1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel FCK-Coup in Kiel: Nur auf dem Platz zurückgeschlagen

Marlon Ritter saß zunächst überraschend auf der Bank. Doch er schmollte nicht – sondern schoss das 3:1 für den FCK in Kiel.
Marlon Ritter saß zunächst überraschend auf der Bank. Doch er schmollte nicht – sondern schoss das 3:1 für den FCK in Kiel.

Nach dem 3:1 in Kiel wäre es für die Spieler des 1. FC Kaiserslautern einfach gewesen, gegen die Kritiker zurückzuschlagen. Doch nach dem Abpfiff verhalten sie sich fast noch cleverer als während des Spiels.

Die Profis hatten auf dem Platz beeindruckend gut und beeindruckend clever aufgespielt, sie hatten sehr viel richtig gemacht – aber die größte Leistung vollbrachten Jean Zimmer, Julian Krahl und die anderen nach dem Abpfiff in den Katakomben des Holstein-Stadions. Die Spieler des 1. FC Kaiserslautern hatten gerade beim Tabellenführer der Zweiten Liga gewonnen und sich in die Ausgangslage gebracht, zurückzuschlagen. In Richtung der Medien, in Richtung der Menschen in diversen Internetforen, die nach dem Remis gegen Wehen Wiesbaden eine Woche zuvor scharfe Kritik an den FCK-Profis geübt hatten. „Seht her, wir haben es euch allen gezeigt“, hätten die Spieler sagen können. Aber sie waren klug genug, es nicht zu tun.

Die Akteure hatten viel Energie eingesetzt, um sich im Abstiegskampf zurückzumelden. Nach der Partie vergeudeten sie keine weitere, die in den kommenden Wochen fehlen könnte. Natürlich hatte es in den Spielern gebrodelt, weil sie sich von der medialen Berichterstattung und Beiträgen im Internet nicht freimachen können. Vielleicht gibt es eine Art von Rückschlag, wenn die Saison zu einem guten Ende gekommen ist, aber vorerst machten die Lauterer den Eindruck, nun alle Kräfte bündeln zu wollen, um auf dem Feld Antworten zu geben.

„Es geht nicht um Genugtuung“

Der Trainer dürfte das mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen. „Es geht nicht um Genugtuung“, sagte Friedhelm Funkel, der so ruhig und besonnen sprach wie immer, seit er seinen Job beim FCK antrat. Der 70-Jährige hatte einen 3:1 (2:1)-Sieg der Roten Teufel bei Holstein Kiel gesehen, durch den die Lauterer die Tristesse im Umfeld durchbrachen und drei Punkte gewannen, die in der Endabrechnung den Unterschied zwischen Abstieg und Ligaverbleib ausmachen können. Zumindest für eine Nacht kletterte der FCK in der Tabelle auf den 15. Platz, er erreichte den Sehnsuchtsort. Sollte Wehen Wiesbaden am Sonntag gegen Greuther Fürth punkten, würde der FCK allerdings auf Rang 16 zurückfallen. „Das interessiert mich überhaupt nicht“, sagte Jean Zimmer: „Ich will da nach dem letzten Spieltag stehen, nicht jetzt.“

Leidenschaftlicher Kämpfer auf der Außenbahn: Tymoteusz Puchacz.
Leidenschaftlicher Kämpfer auf der Außenbahn: Tymoteusz Puchacz.

Der Kapitän und seine Mitstreiter hatten viel dafür getan, damit der Wunsch in Erfüllung geht. Eine Halbzeit lang spielten die Lauterer beim seitherigen Spitzenreiter selbstbewusst auf und führten zur Pause durchaus verdient 2:1. Daniel Hanslik (13.) und Filip Kaloc (45.+4) trafen jeweils im Anschluss an eine Ecke von Tymoteusz Puchacz, Alexander Bernhardsson (25.) hatte für den KSV Holstein zwischendurch das 1:1 erzielt.

FCK bleibt mutig und aktiv

So weit, so normal. Oft hatten die Lauterer im bisherigen Saisonverlauf 45 Minuten lang überzeugt, geführt – und nach einem Leistungseinbruch noch verloren. Diesmal kam es anders, was drei Gründe hatte. Die Roten Teufel hatten das oft zitierte „Spielglück“ auf ihrer Seite, sie hatten einen außerordentlich guten Torhüter im Rücken und sie verteidigten in der zweiten Halbzeit viel besser und aktiver als in vielen Begegnungen der jüngeren Vergangenheit. Obwohl die Kieler nach der Pause offensiv wechselten und auf den Ausgleich drängten, gelang es den Lauterern, sich nicht hinten reindrücken zu lassen.

Starker Rückhalt: FCK-Keeper Julian Krahl.
Starker Rückhalt: FCK-Keeper Julian Krahl.

Das hatte weniger mit der Systemumstellung zu tun – Funkel stellte defensiv auf einer Dreierkette um –, sondern mit der Bereitschaft, weiterhin hoch zu stehen. Im Mittelfeld hielten Tobias Raschl und Kaloc in den allermeisten Situationen das Zentrum dicht und schafften es im Zusammenspiel mit den laufstarken Außen Puchacz und Zimmer fast immer, den ballführenden Spieler des KSV unter Druck zu setzen. Die Lauterer mussten in der zweiten Halbzeit viel verteidigen, blieben aber trotzdem mutig und wurden mit einem Sieg belohnt.

Funkel: „Mein Lieblingsstadion“

Daran hatten die Einwechselspieler Anteil, denn das 3:1 entsprang einem Zusammenspiel von Marlon Ritter und Ben Zolinski. Ritter war überraschend aus der Startelf geflogen, schmollte aber nicht, sondern schoss in der 83. Minute das dritte Tor. Die Vorlage kam von Zolinski, der schwere Monate beim FCK hinter sich hat. Die rund 2000 mitgereisten Anhänger der Roten Teufel feierten den unerwarteten Dreier in Kiel ausgelassen. Die Spieler feierten etwas mit, ehe sie erschöpft, zufrieden, aber ohne Euphorie ins Innere des Stadions entschwanden.

Einen kleinen emotionalen Ausbruch gab es aber doch noch. Als Friedhelm Funkel nach dem Schlusspfiff auf dem Weg in die Kabine war, schleuderte er den Menschen eine besondere Form einer Liebeserklärung entgegen. „Das wird hier mein Lieblingsstadion“, sagte der Lauterer Trainer und dabei hatte er ein Lächeln im Gesicht. Ob das den Menschen in Kiel gefiel? Im Holstein-Stadion hatte er vor drei Jahren im finalen Relegationsspiel mit dem 1. FC Köln 5:1 gewonnen. Der Erfolg mit dem FCK im Jahr 2024 brachte noch nicht den Ligaverbleib, war aber nicht weniger wertvoll.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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