1. FC Kaiserslautern
FCK-Urgestein Jean Zimmer und sein Umgang mit der neuen Rolle: Szenen wie im Werbefilmchen
Am Dienstag wehte nicht einmal ein Hauch negativer Stimmung über den Trainingsplatz am Fröhnerhof. Der Kapitän des 1. FC Kaiserslautern und sein Vorgänger saßen vor dem Trainingsstart lange einträchtig nebeneinander und plauderten entspannt mit ihrem Chef. Markus Anfang stand vor einem Bänkchen, auf dem Marlon Ritter und Jean Zimmer saßen – und das Trio überbrückte ein paar Minuten, ehe die Übungseinheit begann. Die Situation wirkte wie ein Werbefilmchen für die rund 200 Zuschauenden, alles perfekt orchestriert. Es gab allerdings keine Hinweise darauf, dass dieses Setting herbeigeführt wurde, um eine gute Atmosphäre vorzugaukeln. Die Gelassenheit der Protagonisten im Umgang miteinander war echt.
Die Signale, die der Cheftrainer des FCK (Anfang), der neue (Ritter) sowie der frühere Kapitän (Zimmer) aussendeten, können alle beruhigen, die wegen der Entscheidung beunruhigt sind, die kurz vor dem Saisonstart des FCK bekanntgegeben worden war. Weil der seitherige Kapitän Zimmer seines Amtes enthoben und durch Ritter ersetzt wurde, wäre es keine sensationelle Entwicklung, wenn Zimmer in Richtung Ritter und/oder Anfang zumindest schmollen oder vielleicht sogar stinksauer sein würde. Dem ist offenbar nicht so, wie das spontane und ungeplante Werbefilmchen offenbarte.
„Ich habe unmittelbar nach der Wahl mit ihm gesprochen“, sagt Anfang, der nicht den Eindruck hat, dass die neue und erzwungene Rolle beim ehemaligen Kapitän einen Knacks verursacht hat: „Ich habe Jean gesagt, dass er für mich weiter ein wichtiger Ansprechpartner ist.“ Der FCK-Coach schenkt Zimmer weiterhin Vertrauen: „Er kennt diesen Verein sehr gut und ist ein erfahrener Profi.“
Zimmer gibt keine Interviews
Zimmer selbst möchte derzeit keine Interviews geben, keine Einblicke in seine Gefühlswelt geben. Der 30-Jährige möchte sich öffentlich nicht dazu äußern, wie es für ihn als gebürtigen Pfälzer ist, die Profimannschaft seines Herzensklub nicht mehr als Kapitän aufs Spielfeld zu führen. Auch wenn es keine Degradierung durch den neuen Trainer Markus Anfang sein sollte, muss es sich für Zimmer zumindest im ersten Moment so anfühlen. Es gäbe ein paar Fragen, aber man kann sie dem Betroffenen nicht stellen. Die Auskunft des Klubs lautet: Jean Zimmer möchte sich aufs Sportliche konzentrieren. Sich also der Aufgabe widmen, als einer von elf FCK-Profis auf das Spielfeld zu laufen, wenn schon nicht mehr als erster.
In den ersten beiden Zweitligaspielen stand Zimmer in der Startformation – doch daraus lässt sich nicht ableiten, dass er als Rechtsverteidiger gesetzt bleibt. Beim 2:1-Auftaktsieg in Ulm drehten die Lauterer die Partie in der Schlussphase erst, nachdem Zimmer ausgewechselt worden war, und beim 2:2 gegen Fürth gelang der Ausgleich ohne Zimmer auf dem Feld, der erneut vom Platz beordert worden war. Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen den Auswechslungen des ehemaligen Kapitäns und den Toren der Roten Teufel, aber es bleibt ein Gefühl, dass die Mannschaft ohne ihn erfolgreicher war.
Traumtor im Trainingsspielchen
Zimmer versucht, dagegen anzukämpfen. Beim 2:1-Pokalsieg am zurückliegenden Wochenende in Ingolstadt saß er 90 Minuten lang auf der Bank, an seiner statt beackerte Almamy Toure die rechte Seite. Am kommenden Samstag soll sich die Rollenverteilung wieder ändern. In Münster beansprucht Zimmer seinen Platz zurück. Aber ein Selbstläufer wird das nicht, denn die Konkurrenz ist groß. Neben Toure sind auch Jan Gyamerah und Frank Ronstadt als Rechtsverteidiger denkbar. Am Dienstag war jeder von ihnen engagiert bei der Sache und versuchte, Signale an das Trainerteam zu senden, dass er die beste Option für das Auswärtsspiel beim Aufsteiger Preußen Münster sei.
„Jean verhält sich immer noch gleich in der Kabine“, sagt Ritter: „Er hat immer noch einen hohen Stellenwert. Ich finde, es hat sich nichts geändert, nur weil er nicht mehr die Binde trägt.“ Überhaupt sei das kein großes Thema: „Wir verstehen uns immer noch gut.“
Jean Zimmer sammelte am Dienstag ein paar Pluspunkte – mit einer Szene, die wie ein Werbefilmchen für Traumtore aussah. Gefühlvoll flankte er im abschließenden Trainingsspiel den Ball zu Marlon Ritter, der das Spielgerät mit der Brust stoppte und ihn danach volley ins Tor schoss.
