1. FC Kaiserslautern
Die FCK-Fans feiern vor dem Saisonfinale in Köln
Ein bisschen göttlicher Beistand kann nicht schaden. „Richtig andächtige Stimmung hier“, sagt Emily. Sie steht im Kölner Dom, ihr Bruder Felix neben ihr trägt ein Trikot des 1. FC Kaiserslautern. Beide blicken das Mittelschiff entlang, durch die bunten Seitenfenster fällt Licht herein. Kurz darauf beginnt am frühen Samstagabend die Messe. „Es ist total beruhigend“, sagt Emily. Aus Magdeburg sind die Geschwister ins Rheinland gekommen, um den FCK am Sonntag zu unterstützen, wenn die Roten Teufel zum letzten Spiel der Zweitliga-Saison beim 1. FC Köln antreten. Dann wird feststehen, ob der FCK gegen viele Wahrscheinlichkeiten doch noch um den Aufstieg in die Bundesliga spielen wird.
Der Vater von Emily und Felix kommt aus der Pfalz, für einen anderen Verein zu jubeln ist für die beiden keine Option. „Magdeburg? Das würde Papa nicht erlauben“, sagt Felix und lacht. Nun gehen sie gemeinsam ins Stadion. Sie zählen zu den Glücklichen, die ein Ticket ergattert haben. Rund 5000 Zuschauer dürfen in den Gästeblock der Kölner Arena und der FCK hat all jenen, die keine Eintrittskarte bekommen haben, auf seiner Homepage eigentlich davon abgeraten, in die Domstadt zu fahren. Eigentlich. In der Kölner Altstadt feiern die FCK-Fans am Vortag des Spiels eine große Party, ihren Klub und die Saison.
Pfälzische Kennzeichen dominieren
„FCK-Fans sind auswärts immer sehr präsent“, sagt Thomas Hengen. Während die Mannschaft im Hotel ist, lässt es sich der Geschäftsführer nicht nehmen, einen Abstecher an die Rheinpromenade zu machen. Es dauert nicht lange, bis er von Fans umzingelt ist und viele Fotowünsche erfüllt. „Es ist kein normales Spiel, es ist das Saisonfinale“, sagt Hengen. „Es ist der 34. Spieltag, mit vielen Szenarien, an dem alles passieren kann.“ Damit es Kaiserslautern noch in die Relegation schafft, ist ein Sieg Pflicht. Zudem müssen Elversberg und Paderborn verlieren, Düsseldorf darf nicht gewinnen. „Bei unserer Konstellation ist alles sehr viel Wenn und Aber“, sagt Hengen. „Wir wollen das Spiel gewinnen, das ist unsere Hausaufgabe.“ Mit dann 56 Punkten wäre die Saison „erfolgreich.“
Um die Mittagszeit muss der Kellner das erste Mal einschreiten. Eine Gruppe Fans steht an der „Brauerei zur Malzmühle“, das Kölsch fließt, die Stimmung ist ausgelassen. „Kaiserslautern Fußballklub olé“, singen die Pfälzer und der Mann, der den nächsten Kölsch-Kranz auf den Tisch stellt, sagt fast entschuldigend: „Ein bisschen leiser, bitte.“ Um 6 Uhr morgens hatte sich der FCK-Fanclub 1972 aus Herxheim auf den Weg aus der Südpfalz nach Köln gemacht. „Die ersten Kölsch haben geschmeckt“, sagt der Vorsitzende Carsten Kindle. Von überall her aus der Pfalz sind die Fans nach Nordrhein-Westfalen gekommen, haben per Zug der Sperrung des Kölner Hauptbahnhofs getrotzt oder sind mit dem Auto gefahren. Für Sonntagmittag ist eine Delegation angekündigt, die per Schiff anreist. In den Tiefgaragen der Kölner Hotels dominieren an diesem Wochenende die pfälzischen Kennzeichen: LU, KL, DÜW, SP, KIB, GER, ZW, LD, PS. Die Nachfrage nach Karten sei für das Köln-Spiel größer gewesen als für das Pokalfinale im vergangenen Jahr, heißt es vom FCK. An dieses Erlebnis fühlen sich nun viele erinnert.
