderungen und somit auch die Unzufriedenheit. Ihr Nein hat also zwei wichtige Funktionen: zum einen, Ihre Grenze mutig aufzuzeigen und zum anderen, den Sohn respektvoll als Erwachsenen zu sehen.
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