1. FC Kaiserslautern
Der FCK und seine Siegesserie: Das Geheimnis ist die Sachlichkeit
Von Michael Wilkening
Auch für Helden eines Derbys gelten keine Sonderregeln. Diese Erfahrung machten am Samstag Kenny Prince Redondo und Jannis Heuer. Beide wurden in der 70. Minute im Südwestklassiker gegen den Karlsruher SC eingewechselt, schossen innerhalb von fünf Minuten jeweils einen Treffer, wurden von Teamkollegen und Fans bejubelt – und absolvierten eine knappe halbe Stunde später unbeliebte Tempoläufe über den Rasen des Fritz-Walter-Stadions. Die Ersatzspieler des FCK, auch solche, die eingewechselt wurden, sollen auf diese Weise körperlich gefordert werden, um nicht gänzlich oder mit wenig Belastung den Spieltag zu beenden. Es gehört wahrlich nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen eines Fußballprofis, stumpf Läufe zu absolvieren, während ein Teil der Kollegen in der Kabine einen Sieg genießt.
Fans feiern den Derbysieg ausgelassen
Nicht alles, was die Profis des FCK in diesen Tagen tun (müssen), hat einen großen Spaßfaktor. Aber alles gehört dazu, damit die Lauterer ihren Fans und sich selbst Spaß machen.
Redondo und Heuer waren am Samstag zwei Pfeiler für den 3:1-Derbyerfolg gegen den KSC, der den Aufschwung der Roten Teufel in der Zweiten Liga manifestierte. Seit Anfang Oktober, einem frustrierenden 0:1 bei der SV Elversberg, haben die Lauterer nicht mehr verloren und sich mit fünf Siegen in sieben Partien in die Spitzengruppe der Liga geschoben. „Es ist verrückt, wir haben einen Lauf“, beschrieb Luca Sirch nach dem Derbysieg das sich ausbreitende Gefühl, nicht verlieren zu können. Nach der Pleite bei den Saarländern herrschte rund um Mannschaft und Trainer Krisenstimmung, nach dem emotionsgeladenen Derbyerfolg keimte im Umfeld Euphorie. Die mehr als 40.000 FCK-Sympathisanten im Stadion feierten den Sieg gegen den Rivalen ausgelassen.
Selbstbewusst, aber ohne Euphorie
Die Funktionsträger im Klub offenbarten im bisher wohl schönsten Moment der Saison, was die beachtliche Entwicklung der Roten Teufel ermöglichte. Cheftrainer Markus Anfang und die Profis ordneten den Derbysieg selbstbewusst, aber höchst sachlich ein. Diese Sachlichkeit, mit der unter Anfang gearbeitet wird, half dem Klub aus der Ergebniskrise, die in Elversberg gipfelte. Nach fünf Partien ohne Sieg reagierte der FCK-Coach ebenso sachlich und wendete mit diesem Vorgehen das Hineinrutschen in einen Negativstrudel ab.
Boris Tomiak ist ein Paradebeispiel für die Sachlichkeit. Auf dem Feld agiert er in der Innenverteidigung oder im defensiven Mittelfeld kopfgesteuert und intelligent. In Interviews ist es nicht anders. „Mit jedem Sieg steigt bei uns das Selbstvertrauen, außerdem haben wir im Sommer viel Qualität dazu bekommen. Jetzt sind wir in einem guten Schwung“, sagte Tomiak ohne jeden Ansatz von Überschwang. Der 26-Jährige symbolisiert die Überzeugung, die jeder Spieler aktuell ausstrahlt, verbunden mit der Fokussierung auf die anstehenden Aufgaben. „Wir haben jetzt noch zwei Topspiele bis zur Winterpause. Jetzt müssen wir die Zähne zusammenbeißen, Gas geben und den Schwung mitnehmen“, sagte Tomiak.
Anfang reagiert nüchtern auf die Erfolgsserie
Markus Anfang wird die Aussagen seiner Spieler nach dem verdienten Derbysieg wohlwollend zur Kenntnis nehmen, denn er predigt den sachlichen Umgang mit Ergebnissen seit seinem Amtsantritt im Sommer. Auf eine Frage zur Tabellensituation und nur einem Zähler Rückstand zum Spitzenreiter Paderborn reagierte er nüchtern. „Es ist gut, dass wir die Spiele Woche für Woche angehen. Ich weiß, dass jetzt eine Situation entstanden ist, in der viele versuchen, etwas hineinzuinterpretieren“, sagte der FCK-Trainer: „Wir wissen ja, wie knapp es sein kann.“
Bis zur (kurzen) Winterpause treten die Lauterer zunächst am Samstag beim SV Darmstadt 98 an, ehe zum Hinrundenfinale der 1. FC Köln auf den Betzenberg kommt. In beiden Duellen haben die Roten Teufel die Gelegenheit, gegen Topteams der Liga unter Beweis zu stellen, dass ihr derzeitiger Spitzenplatz kein Resultat von Zufällen ist. Wenn die Serie des FCK weitergehen sollte, ist es in der Tat möglich, dass er als Tabellenführer Weihnachten feiert. Kein Wunder also, dass im Umfeld Träume gedeihen und sich Euphorie Bahn bricht.
„Der Grundstein ist, dass wir Ruhe ausstrahlen“
Anfang spürt das und hat einen klugen Umgang damit gefunden. Der FCK-Coach versucht nicht, die Euphorie um ihn herum abzubremsen. Er genießt sie sogar ein bisschen – aber er lässt sie nicht an sich und seine Mannschaft heran. „Der Grundstein ist, dass wir Ruhe ausstrahlen“, sagte er am Samstag. Die Profis folgen ihm auf diesem Weg.
Redondo und Heuer werden in den Trainingseinheiten hin zum Duell am kommenden Samstag beim SV Darmstadt 98 alles dafür tun, nach der Begegnung am Böllenfalltor keine Tempoläufe absolvieren zu müssen. Beide wollen sich für eine Platz in der Startelf empfehlen – ganz ohne Euphorie, sondern mit Fleiß und Sachlichkeit.
