1. FC Kaiserslautern Der FCK-Torwart der ersten Stunde: Nachruf auf Wolfgang Schnarr
In 335 Pflichtspielen hütete Schnarr das FCK-Tor. Als die Bundesliga am 24. August 1963 startete, bestritt Schnarr beim 1:1 in Frankfurt das erste seiner 182 Bundesligaspiele. In einem RHEINPFALZ-Interview Anfang 2023 erinnerte sich Schnarr sehr gut an den nervenaufreibenden „Klassenkampf“: „Es ging immer wieder um die Existenz des FCK.“
1959 holte Meistermacher Richard Schneider Schnarr vom FV Bruchmühlbach auf den Betzenberg. Der 18-Jährige beerbte Willi Hölz, den Torhüter der Meistermannschaft von 1953, als Nummer 1. Mit Gründung der Bundesliga gab Schnarr seinen Beruf als Nähmaschinenmechaniker bei Pfaff auf, wurde Profi. Von Wormatia Worms kam Horst-Dieter Strich, dem Trainer Günter Brocker immer öfter den Vorzug gab. „Brocker war ein Schauspieler“, befand Wolfgang Schnarr, der jüngere Bruder des einstigen SWFV-Präsidenten Georg Adolf Schnarr. „Als Gyula Lorant kam, wurde alles anders. Er war mein bester Trainer“, schwärmte Schnarr, der Familienmensch, dessen Frau Ruth sein wohl treuester Fan war.
Herrliche Anekdoten
Schnarr wusste herrliche Anekdoten zu erzählen. Die Furcht vieler Mannschaften vor dem „Betze“ war die Überlebensgarantie der Lauterer in der Bundesliga. Schmunzelnd schilderte der Torwart wie sie die Gegner mit kernigen Sprüchen beim Einlaufen einzuschüchtern verstanden: „Nur glatte Brüche …“
Der Abstiegskampf, immer mal wieder als Sündenbock herhalten zu müssen, die oft fehlende Wertschätzung der Verantwortlichen, die den Schalker Jupp Elting holten – das zermürbte Schnarr. So folgte er 1970 dem Ruf seines Förderers Richard Schneider zu Regionalligist Preußen Münster. 1974 beim ASV Landau beendete der Torwart seine stolze Karriere.
Daheim in Kaiserslautern führte er 30 Jahre eine Versicherungsagentur. Der Abschied 1970 ließ Schnarr eine gewisse Distanz fühlen, das Herz, so sagte er, „aber schlägt weiter für den FCK“. Mit seinem Sohn Wolf ging er, so lange es möglich war, immer noch gerne „nuff“.
