1. FC Kaiserslautern
Fritz Fuchs: „Ziel des FCK muss der Aufstieg sein“
Herr Fuchs, sie sind seit 71 Jahren FCK-Mitglied, kennen den Verein sehr gut, saßen im Aufsichtsrat, spielten für Kaiserslautern. Sie sind dafür bekannt, dass Sie ihre Meinung geradeheraus sagen. Demnach dürften Sie jetzt nicht viel zu meckern haben, oder?
Nein. Der FCK muss um den Aufstieg mitspielen. Es gibt keine stärkere Mannschaft als den FCK. Ich kenne die Zweite Bundesliga gut.
Auch nicht Düsseldorf, Schalke 04 oder der HSV?
Nein. Der HSV verliert in Elversberg oder in Osnabrück. Schalke verliert auch leichte Spiele. Hertha BSC schwächelt. Düsseldorf sehe ich auch nicht stärker als den FCK.
Also zählen Sie den FCK zu den Aufstiegsanwärtern?
Der FCK hat einen Kader, der aufstiegsfähig ist. Daher muss das Ziel der Aufstieg sein. Außerdem haben wir beim FCK die beste Ersatzbank in der Zweiten Bundesliga.
Birgt so eine starke Ersatzbank auch Konfliktpotenzial?
Sicherlich, aber das ist die Aufgabe des Trainerteams. Sie haben ein klares Ziel vorzugeben, und jeder hat sich nach diesem Ziel zu richten. Ich habe das doch selbst erlebt. Ich bin mit mehreren Mannschaften aufgestiegen. Ich haben meinen Spielern immer gesagt, dass ich für sie immer ansprechbar bin, wenn sie unzufrieden sind. Es war für mich wichtig, den Spielern zu vermitteln, dass ich zwischen Spielerstatus und Mensch unterscheiden kann. Wer auf der Bank saß, war keineswegs abgeschrieben. Ich erklärte den Spielern, warum sie nicht spielten. Ich redete viel mit ihnen, erklärte ihnen, dass ich sie als Mensch respektiere und akzeptiere, aber hier ging es um den Fußball. Ich habe als Trainer eine große Verantwortung und erkläre den Spielern, warum ich anderer Meinung bin als sie. Wichtig ist, dem Spieler das Gefühl zu geben, dass er gebraucht wird und dass er seine Chance nutzen soll, wenn er spielt.
Ist der FCK für einen Aufstieg gerüstet?
Natürlich.
Auch außerhalb des sportlichen Bereichs?
Das ist für mich jetzt schwer zu beurteilen, da ich die interne Personalausstattung nicht im Detail kenne. Ich weiß nicht, wo noch Personal gebraucht wird. Ich kann nur das Sportliche bewerten. Und da sehe ich, dass der FCK einen Punkt hinter der Tabellenspitze liegt und einen erstklassigen Kader zusammengestellt hat. Da kann ich doch nicht sagen, dass ich mich mit 40 Punkten zufrieden gebe.
Also sollte der FCK Ihrer Ansicht nach das Saisonziel ändern?
Wenn ich den Spielern vorgebe, wir schauen mal, wie weit wir kommen, dann verinnerlichen die doch diese Maxime. Ich muss sagen: ,Männer, unser Ziel ist der Aufstieg.’ Eine klare Ansage wie es Felix Magath immer getan hat.
War es also ein Fehler zu sagen, wir wollen schnell die 40 Punkte holen?
Damit gebe ich den Spielern doch ein Alibi. Als wir in Homburg zu meiner Trainerzeit vorne mitmischten, dann habe ich intern gesagt: ,So, jetzt wollen wir aufsteigen.“ Nach außen hin aber habe ich das nicht gesagt. Ich habe als Trainer doch die Stärken meiner Mannschaft gekannt und konnte es beurteilen, ob wir Aufstiegschancen hatten oder nicht.
Sprich: Sie sind mit der Transferpolitik von Geschäftsführer Thomas Hengen und seinem Assistenten Enis Hajri zufrieden?
