Beziehungskiste RHEINPFALZ Plus Artikel Beziehungskolumne über Reden in Zeiten von Corona

Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt. www.ek-institut.de
Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt. www.ek-institut.de

Macht uns Corona sprachlos? Beim Gespräch mit anderen Menschen sind wir ziemlich aus der Übung.

„Im Wartezimmer beim Arzt habe ich überraschend eine Bekannte getroffen. Früher hatten wir einen guten Draht zueinander, aber jetzt kam kein Gespräch zustande, beide waren wir irgendwie gehemmt. Hat auch das etwas mit Corona zu tun? Und wenn ja – geht das nach der Pandemie wieder weg?“

Sie beschreiben ein Phänomen der „coronabedingten Sprachlosigkeit“. Ihnen – und vermutlich vielen anderen – fällt es nach einem Jahr Pandemie und der damit verbundenen sozialen Distanz schwer, die gewohnte Leichtigkeit der Kommunikation bei spontanen Begegnungen zu pflegen. Hinzu kommt, dass viele Menschen derzeit Gespräche möglichst kurz halten, um die Infektionsgefahr zu reduzieren.

Diese gebotene Vorsicht, ein wichtiger Baustein der Corona-Prävention, hat natürlich Auswirkungen auf die Begegnungen und somit auf Beziehungen. Uns allen fehlt ein Stück weit die Übung und damit die frühere Sicherheit im Kontakt mit anderen Menschen. Aber wir möchten Sie beruhigen: Sie sind wahrscheinlich nur aus der Übung und haben es nicht verlernt. Kontaktgestaltung über Sprache ist eine erlernte Grundfertigkeit, die man auch nach Abstinenzzeiten aktivieren kann, ähnlich wie Radfahren oder Schwimmen. Die frühere Sicherheit ist zwar momentan abhanden gekommen, das spüren Sie gerade bei unverhofften Begegnungen, aber mit etwas Übung werden Sie wieder mehr Sicherheit erlangen.

Liebe Leser, haben Sie ähnliche Fragen? Dann schicken Sie diese per Post an RHEINPFALZ am SONNTAG, Beziehungskiste; Ostbahnstraße 12, 76829 Landau oder per E-Mail an ras-beziehungskiste@rheinpfalz.de.

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