FCK-Kolumne
Böhms Betze: Als „Magic Mike“ für die Geschichtsbücher traf
Warm war’s. Sehr warm. So warm wie es gewöhnlich halt ist an einem 15. Juli, schon gar unter den Dächern eines Stadions, in dem mehr als 40.000 Menschen einem Fußballspiel entgegenfiebern und es nicht erwarten können, dass der 1. FC Kaiserslautern nach vier Jahren in der Drittliga-Knechtschaft endlich wieder zweitklassig agiert. Der Gast: Hannover 96, so wie am Sonntag des aktuellen Wochenendes. Die Niedersachsen sind seit dem Sommer 2022 ein gern gesehener Kontrahent auf dem Betzenberg, von drei Partien gewann der FCK zwei, eine endete remis.
Das erste Duell aber, das die Deutsche Fußball-Liga für besagten Freitag des Jahres 2022 gleichermaßen zum Eröffnungsspiel der Runde gekürt hatte, ist jenes, das am meisten in Erinnerung geblieben ist. Zum einen, weil Kevin Kraus in der zweiten Minute der Nachspielzeit den 2:1-Siegtreffer markierte und derart zurückhaltend jubelte, dass man erst gar nicht kapierte, was geschehen war. Zum anderen, weil das Führungstor geschichtsträchtigen Charakter annahm.
Das Erbe des Wolfgang Funkel
Mike Wunderlich avancierte mit 36 Jahren und 112 Tagen zum ältesten Spieler, dem für den FCK jemals in einer Ligabegegnung ein Tor glückte. „Magic Mike“ löste Wolfgang Funkel ab, der am 24. September 1994 mit 36 Jahren und 45 Tagen in der Bundesliga getroffen hatte, beim 3:1-Heimerfolg gegen den FC Schalke 04. Für Mittelfeldspieler Wunderlich schloss sich ein Kreis. Elf Jahre zuvor hatte er letztmals ein Zweitligaspiel bestritten. Um ehrlich zu sein: Mir war das nicht mehr bewusst. Ich entdeckte es erst beim Stöbern im digitalen Archiv. Und fragte mich, ob es dem heute 39 Jahre alten Recken noch bewusst ist. „Natürlich“, antwortete er mir auf meine Nachricht per WhatsApp, „das werde ich niemals vergessen.“
So wie ihn die Fans des FCK nicht vergessen werden. Einer wie Wunderlich schmückt jede Mannschaft, auch und gerade wegen seiner vorangehenden, mitreißenden Art. Die beweist er seit einiger Zeit als Trainer. Seine neue Aufgabe ist anspruchsvoll. Seit dem 1. Januar betreut Wunderlich den West-Regionalligisten Wuppertaler SV. Im Stadion am Zoo geht die Abstiegsangst um. Es ist Mike Wunderlich zu gönnen, dass er sie verjagen kann.
Unser Autor
Andreas Böhm, 58, hat als Fan den Pokalsieg 1990 und die Meisterschaft 1991 hautnah miterlebt. Seit 1995 ist er der journalistischen Neutralität verpflichtet, seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.
