1. FC Kaiserslautern
FCK-Verteidiger Jan Elvedi über die Routine von Trainerwechseln und Abstiegskampf
Nein, eine Routine könne man als Spieler nicht für Trainerwechsel entwickeln. Jan Elvedi hat eine klare Meinung zu den Vorkommnissen der vergangenen Tage, so wie er auf dem Feld in den allermeisten Situationen mit Klarheit agiert. „Daran gewöhnt man sich nicht, aber es gehört dazu. Wenn die Resultate nicht kommen, muss meist der Trainer dran glauben“, sagt der Innenverteidiger des 1. FC Kaiserslautern. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen muss sich der Profi des Zweitligisten an einen neuen Chef gewöhnen. Anfang Dezember kam Dimitrios Grammozis, der nun von Friedhelm Funkel abgelöst wurde. Bei den Roten Teufeln war viel los und aus Sicht von Elvedi hat das viel mit seinen Kollegen und ihm selbst zu tun. „Wir tragen alle Verantwortung dafür“, erklärt er. Der FCK befindet sich im Kampf ums Überleben, der Abstieg droht – und entsprechend aufgeregt ist das Umfeld des Klubs.
Schon wieder unten drin
Als sich Elvedi im vergangenen Sommer dazu entschloss, künftig im Trikot der Roten Teufel zu spielen, waren die Erwartungen andere als die Gegenwart im Februar 2024. Der Blick des Klubs war schließlich eher auf die obere Tabellenhälfte gerichtet, die Wünsche von Elvedi ebenso. Nun aber befindet sich der Schweizer in einer ganz ähnlichen Lage wie vor einem Jahr. Mit Jahn Regensburg stand Elvedi in der vergangenen Spielzeit ebenso tief im Tabellenkeller der Zweiten Liga wie jetzt mit dem FCK. Letztlich schaffte der Jahn den Ligaverbleib nicht. Diesmal soll es anders enden.
Ohnehin sei jetzt nicht alles genauso wie vor einem Jahr, findet Elvedi. „Es ist eine andere Hausnummer, ob es um Kaiserslautern oder Regensburg geht. Diese Größe des Vereins“, sagt Elvedi. In der Pfalz entwickelt der FCK eine andere Wucht als es der Jahn in der Oberpfalz vermag. Der Verteidiger hat diesen Unterschied längst kennengelernt, zuletzt am Samstag vor einer Woche. Im Duell gegen den SC Paderborn waren die Lauterer nach dem frühen Kopfballtreffer von Elvedi zunächst beflügelt von den Fans auf dem Betzenberg, ehe sie nach dem Seitenwechsel gelähmt wirkten, als zunächst die eigene Leistung nachließ und dadurch das Murren den Anhänger größer und spürbar wurde. Gefühlt geht es um mehr, wenn der FCK spielt, auch wenn die Anzahl der Punkte, die für einen Sieg vergeben werden, in Kaiserslautern, in Regensburg oder anderswo gleich ist.
Jetzt kommen Big Points
Deswegen gibt es Parallelen zum Abstiegskampf mit dem Jahn und mit den Roten Teufeln. „Der sportliche Druck ist vergleichbar. Je näher das Saisonende kommt, desto größer wird der Druck, wenn du unten drinhängst“, sagt Elvedi. Die Lösung ist naheliegend, aber nicht einfach: Viele Punkte sammeln, um dem unteren Drittel der Tabelle zu entfliehen. Die Chance dazu dürfte in den kommenden Wochen gut sein, nicht nur wegen eines möglichen Effektes durch den neuen Trainer Friedhelm Funkel. Die Kontrahenten heißen Nürnberg, Karlsruhe, Rostock und Osnabrück, allesamt Team, die den Blick nach unten richten. „Die nächsten Spiele sind Big points“, sagt Elvedi: „Da müssen wir punkten.“ Siege sind das Ziel, die Vorgabe darüber hinaus lautet: zumindest nicht verlieren.
Wie das gelingen soll, umschreibt der Mann mit Stärken in der Defensive so: „Wir müssen den Fight annehmen, wir müssen mit Überzeugung und Selbstvertrauen spielen.“ In den Übungseinheiten vor der Partie beim 1. FC Nürnberg am Sonntag soll das Selbstvertrauen durch intensive Arbeit einsteigen. Zudem hoffen die Lauterer darauf, dass der neue Trainer in der Lage ist, einer zuletzt verunsicherten Mannschaft die Überzeugung zu vermitteln, bei den „Clubberern“ gewinnen zu können.
Eine stabile Abwehrleistung könnte dabei helfen. Sollte der größte Wunsch in Erfüllung gehen, wäre zumindest gewährleistet, nicht als Verlierer vom Feld gehen zu müssen. Erstmals in der laufenden Zweitligasaison wollen die Roten Teufel ohne Gegentreffer bleiben, erstmals könnte Elvedi ohne Negativerlebnis zum Duschen gehen. „Die Spieler müssen konzentriert sein“, fordert Funkel, der Trainer-Veteran. Der 70-Jährige dürfte in seinem ersten Spiel auf Elvedi bauen, schließlich ist der Schweizer der einzige Feldspieler beim FCK, der bislang jede Sekunde in der Liga spielte. Er ist eine Konstante bei den Roten Teufeln, wenngleich es auch ihm nicht gelang, konstant ohne Fehler zu agieren.
In Nürnberg gefordert
Elvedi geht nicht gelassen mit der aktuellen und prekären Situation um, aber er benennt einen Grund für Optimismus. „In Regensburg, da muss man ehrlich sein, hat uns ein bisschen Qualität gefehlt. Hier ist es eher eine mentale Sache, und ich sehe nicht die Gefahr, dass wir es mental nicht hinbekommen“, erklärt der Verteidiger. Den Beweis können seine Kollegen und er am Sonntag (13.30 Uhr, Liveblog bei rheinpfalz.de) beim 1. FC Nürnberg antreten. Seit Samstagnachmittag und dem Punktgewinn von Hansa Rostock ist der FCK auf einen direkten Abstiegsplatz abgerutscht.
