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Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt. www.ek-institut.de
Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann praktizieren als systemische Therapeutinnen in Neustadt. www.ek-institut.de

In der Corona-Zeit schultern Frauen viel zusätzliche Familienarbeit. Dürfen Männer sich abgrenzen?

„Im Sommer habe ich meinen Bruder und seine Familie besucht und war entsetzt über deren Corona-Krisenstrategie. Meine Schwägerin trug während des Lockdowns die Hauptlast der Zusatzaufgaben. Sie betreute das Kleinkind und betrieb das Homeschooling zweier Grundschulkinder zusätzlich zur eigenen Berufstätigkeit. Mein Bruder grenzte sich ab. Ich fühlte mich Jahrzehnte zurückversetzt. Was soll man dazu sagen?“

Die Corona-Krise bringt vieles an den Tag, was vorher auch schon da war, aber weniger offenkundig oder anders bewertet wurde. So kann man vermuten, dass Ihre Schwägerin schon vor der Pandemie mehr Zeit und Energie in die Familienarbeit investierte als Ihr Bruder. Hinzu kommt, dass Krisenzeiten tatsächlich zu Regressionen führen können, nicht nur bei Kindern. Unter massivem Stress können Verhaltensmuster auf die Spitze getrieben werden.

Beim Besuch Ihres Bruders haben Sie die in seiner Familie gelebte Realität mit den Unterschieden in der Rollen- und Aufgabenteilung live miterlebt. Was empört Sie mehr? Dass Ihre Schwägerin so viel übernimmt oder dass Ihr Bruder das zulässt? Auf jeden Fall sollten Sie Ihre Beobachtungen ansprechen. Bedenken Sie dabei, dass es häufig an der Anerkennung der weiblichen Care-Arbeit mangelt und an der männlichen Bereitschaft zur gerechten Arbeitsteilung oder zu einem fairen Ausgleich. Überlegen Sie, wie Sie die Leistungen Ihrer Schwägerin anerkennen können und wie Sie mit Ihrem Bruder über seinen Beitrag ins Gespräch kommen. Viel Erfolg!

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