1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel FCK-Sieg gegen Magdeburg: Dieses Mal kein „Hosenscheißer-Fußball“

Daniel Hanslik (Mitte) legte mit einem Doppelschlag – seinem ersten in der Zweiten Bundesliga – den Grundstein zum Lauterer Sieg
Daniel Hanslik (Mitte) legte mit einem Doppelschlag – seinem ersten in der Zweiten Bundesliga – den Grundstein zum Lauterer Sieg. Links: Ben Zolinski, der statt Kapitän Jean Zimmer von Beginn an spielte. Rechts: Stürmer Ragnar Ache.

Der 1. FC Kaiserslautern setzt seine Erfolgsserie fort. Das 4:1 gegen den FC Magdeburg verschafft der Mannschaft ein neues Gefühl. Nicht nur, dass der Klub aus drei Spielen sieben Punkte holte. Es war das erste Mal, dass der FCK gegen Magdeburg zu Hause gewann. Ob es an einer überraschenden Personalrochade?

Thomas Hengen hatte vor zwei Wochen drastische Worte für den ängstlichen Auftritt des FCK beim 1:1 gegen Wehen Wiesbaden gewählt. Er sprach unter anderem von „Hosenscheißer-Fußball“. Seitdem ist dieser Ausdruck in aller Munde. Hengen hatte mit seinem – bewussten – verbalen Rundumschlag das bewirkt, was er innerlich erhofft hatte. Durch das Team ging ein Ruck. Die Spieler setzten sich in der Woche nach dem Unentschieden gegen Wehen zusammen und redeten ohne Trainer Friedhelm Funkel Klartext.

Das Ergebnis: Seitdem hat die Mannschaft zweimal gewonnen – 3:1 in Kiel und nun am Samstag 4:1 (2:0) gegen den 1. FC Magdeburg. Die beiden Erfolge erfolgten in einer Art und Weise, wie sie nur wenige erwartet hätten. Für Trainer Friedhelm Funkel jedenfalls waren es keine überraschenden Auftritte. Er hatte bis auf die zweiten Halbzeiten in Fürth und gegen Wehen Wiesbaden immer eine gute Leistung seiner Mannschaft gesehen. Deshalb blieb Funkel mit seiner Mannschaft auf dem Weg der goldenen Mitte. Er wollte weder auf den Pfad der „Weltuntergangsstimmung“ nach dem Wehen-Spiel noch auf die „Euphorie“-Trasse nach den beiden Siegen einbiegen.

Funkel und die Mannschaft blieben bei sich. Und sie befreiten sich vorerst selbst aus der misslichen Lage. Mit den beiden Siegen hat sich der FCK eine gute Ausgangsposition im Endspurt erarbeitet. Dennoch mahnt Funkel. „Die drei Punkte tun uns sehr, sehr gut, aber mehr ist es auch nicht. Mit der Punktzahl werden wir nicht sicher in der Liga bleiben. Aber wir haben jetzt sieben Punkte aus drei Spielen geholt, und auf dem Weg müssen wir weitermachen“, sagte er.

Kenny Prince Redondo erzielt das 3:0.
Kenny Prince Redondo erzielt das 3:0.

Funkel hatte gegen Magdeburg mit einer Personalrochade überrascht. Kapitän Jean Zimmer blieb zunächst auf der Bank. Für ihn spielte Ben Zolinski. Ein Spieler, der in den vergangenen Monaten keine Rolle mehr spielte, aber unter Funkel wieder aufblüht. Zolinski gehört neben Tobias Raschl, Daniel Hanslik und Kenny Prince Redondo zu den Spielern, die auch im Training am meisten laufen, sagte Funkel. Gegen Magdeburg habe er wieder laufstarken Spielern vertraut. Mit Erfolg. Hanslik ebnete mit seinem Doppelschlag (15., 20.) den Weg zum 4:1-Sieg. Kapitän Redondo (57.) und Jan Elvedi (83.) erzielten die weiteren FCK-Tore. Für Hanslik war es der dritte Treffer in zwei Spielen. In Kiel köpfte er das 1:0. Für den 27 Jahre alten Hanslik war es zudem der erste Doppelschlag in der Zweiten Bundesliga. Es war auch einer der schnellsten in der Geschichte des FCK. Christian Kühlwetter gelangen in der Saison 2019/2020 in der Dritten Liga beim 3:3 gegen Meppen zwei Tore innerhalb von vier Minuten. „Man sieht ab und zu, dass ich doch ein bisschen Instinkt habe“, sagte Hanslik schmunzelnd.

