Fußball
Vor 50 Jahren: Das erste Zweitbundesligaspiel des FK Pirmasens
Vor 50 Jahren ging die Zweite Fußball-Bundesliga in ihre erste Saison. Sie löste die Regionalligen als zweithöchste Spielklasse ab. Aus dem Südwesten qualifizierte sich unter anderem der FK Pirmasens, der 1966 als Regionalligameister sowie 1964, 1970 und 1971 jeweils als Vizemeister die Bundesliga-Aufstiegsrunden erreicht hatte, dort aber stets (mehr oder weniger knapp) scheiterte. Am 3. August 1974 bestritt der FKP seine erste Partie in der neuen Zweiten Liga, die in eine Nord- und eine Süd-Staffel unterteilt war. Ein 1:1 erreichte„die Klub“ bei der Spielvereinigung Fürth. Es folgten sechs Siege in den kommenden sieben Partien (gegen Bayreuth, Homburg, Augsburg und Mainz sowie in Worms und bei den Stuttgarter Kickers). Der FKP war in der Spitzengruppe – und blieb es.
„Immer volle Pulle nach vorne“
„Damit hatte doch keiner gerechnet“, sagt der Münchweilerer Harry Ehrhart, der in jener Saison 15 Tore erzielte, heute zum Abschneiden seiner Mannschaft. Am Ende wurde Pirmasens in dem 20er-Feld mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Meister, den Karlsruher SC, Zweiter und qualifizierte sich damit für die Aufstiegsspiele gegen den Vizemeister des Nordens, Bayer Uerdingen.
Der heute 71-jährige Ehrhart schwärmt von der Offensivstärke der Pirmasenser Halbprofis – er selbst arbeitete halbtags als Industriekaufmann im Schuhunternehmen des FKP-Präsidenten Gustav Käfer – im Jahr 1974/75: „Trainer Bernd Hoss hat immer volle Pulle nach vorne spielen lassen. Wir hatten immer drei Spitzen. Raimund Krauth war der Linksaußen, Alfred Seiler der Rechtsaußen, ich der Mittelstürmer und dahinter war Dieter Weinkauff der Zehner.“ Bei den Heimspielen habe „eine Mordsstimmung“ geherrscht. Jeweils 16.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion an der Zweibrücker Straße trieben den FKP zu Heimsiegen gegen den KSC und den 1. FC Saarbrücken (mit Felix Magath). „Die Leute haben uns gepusht. Es war eine super Zeit, mit die beste meiner Karriere“, erzählt Ehrhart, der drei Jahre später auch mit Arminia Bielefeld Zweitliga-Vizemeister wurde.
0:6 gegen Friedhelm Funkel & Co.
Doch sowohl mit Pirmasens als auch mit Bielefeld, wo der spätere Nationalkeeper Uli Stein im Tor stand und der legendäre Karl-Heinz Feldkamp sein Trainer war, schaffte der Stürmer von der Rodalb nicht den Aufstieg in Liga eins. „Das Hinspiel gegen Uerdingen müssen wir eigentlich 5:1 gewinnen, spielen aber nach 4:2-Führung 4:4, weil wir einen Elfmeter verschossen haben und unser Torhüter Klaus Pudelko ganz früh verletzt raus musste“, erinnert sich Ehrhart. Und im Rückspiel bei den Krefeldern (mit Friedhelm Funkel) erlebten die Pfälzer dann vor 21.000 Zuschauern in der Grotenburg ein 0:6-Debakel. Ehrhart: „Da wollten wir ausnahmsweise mal defensiv spielen. Das ging in die Hosen.“
Drei Jahre später gewann er mit Bielefeld das Hinspiel gegen 1860 München mit 4:0, stand bereits mit mehr als einem Bein in der Bundesliga, doch die Arminia verlor in München mit 0:4 und traf dann auch im Entscheidungsspiel nicht mehr ins Tor (0:2). Dass sich der Vizemeister des Südens durchsetzte, hatte zur Folge, dass der FKP 1977 nicht aus der Zweiten Bundesliga Süd abstieg. Der finanziell schwer angeschlagene Verein musste dann aber ein Jahr später mit einer Not-Mannschaft in die Oberliga runter – und verabschiedete sich mutmaßlich für immer von der Zweiten Bundesliga.
Hitzespiel auf Kunstrasen in Engers
Aktuell geht der FKP in seine dritte Saison in der nunmehr fünftklassigen Oberliga nach dem Regionalliga-Abstieg 2022. Zum Team zählt Marc Ehrhart, der Sohn von Harry Ehrhart. Der Offensivspieler verpasste einen Teil der Saisonvorbereitung verletzungsbedingt, trainiert aber seit Montag wieder voll mit und steht daher fürs erste Saisonspiel am Samstag (15.30 Uhr) beim FV Engers zur Verfügung. Luca Eichhorn fällt dagegen verletzt aus. Es ist das erste Pflichtspiel unter dem neuen Trainer Daniel Paulus. „In Engers im Sommer auf Kunstrasen – das ist immer ein heißes Pflaster“, weiß Paulus. Sein Trainerkollege Sascha Watzlawik, seit 2015 im Amt, habe eine „körperlich starke, die Zweikämpfe suchende, emotionale Mannschaft“. Paulus: „Wir sind darauf aber vorbereitet.“ Der FKP absolvierte eigens diese Woche zwei Trainingseinheiten auf dem künstlichen Grün im Sportpark Husterhöhe.
Das Verbandspokal-Drittrundenspiel beim SC Hauenstein wird nun endgültig am kommenden Mittwoch, 19 Uhr, angepfiffen. Ob es dabei bleibt, dass der FKP nur zwei Tage später im Framas-Stadion gegen Viktoria Herxheim (Freitag, 19.30 Uhr) um Oberliga-Punkte spielt, ist noch offen. „Wir sind in Kontakt mit dem Oberliga-Spielleiter“, informiert Paulus. Die Pirmasenser waren bei der Terminierung des Herxheim-Matchs irrtümlicherweise davon ausgegangen, dass sie als Oberligist wie in den Vorjahren erst in Runde vier in den Pokalwettbewerb einsteigen.
Stolzer Papa
Zurück zu den Ehrharts: Vater Harry war „natürlich stolz“, als sein Sohn Anfang Juli im Freundschaftsspiel gegen die FCK-Profis (1:2) den Ausgleich erzielte. Ein Ehrhart-Tor vor fast 5000 Zuschauern – das erinnert doch zumindest ein wenig an die großen Zeiten vor 50 Jahren.