1. FC Kaiserslautern
Warum Boris Tomiak derzeit leidet – und auf was er sich freut
Öffentlich zumindest ist nicht bekannt, welches Verhältnis Boris Tomiak zu dem am Donnerstag dieser Woche entlassenen Dirk Schuster pflegte. Um in der Magengrube des 25-jährigen Defensivspielers ein mieses Gefühl zu provozieren, hat es den Rauswurf des Cheftrainers nicht gebraucht, so viel ist sicher.
In der Heimpartie gegen die SpVgg Greuther Fürth (0:2) hatte Tomiak aufgrund einer Tätlichkeit die Rote Karte quittiert und war dafür mit einer Sperre von drei Spielen belegt worden. Zuschauen zu müssen, ist übel genug. Dies in einer Phase zu tun, in der die Teamkollegen von einer Niederlage in die nächste gleiten und deutlich erkennbar im Krisenmorast stecken, exponiert die Pein noch einmal. „Für mich gibt es nichts Schlimmeres, das schmerzt extrem“, sagt Tomiak.
Dirk Schuster hat ihn vermisst
Der gebürtige Essener verbüßt schon die zweite persönliche Strafe in dieser Saison. Beim 0:3 auf Schalke am zweiten Spieltag war er mit dem gelb-roten Karton des Feldes verwiesen worden. Auch ohne ihn wendete der 1. FC Kaiserslautern einen Spieltag später einen 0:2-Rückstand gegen die SV Elversberg in einen 3:2-Erfolg, es folgten Wochen der Euphorie. Zwischenzeitlich belegten die Roten Teufel sogar Platz eins, wenn auch nur für eine Nacht. Der Trend hat sich längst umgekehrt. Aus den zurückliegenden fünf Begegnungen verbuchte der FCK einen Zähler. Im Klassement ist er auf Platz elf abgeglitten.
Der gescheiterte Dirk Schuster hätte einem Profi seines Zweitliga-Kaders niemals die Tauglichkeit für Liga zwei abgesprochen. Nach dem auch für ihn so verhängnisvollen 0:3 gegen Kiel am vorigen Sonntag allerdings konnte man zwischen den Worten seiner Analyse klar heraushören, dass er zwei Spieler schmerzlich vermisst: neben dem seit dem 3:4 in Düsseldorf verletzt ausfallenden Sturmklotz Ragnar Ache eben Tomiak als stabilisierenden Faktor.
Innenverteidigung oder Sechserposition?
Im letzten Heimspiel das Jahres gegen Hertha BSC am Samstag in acht Tagen wird Boris Tomiak mitwirken, so viel scheint gewiss – unabhängig davon, wer dann die Mannschaft rekrutieren und einstellen wird. Auch für das Pokalachtelfinale gegen den 1. FC Nürnberg am Dienstag dürfte Tomiak gesetzt sein. Doch in welcher Rolle? Als Innenverteidiger? Als zentraler defensiver Mittelfeldspieler? Tomiak selbst hat keine Vorlieben und „darauf keine Antwort“. Er zeigt sich „nur froh“, dass er der Mannschaft auf mehreren Positionen helfen kann. Ex-Trainer Schuster schien ihn eher auf der Sechserposition zu verorten. Dies ist nun obsolet.
28 Gegentreffer hat der 1. FC Kaiserslautern in seinen 14 Zweitligapartien in dieser Runde hinnehmen müssen, „offensichtlich zu viele“, wie Tomiak als derzeit Außenstehender bestätigen muss. Im Spiel am Samstagabend beim zwei Punkte schlechteren, aber zuletzt in Osnabrück wieder einmal siegreichen 1. FC Magdeburg (20.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de, Sport1, Sky) muss Tomiak letztmals pausieren. Dabei wäre ein „Aggressive Leader“ wie er auch und gerade dort so dringend erforderlich.
Julian Niehues steckt seit Wochen in einem Formtief, Afeez Aremu wird nach einer Zwangspause seit dem 8. September in diese Rolle wohl noch nicht schlüpfen können. Er trainiert zwar wieder mit der Mannschaft, hat nach solch einer langen Zeit der Rekonvaleszenz aber längst noch nicht die nötige Wettkampfhärte.
Ein besonderes Ereignis im März
Das gilt im Übrigen auch für Ragnar Ache, den mit sechs Toren noch immer treffsichersten Schützen der Roten Teufel, dem Marlon Ritter und Tomiak mit jeweils vier „Buden“ folgen. Der 25-jährige Ache trainiert fleißig mit der Mannschaft, aber noch nicht bei allen Übungsformen. Die Partie in Sachsen-Anhalt wird auch für ihn zu früh kommen.
Der FCK steht unter Druck. Tomiak wird daheim auf der Couch zittern und mitfiebern. Sollte all die Aufregung fern des Geschehens zu sehr an seinem Nervenkostüm zerren, kann er sich einen Gedanken stets ins Gedächtnis rufen: Voraussichtlich im März wird er erstmals Vater. Die Vorfreude darauf dürfte vermutlich noch etwas größer sein als jene auf den nächsten Pflichtspieleinsatz.