Ja, absolut. Die Mischung macht es. Bislang hatten wir nur sogenannte fertige Spieler geholt. Manche von denen waren wahrhaftig regelrecht fertig. Nun hat der FCK junge und vielversprechende Spieler verpflichtet. Die können eventuell später gewinnbringend verkauft werden. Die jungen Spieler sind noch nicht an ihrem Limit.
Also ist es durchaus wahrscheinlich, dass ein anderer Verein einen jungen Spieler aus dem Vertrag kauft, sollte die Leistung weiter so gut sein?
Ja, dann ist es nun einmal so. Wenn ein großer Verein kommt und bereit ist, viel Geld für den Spieler zu zahlen, dann ist das eine erfolgversprechende Geschichte.
Muss der FCK aufsteigen oder könnte er auch eine gewisse Zeit mit dieser sicherlich nicht gerade günstigen Mannschaft in der Zweiten Liga spielen?
Muss ist nicht zwingend der Fall. Ich muss mit dieser Mannschaft aber um den Aufstieg spielen, um dann in den kommenden zwei bis drei Jahren aufzusteigen. Ein Aufstieg ist nicht programmierbar. Ich denke da nur an den HSV. Aber wir haben beim FCK die besten Voraussetzungen. Das Stadion ist fast immer voll. Das bringt Mehreinnahmen. Es ist ruhig im Umfeld. Es wird gut gearbeitet. Ich persönlich finde, dass wir bessere Voraussetzungen haben als Düsseldorf.
Inwiefern?
Wir haben das bessere Fanaufkommen, den besseren Kader und sind in der Breite besser aufgestellt. Die Ersatzbank des FCK ist eine gute Zweitligamannschaft. Wenn das Trainerteam jemanden einwechselt, dann gibt es keinen Qualitätsverlust. Im Gegenteil: Bei manchen Positionen ist der FCK danach stärker. Jedenfalls ist der FCK nun viel variabler. Das macht ihn so stark und unberechenbar. Außerdem ist Torwart Julian Krahl eine richtige Stütze geworden. Er hat in vielen Spielen den Rückstand verhindert. Und da ist noch Luft nach oben.
Der FCK ist ein Aus- und Weiterbildungsverein. Ist der Klub da im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) auf dem richtigen Weg?
Ich bin ja oft vor Ort. Was mich nachdenklich stimmt, ist, dass ich vom Aufsichtsrat niemanden im NLZ sehe. Es wurde vieles gekürzt. Aber das ist doch die Zukunft des FCK. Das gehört zum Verein und nicht zur KG, aber es wird sehr vernachlässigt. Wenn Stefan Motzenbäcker nicht den Förderverein gegründet hätte, würde es noch schlimmer dort aussehen. Mit dem Förderverein wurde viel bewegt. Das NLZ war immer eine nachhaltige Geschichte. Es wurden immer wieder Spieler verkauft. Aber dort sind nun einmal keine Mikrofone und keine Kameras, daher lassen sich gewisse Personen nicht dort blicken.
Zur Person
Fritz Fuchs (79) ist in Kaiserslautern geboren worden. Er spielte für den SV Alsenborn, für den FCK (168 Spiele) sowie für Hassia Bingen. Fuchs hat eine große Trainervita. Die erfolgreichste Trainerzeit war in den 1980er und 1990er Jahren. Mit dem FC Homburg stieg Fuchs 1986 in die Bundesliga auf. 2008 wurde Fuchs zum Teammanager Mannschaft und Sport beim FCK. Drei Monate später trat er von diesem Amt zurück. 2017 wurde Fuchs als zweiter Nachrücker für den Aufsichtsrat gewählt. Im Oktober 2019 rückte er in das Gremium. 2021 wurde er dann direkt in den Aufsichtsrat gewählt. Im Mai 2022 trat er aus Protest um die Freistellung von Marco Antwerpen zurück.
