1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Emotionaler Sieg in der Nachspielzeit: Es gipfelt in einem „Betze-Moment“

Der „Betze-Moment“: Ragnar Ache (links) und Dickson Abiama jubeln synchron über das 3:2.
Der »Betze-Moment«: Ragnar Ache (links) und Dickson Abiama jubeln synchron über das 3:2.

Der FCK kämpft gegen Widerstände an und wird mit dem späten Siegtreffer belohnt. Das 3:2 gegen den VfL Osnabrück verschafft ein Polster im Abstiegskampf.

Friedhelm Funkel kramte in seiner Erinnerung und ging gedanklich in eine Zeit zurück, in der er mit kurzen Hosen über den Rasen sprintete und die Fußballarena auf dem Betzenberg noch nicht in Fritz-Walter-Stadion umbenannt worden war. „Wir haben öfter Spiele noch in der Nachspielzeit gedreht oder zumindest noch ein Unentschieden geschafft“, sagte der Trainer des 1. FC Kaiserslautern, der in den 1980er-Jahren als Profi für den Traditionsklub aus der Pfalz gespielt hatte. „Ich kenne diese Momente in diesem Stadion“, sagte Funkel, inzwischen 70 Jahre alt und mit dem Auftrag beschäftigt, den FCK in der Zweiten Liga zu halten.

Am Sonntag sorgten ein paar „Betze-Momente“ dafür, dass Funkel einen wichtigen Schritt auf seinem Weg weiterkam, denn mit einem Tor in der Nachspielzeit besiegten die Roten Teufel den VfL Osnabrück 3:2 (0:0) und setzten sich zumindest ein klein wenig von der Abstiegszone ab. Neun Spieltage vor dem Ende der Saison beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz immerhin drei, auf den ersten direkten Abstiegsplatz gar vier Zähler. Der FCK ist mit Funkel vorangekommen, was nicht nur an dem einen „Betze-Moment“ ganz am Ende lag, sondern an einer starken Willens- und Kopfleistung der Mannschaft, die zwei Mal einen Rückstand egalisierte.

Der FCK schüttelt sich nur kurz

Es war nur 15 Tage her, als der FCK im Südwestderby gegen den Karlsruher SC eine schmachvolle 0:4-Packung kassierte hatte, weil er nach dem 0:1-Rückstand erst den Glauben an sich selbst, danach die Ordnung auf dem Feld und schließlich die Partie verlor. Gegen den VfL Osnabrück gab es eine beachtliche Duplizität der Ereignisse, die aber nach dem ersten Tor der Niedersachsen endete. Nach einer ersten Halbzeit, die davon geprägt war, dem Gegner keine Räume zu gewähren, ging der VfL kurz nach der Pause 1:0 in Führung (Engelhardt, 48.).

Ba-Muaka Simakala (Mitte) nach seinem Treffer zum 2:2.
Ba-Muaka Simakala (Mitte) nach seinem Treffer zum 2:2.

Ganz ähnlich war das Derby gegen den KSC verlaufen, aber gegen Osnabrück schüttelten sich die Lauterer nur kurz, um mit Macht auf die Wende zu drängen.

„Wir haben immer kontrolliert gespielt, hatten immer eine Restverteidigung“, sagte Funkel und lobte seine Spieler. Ohne übertriebene Hatz, ausgestattet mit dem Glauben, zurückschlagen zu können, gelang es den Roten Teufeln, die Fans im Stadion hinter sich zu bringen. Das war beachtlich, weil die Lauterer in den vergangenen Wochen nach Rückschlägen nicht mehr zurückkamen. Gegen Elversberg, Paderborn und Karlsruhe gab es aus diesem Grund Niederlagen – gegen den VfL Osnabrück hingegen drei Punkte.

Ache ist „Wettbewerbsverzerrung“

Der FCK lebte gegen den Tabellenletzten von seinem Glauben an die Wende und den Fähigkeiten von Ragnar Ache sowie Ba-Muaka Simakala. Topstürmer Ache, dessen Mitmachen VfL-Trainer Uwe Koschinat wegen dessen hoher Qualität als „Wettbewerbsverzerrung“ für die Zweite Liga bezeichnete, sorgte mit einem Kopfball für das 1:1 (66.), der eingewechselte Simakala mit einem traumhaft schönen Volleyschuss von der Strafraumkante für das 2:2 (78.). Dazwischen hatte Erik Engelhardt die Osnabrücker zum zweiten Mal an diesem Nachmittag in Führung gebracht (69.). Zwei Mal gelang den Roten Teufeln das Tor-Comeback.

Friedhelm Funkel jubelt.
Friedhelm Funkel jubelt.

Das genügte vor 42.008 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion noch nicht, die Geschichte dieser intensiv geführten Partie war noch nicht zu Ende erzählt. „Die Zuschauer wurden immer lauter, Osnabrück hat nur noch verteidigt“, gab Ache seine Eindrücke wieder. Der Stürmer fühlte, dass noch etwas in der Luft lag, als er sich in der Nachspielzeit noch einmal auf den Weg in den Strafraum des VfL machte. Simakala behauptete im Mittelfeld den Ball und spielte einen klugen Pass auf Richmond Tachie, dessen Querpass Ache sehenswert zum 3:2 über die Linie drückte (90.+2).

Jean Zimmer sank zu Boden, die Emotionen übermannten den Kapitän. Innenverteidiger Boris Tomiak ging es ebenso, während Tymoteusz Puchacz spontan begann, zu beten. Die meisten Menschen im Stadion flippten aus, es wirkte, als würde die Arena abheben. Dieser „Betze-Moment“ war der bedeutsamste Augenblick in der bisherigen FCK-Saison. Es sagt viel über die Sekunden nach dem 3:2 aus, dass Ragnar Ache nach dem Torjubel von Krämpfen geplagt ausgewechselt werden musste.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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