Friedhelm Funkel hat eine gewisse Zeit gebraucht, um sich ein Bild von allen Spielern zu machen. Der Erfahrungsschatz des Fußball-Lehrers zahlt sich aus. Funkel ist geradlinig und stringent in seiner Vorgehensweise. „Als Friedhelm Funkel kam, merkte ich: Da achtet jemand auf Trainingsleistungen und dass sich jemand anbietet. Und ich glaube daran, dass man früher oder später belohnt wird“, sagte Hanslik.

Neben Hanslik ist aktuell Zolinski ein Nutznießer – und letztendlich die Mannschaft. Denn Funkel hat es geschafft, einem Sammelsurium an Ich-AGs Leben einzuhauchen und den Spielern klarzumachen, dass es nur funktioniert mit dem Klassenverbleib, wenn sie als Kollektiv funktionieren. Dafür griff Funkel intern auch zu manch unpopulärer Entscheidung, aber nach außen hin, steht er vor jedem seiner Spieler.

Ein „Urlauber“ trumpft beim FCK auf

Für Ben Zolinski eröffnen sich unter Funkel ganz neue Perspektiven. Unter Dirk Schuster und Dimitrios Grammozis spielte er keine große Rolle. „Ich habe ja ein bisschen Urlaub gemacht davor, das ist dann ein bisschen ungewohnt über so einen Zeitraum zu spielen“, sagte „Urlauber“ Zolinski am Samstag. Er entschuldigte sich fast schon dafür, dass er erschöpft nach 69 Minuten vom Platz ging. Für Funkel ist das indes kein Zeichen der Schwäche. Das hatte er schon vor dem Spiel gegen Magdeburg betont. Er rechnet es den Spielern vielmehr hoch an, wenn sie bis an die Erschöpfungsgrenze gehen und dann signalisieren, dass ein frischer Spieler, der neue Impulse setzen kann, eingewechselt werden soll.

Jan Elvedi jubelt nach seinem Tor zum 4:1.
Jan Elvedi jubelt nach seinem Tor zum 4:1.

Jean Zimmer setzte nach seiner Hereinnahme so einen Impuls. 60 Sekunden nach seiner Einwechslung sprintete er auf der linken Seite über den halben Platz und passte den Ball in die Mitte zum freistehenden Marlon Ritter. Mit etwas Glück wäre es das 4:0 gewesen. Eine Szene, die den entfachten Geist der Mannschaft zeigt. „Jeder Einzelne hat alles in die Waagschale geworfen, wir hatten keine Angst, auch mal einen gefährlicheren Ball zu spielen, weil wir wussten, dass da immer jemand ist, der zur Stelle ist“, sagte Zolinski.

Das Wissen, das jemand für den anderen in die Bresche springt, fehlte dem FCK in vielen Spielen in dieser Saison. Friedhelm Funkel hat es auf der Zielgeraden geschafft, das Gefühl einer für alle, alle für einen in die Köpfe der Spieler zu trichtern. Ergebnisse wie gegen Kiel und Magdeburg springen als Resultat des neuen Teamgeistes heraus. Die Mannschaft muss sich dann auch keinen „Hosenscheißer-Fußball“ vom Chef vorwerfen lassen.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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