1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Jean Zimmer: Der Kapitän und seine Tupperbox

Jean Zimmer (links) steht sinnbildlich für die Tugenden des FCK: Kampf.
Jean Zimmer (links) steht sinnbildlich für die Tugenden des FCK: Kampf.

Jean Zimmer ist Kapitän des 1. FC Kaiserslautern und füllt diese Rolle gekonnt aus. Ob er das auch in der kommenden Saison tut, ist offen.

Ab und an taucht Jean Zimmer in der Nähe seines Wohnortes beim Italiener auf und holt seine Bestellungen ab. Für seine Frau gibt es dann die Pizza Elisa, für ihn Salat. Die beiden Kinder sind noch zu jung, um italienische Leibgerichte zu verspeisen. Für den 29 Jahre alten Kapitän des 1. FC Kaiserslautern ist die Essensauswahl stark eingeschränkt. Wegen einer Krankheit muss Zimmer einen strikten Ernährungsplan einhalten. Der geht so weit, dass er sich spezielle Nudeln aus den USA bestellen muss.

Jean Zimmer hat gelernt damit umzugehen. Er fährt schon mal mit Tupperboxen auf Auswärtsfahrten. Früher spielte der Körper, das Gleichgewicht zwischen Kopf und Körper eine untergeordnete Rolle. Zimmer stellte den Fußball klar an oberste Stelle. „Durch die Krankheit lernte ich Demut“, sagt er. Er lernte außerdem, auf sein Kapital zu hören. Denn das ist sein Körper. Zimmer geht mittlerweile routiniert mit der Krankheit und den Folgen um. Er muss. Ihm bleibt keine andere Wahl. Vorige Drittliga-Saison hatte er extrem zu kämpfen mit der Gesundheit und musste viele Spiele aussetzen. Doch seit dieser Zweitliga-Runde ist er wieder voll dabei. 28 von 30 möglichen Spiele absolvierte der aus Bad Dürkheim stammende Zimmer. Einmal fehlte er wegen der fünften Gelben Karte, das andere Mal war er im Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Seine Bilanz zeigt, dass Zimmer eine feste Größe beim FCK ist. Vielmehr ist er eine Identifikationsfigur, trug von der Regional- bis in die Zweite Liga das FCK-Jersey. Zimmer steht wie kein anderer Akteur für die Lauterer Tugend: Kampf. Er ackert, rackert, quält sich. Beim 2:0-Sieg gegen den Hamburger SV bereitete er das 1:0 durch Terrence Boyd vor. Wenig später humpelte Zimmer von Krämpfen geplagt über den Platz.

Zimmer: Sinnbild für FCK-Tugend

Genauso einen Spieler braucht der FCK. Zimmer treibt mit seiner Art seine Mitspieler an. „Ich helfe mit meinen Grätschen, meinem Verteidigen und meiner Zweikampfstärke der Mannschaft“, sagt er. Auch deshalb verpflichtete der FCK im Januar 2021 Jean Zimmer. Er kam damals von Fortuna Düsseldorf. Der Kontrakt scheint jedenfalls längerfristig datiert zu sein, wie Zimmer kürzlich verriet. Er sagt nur: „Den Weg, den wir bislang gegangen sind, kann sich sehr gut sehen lassen.“ Mit wir meint Zimmer, den FCK und ihn. Die Roten Teufel sind sein Herzensklub. Schon als Knirps durfte er mit Mario Basler als Einlaufkind ins Stadion auf den Rasen. 2016 aber wechselte er zum VfB Stuttgart. Er musste vielmehr. Die zwei Millionen Euro Ablösesumme konnte der FCK gut gebrauchen. Außerdem war das Verhältnis zwischen Zimmer und dem damaligen Coach Konrad Fünfstück angespannt. Unter Tränen verließ Zimmer den FCK.

Jean Zimmer (links), ist nicht nur Kapitän des FCK. Er agierte beim 2:1-Sieg in Düsseldorf auch als Schlichter.
Jean Zimmer (links), ist nicht nur Kapitän des FCK. Er agierte beim 2:1-Sieg in Düsseldorf auch als Schlichter.

Seit Zimmer wieder beim FCK ist, gab es sportlich gesehen keinen Grund, Tränen der Enttäuschung, des Schmerzes zu vergießen. Höchstens Freudentränen. Aber die kullerten nach dem Aufstieg auch nicht. Seit Februar 2021 ist er Kapitän. Er ist im Team anerkannt. Zimmer ist für Späße immer zu haben. „Für mich wäre es eine Ehre, wenn ich auch kommende Saison die Mannschaft als Kapitän führen dürfte“, sagt er. Diese Entscheidung liegt nicht in seiner Hand. Dirk Schuster wird dies bestimmen. Am Sonntag (13.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de) wird Zimmer den FCK im Traditionsduell beim 1. FC Nürnberg als Kapitän antreiben.

Mittelfristig mit dem FCK in die Bundesliga

Wenn schon sportliche keine Freudentränen kullerten, dann privat – als die Kinder geboren wurden. Das zweite Töchterchen kam Ende Januar zur Welt. Wenig später ließ sich Jean Zimmer wieder tätowieren – und zwar eine zweite Uhr. „Für jede Tochter habe ich mir eine Uhr mit der Geburtszeit auf den Arm tätowieren lassen“, sagt er. Die Zeiger lugen unter dem Trikotärmel hervor. Es sind jedoch nicht die einzigen Tattoos, die sich Zimmer hat stechen lassen. „Ich habe meine beiden jüngeren Schwestern und enge Freunde, mit denen ich etwas zusammenerlebt habe, verewigt“, erzählt Zimmer.

Platz für weitere Tätowierungen ist noch auf seinem Körper. Innerhalb der kommenden fünf Jahre will Zimmer mit dem FCK in die Bundesliga aufsteigen. Es sei erstrebenswert, den Verein wieder zu festigen und eine solide Basis zu schaffen, auch um zu vermeiden, nach einem Aufstieg direkt wieder abzustürzen und zu einer Fahrstuhlmannschaft zu werden, betont Zimmer.

Gelingt der Plan, wird er sich eventuell das Datum der Rückkehr in die Beletage stechen lassen.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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