1. FC Kaiserslautern
Der neue FCK-Kapitän: Ritterschlag für Marlon Ritter
Das Geheimnis wurde gegen 12.30 Uhr am Samstag gelüftet. Der 1. FC Kaiserslautern hatte über seine Kanäle bekanntgegeben, wen die Mannschaft am Freitagnachmittag zum Kapitän gewählt hatte. Jean Zimmer, der seit Februar 2021 die Kapitänsbinde trug, wurde es jedenfalls nicht mehr. Äußern dazu wollte er sich am Samstag nicht. Marlon Ritter vereinte die meisten Stimmen des Teams auf sich. „Es ist eine große Ehre. Spätestens nach dem Pokalfinale weiß die ganze Welt, was für ein Verein der FCK ist. Dass mich die Mannschaft gewählt hat, macht mich stolz. Aber meine Rolle im Team wird sich deshalb nicht ändern, nur, weil ich jetzt eine Binde am Arm trage. Wir sind alle gefragt, auf dem Platz besser zu sein, als vergangene Saison“, sagte der Mittelfeldspieler nach dem 2:0 (0:0)-Testspielsieg gegen den Drittligisten 1860 München vor 16.139 Zuschauern.
Ritter ist seit 2020 beim FCK und nach Hendrick Zuck (2018) und Avdo Spahic (2019) der dienstälteste Spieler beim FCK. Der Mittelfeldspieler der Roten Teufel wird also kommende Saison mit den Schiedsrichtern etwaige Meinungsverschiedenheiten schlichten. Denn auch in den deutschen Profiligen gilt nun auch die neue sogenannte Meckerregel. Demnach darf nur noch der Mannschaftskapitän mit dem Schiedsrichter während der Partie sprechen. Bei der Europameisterschaft in Deutschland hatte sich die neue Regel bewährt.
„Ich finde die Regel diesbezüglich gut, dass nicht jeder meckert und eine Rudelbildung entsteht. Man sollte aber aufpassen, wie schnell eine gelbe Karte gezückt wird, sonst gibt es sehr viele Gelb-Rote Karten. Das ist nicht im Sinne des Sports. Man muss sich einspielen und nicht mit vielen Karten um sich werfen“, sagt Ritter und verweist auf ein Beispiel bei der EM. Da sah der Spanier Rodri die Gelb-Rote Karte aufgrund eines Dialoges mit dem Schiedsrichter. „Rodri ist aber ein besonnener Spieler, der nicht viel meckert“, sagt Ritter.
Ritter, der Trashtalker auf dem Platz
Ritter ist dafür bekannt, dass er auf dem Platz seine Gegenspieler gerne mit Trashtalk, also sinnfreien Unterredungen, aus der Ruhe bringen will. Schon ohne Kapitänsbinde war Ritter ein kommunikativer Spieler und häufiger im Dialog mit den Unparteiischen gewesen. Nun darf er also offiziell mit den Schiedsrichtern reden. „So ist es ein Stück weit angenehmer und vielleicht ganz gut, dass ich Kapitän bin“, sagt Ritter.
Seine neue Rolle bringt allerdings neue Aufgaben mit sich. Diese Woche wird sich der 29 Jahre alte Ritter mit der Mannschaft zusammensetzen und das Saisonziel definieren sowie mit dem ebenfalls neu gewählten Mannschaftsrat den Strafenkatalog erstellen. In das Gremium wurden am Freitag Daniel Hanslik, Erik Wekesser, Kenny Prince Redondo und Tobias Raschl gewählt. Bis auf Redondo, der schon vergangene Saison im Teamrat vertreten war, bekam das Gremium sozusagen frisches Blut.
Redondo ist zweiter Kapitän
„Es gibt einem ein gutes Gefühl“, sagt Erik Wekesser, der vor der Saison vom Ligakonkurrenten 1. FC Nürnberg kam, aber schon von 2007 bis 2017 beim FCK spielte: „Ich werde die Aufgabe mit Ehre erfüllen und versuche voranzugehen. Aber mit diesen Ambitionen bin ich auch hierher gekommen.“ Redondo ist Ritters Stellvertreter gefolgt von Daniel Hanslik, Erik Wekesser und Tobias Raschl.
„Die Mannschaft hat den Teamrat gewählt, und daraus wurde der Kapitän gewählt“, erläutert Trainer Markus Anfang. Bei der Wahl des neuen Mannschaftsrates gab es zwei Vorgaben des Trainerteams: Ein neuer und ein junger Spieler sollen im Mannschaftsrat vertreten sein. In Wekesser und Raschl ist dies erfüllt worden. Sonst habe die Mannschaft alles unter sich geregelt, berichtet Anfang. Der neue Teammanager Daniel Lewandowski habe die Stimmen ausgezählt und das Abstimmungsergebnis dann dem Trainerteam verkündet.
Anfang betonte, dass er Wert darauf legt, dass sich die ganze Mannschaft in Entscheidungsprozesse oder andere Dinge einbringt. „Wir haben erfahrene Spieler wie Jean Zimmer, Boris Tomiak, Jannis Heuer, Philipp Klement. Da muss sich jeder einbringen. Es soll sich keiner zurücknehmen. Ich habe mit Jean ein langes Gespräch geführt. Er weiß, wie die Situation ist, er kennt meine Einstellung, wir sind da total transparent. Er bleibt für mich ein wichtiger Ansprechpartner“, beteuert der FCK-Trainer.
Jean Zimmer war seit Februar 2021 Kapitän. Der Pfälzer identifiziert sich sehr mit dem FCK. „Jeder weiß, was Jean für einen Stellenwert hat. Der FCK ist sein Verein“, sagt Ritter: „Wie er sich fühlt, kann ich nicht sagen. Er hat mir gratuliert. Wir haben ein gutes Verhältnis, da wird sich nichts daran ändern, nur weil ich eine Binde um den Arm habe.“
Am Samstag beim 2:0-Sieg des FCK gegen 1860 München trug Ritter, der das 1:0 (56.) an diesem Nachmittag erzielte und die Vorlage zum 2:0 durch Jannik Mause (76.) gab, aber zwei Binden am Arm: die Kapitänsbinde links und ein Trauerflor am anderen Oberarm. Sowohl der FCK als auch der bayerische Drittligist spielten mit Trauerflor. Sie gedachten des am 10. Juli im Trainingslager in Mals verstorbenen Lauterer Zeugwarts Peter Miethe.
