1. FC Kaiserslautern
Was FCK-Coach Markus Anfang mit dem Drei-Säulen-Prinzip meint
Markus Anfang ging bei seiner Premiere in die Verlängerung. Der Trainer des 1. FC Kaiserslautern blieb nach der Pressekonferenz zum Auftaktspiel des FCK beim SSV Ulm (Sonntag, 13.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de) noch auf dem Podium sitzen. Anfang plauderte mit den Journalisten noch etwas.
Der 50 Jahre alte Anfang ist ein kommunikativer, freundlicher und zuvorkommender Mensch. Er lacht gerne. Das zeigen seine Grübchen. Anfang wirkt bislang entspannt. Vor dem ersten Saisonspiel zur neuen Spielzeit 2024/25 der Zweiten Fußball-Bundesliga bei Aufsteiger Ulm ist er – äußerlich gesehen – gelassen.
Der FCK-Trainer geht zuversichtlich in die neue Saison. Seit Mitte Juni ist die Mannschaft im Training. Anfang hat von Beginn an aufs Tempo gedrückt und seine Linie konsequent durchgezogen. Seine bevorzugte Spielweise mit viel Ballbesitz, eigenständigen Systemwechsel der Mannschaft während der Partie war herausfordernd für die Spieler. Mittelfeldmann Philipp Klement sagt, dass ihm der Kopf manchmal rauche. Die Mannschaft aber verinnerlicht rasch die Philosophie des neuen Trainers. Acht Siege in acht Testspielen zeigen, dass das Team verstanden hat, was der Coach fordert und wie er es will.
Mutig, ohne Angst und mit Köpfchen
Jeder neue Trainer hat seine Handschrift und legt Wert auf bestimmte Prinzipien. Markus Anfang spricht von drei Säulen, auf die er achtet. So erwartet er von seiner Mannschaft, dass sie mutig spielt, die Ordnung im Spiel behält, gegen alle Widerstände angeht und keine Angst hat, auf dem Platz Fehler zu machen. „Nur einen Fehler dürfen die Spieler nicht machen, den Unterlassungsfehler“, sagt Anfang: „Wenn sie keinen Fehler machen, kann ich ihnen nicht helfen. Sie sollen nicht auf den Platz gehen mit dem Gedanken, keinen Fehler zu machen und sich deswegen verstecken. Das dulden wir nicht.“
Deshalb ermutigen Anfang und sein Assistent Florian Junge die Spieler in den Übungseinheiten immer wieder. Sie unterbrechen auch mal das Training, um eben zu helfen, passiert mal ein Fehler. Die hohe Intensität im Training, der Konkurrenzkampf fordert und fördert die Profis. Er steigert das Niveau. Die Stimmung ist trotz der großen Belastung gelöst und gut. Boris Tomiak sagt vor wenigen Tagen sogar, dass sie sehr gut sei. „Es ist wichtig, dass die Jungs lachen, Spaß im Training haben. Sie können auch über mich lachen“, sagt Anfang: „Aber wenn es um die Sache oder Inhalte geht, erwarte ich Konzentration und Ernsthaftigkeit. Ich muss als Coach manchmal auch laut werden, aber nur dann, um zeigen, worauf es ankommt.“ Die gelöste Atmosphäre trübt das nicht.
„Werden Piet nie vergessen“
In Schockstarre fallen Team und der FCK dann vor etwas mehr als 14 Tagen. Im Trainingslager in Mals (Südtirol) verunglückt der so beliebte und geschätzte Zeugwart Peter Miethe bei einem Radausflug tödlich. Vergangenen Dienstag wurde Miethe beerdigt. Die Spieler haben auf ihre persönliche Weise diesen Verlust verarbeitet, sagt Anfang im FCK-Interview: „Es war eine schwere Zeit. Wir haben uns alle unterstützt. Die Beerdigung war sehr angebracht. So hart es klingt, müssen wir jetzt wieder zur Tagesordnung übergehen und nach vorne schauen. Wir müssen wieder versuchen, zur Normalität kommen. Vielleicht hilft der Alltag ein Stück. Was aber nicht heißt, dass wir Piet vergessen werden, denn vergessen können wir diesen Menschen niemals.“
Die Mannschaft rappelt sich auf und knüpft in der Vorbereitung da an, wo sie in Mals aufgehört hat – Vollgas geben.
Personalsorgen vor Ulm-Spiel
Das stimmt Anfang zuversichtlich. Da bringen ihn die Personalsorgen vor der Partie am Sonntag in Ulm nicht aus der Ruhe. Almamy Touré (drei Spiele Sperre nach der Roten Karte), Hendrick Zuck (Aufbautraining nach Kreuzbandriss), Frank Ronstadt (Kniebeschwerden), Kenny Prince Redondo (Probleme mit dem großen Zeh) und Ragnar Ache (Aufbautraining nach Achillessehnenproblemen) werden fehlen. Anfang verrät nicht, wer für Ronstadt spielen wird: Jean Zimmer oder die Neuverpflichtung Jan Gyamerah gar? Die Mannschaft erfährt etwa 80 Minuten vor Spielanpfiff, wer in der Startelf steht. Das Trainerteam schreibt die Namen in der Kabine auf ein Flipchart, sagt Anfang.
Ein Saisonziel gibt Anfang öffentlich nicht preis. Er sagt, dass sich die Mannschaft weiterentwickeln solle. Er wisse, dass Profisport ergebnisorientiert sei. Aber am Ende ist die Erwartungshaltung der Mannschaft, der Fans und des Trainers die gleiche. „Alle wollen gewinnen“, sagt Anfang: „Ich gehe in ein Spiel, um zu gewinnen und nicht mit dem Gedanken, es nicht verlieren zu wollen. Ich bin sehr ehrgeizig und hasse es, zu verlieren.“