Die Leidenszeit ist vorbei
Auswärtsspiele sind die Leidenschaft des Fanclubs aus Herxheim „Wir fahren weit und trinken viel“, steht auf ihren Stickern. Von 17 Partien in fremden Stadien wird der Klub in dieser Saison 15 besucht haben. 46 der 250 Mitglieder sind in Köln dabei, 28 Tickets hat der Verein bekommen. Eine Quote, die Kindle zufrieden stimmt. „Wir haben Tradition, waren auch in der Dritten Liga dabei, das wird honoriert“, sagt er. Andere Fanclubs hätten deutlich weniger Karten bekommen, heißt es.
Die Leidenszeit in der Dritten Liga ist für den FCK mittlerweile vorbei, stattdessen schielt der Klub mit einem Auge gar wieder auf das Oberhaus des deutschen Fußballs. Doch an einen möglichen Aufstieg wollen viele derer, die nach Köln gekommen sind, keinen Gedanken verlieren: wäre schön, aber nicht unbedingt notwendig – zumindest aus Sicht der Anhänger. „Karlsruhe verliert sowieso absichtlich“, ruft eine Frau plötzlich. Mit einem Sieg Paderborns im Wildpark wären alle Lauterer Relegationsträume dahin.
Trotzdem: Die Hoffnung existiert, dass die Mannschaft das vermeintlich Unmögliche doch noch schafft. Um die Mittagszeit geht der Blick am Früh-Brauhaus am Dom nach Saarbrücken. Die Saarländer liegen in der Dritten Liga gerade gegen Borussia Dortmund II zurück, der Aufstieg in die Zweite Liga scheint kein Thema mehr zu sein. „Brauchen wir die wirklich bei uns?“, fragt Hardi Greza, Vorsitzender des FCK-Fanclubs „Treverer Teufel“ aus Trier und lacht. „Das Derby wäre aber schon toll.“ Neben ihm sitzt Udo Ringel, beide haben bei der Bundeswehr gearbeitet. Vor 17 Jahren ist er von Trier nach Kaiserslautern gezogen. „Eines steht fest“, sagt Ringel, „wir feiern mit den Kölnern gemeinsam.“ Am liebsten wäre ihm ein Unentschieden: solider Abschluss für den FCK, Aufstieg für den „Effzeh.“ Später steht fest: Saarbrücken hat das Spiel noch gedreht, spielt um den Aufstieg. Im Fußball ist vieles möglich.
Pfeif auf die Bayern
„Wir brauchen kein Bayern München, um unser Stadion voll zu kriegen“, sagt Andrea Wind aus dem Landauer Stadtteil Wollmesheim. Gemeinsam mit Vertretern der Teufelsfreunde Südpfalz steht sie auf dem Heumarkt und sagt: „Wir haben eine tolle Saison gespielt.“ Wind zückt ihr Handy, am Vormittag hatte sie Friedhelm Funkel getroffen. Der frühere Coach der Lauterer wohnt während seines jetzigen Engagements in Köln im gleichen Hotel wie die Pfälzer. Er sei interessiert gewesen, habe viele Fragen gestellt, erzählt die Südpfälzerin. Als sie ihn um ein Foto gebeten habe, hätte er nur gesagt: „Aber doch nicht in der Tiefgarage“. Daraufhin seien sie in die Hotellobby gegangen.
Gegen Abend wird die „Brauerei zum Pfaffen“ mehr und mehr zur Pfälzer Botschaft im Herzen von Köln. Die Fans singen ihre Lieder, laut und inbrünstig. All jene, ob sie ein Ticket für das Spiel haben oder nicht, füllen das Motto, das FCK-Boss Thomas Hengen ausgegeben hat, mit Leben: „Heute Abend genießen, morgen Vollgas.“
Doch so laut es hier ist, ein paar Gehminuten weiter wird es ganz still. Einmal im Monat ist der Kölner Dom samstags bis spät in den Abend geöffnet. So wie an diesem Tag. „Nightfever“ heißt die Aktion, am Eingang verteilen Helfer Kerzen, die die Kathedrale erleuchten. Ein junger Mann stellt sein brennendes Teelicht auf eine Stufe und hält einen Moment inne. Er trägt ein FCK-Trikot. Die Stimmung ist andächtig. Ein bisschen Beistand von ganz oben kann vor dem Saisonfinale nicht schaden.
